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Sa, 19:51 Uhr
25.01.2003

Stellt euch vor: Keiner macht mit!

Nordhausen (nnz). Das Wochenende hätten sich viele Polizeibeamte wahrlich anders vorgestellt. Die NPD hatte eine Demo angemeldet, eine Gegenveranstaltung war die Folge. Letztlich aber war es wie immer: Außer Spesen nichts gewesen. Und die in Höhe einer fünfstelligen Eurosumme.


Mahnung Die NPD als Veranstalter hatte Mühe, die Zahl von Mitläufern zusammen zu bekommen, die von der Polizei angenommen wurde. Es mögen zum Schluß fast 100 gewesen sein, die grölend durch die Rolandstadt zogen. Mit dumpfen Parolen gegen „links“, gegen die Bundesregierung und gegen alles, was links von „ganz rechts“ im politischen Spektrum zu finden ist. Nach einer Stunde Verspätung setzte sich der braune Zug in Bewegung. Und dann wurde auch noch kurzfristig die Route geändert, genauer gesagt, gekürzt. Vermutlich hatten sich die Anmelder selbst in ihrer Kondition unterschätzt, vermutlich wären ihnen wohl auch die Parolen ausgegangen.

Gegen 17 Uhr begann dann auch auf dem August-Bebel-Platz die Veranstaltung des Bündnisses „Nordhausen gegen Nazis“. Oberbürgermeisterin Barbara Rinke mahnte vor 400 Bürgern (Angaben der Polizei) an, solche braunen Aktionen nicht wortlos hinzunehmen. Sie betrachtete es als Schande, dass sich zwei Tage von einem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland diejenigen versammeln dürften, die eigentlich die deutsche Verfassung mit „Stiefeln treten würden“.

Der Bürgermeister von Werther und PDS-Kreistagsabgeordnete Klaus Hummitzsch stand nach mehr als zehn Jahren wieder auf einer provisorischen Bühne auf dem August-Bebel-Platz. Niemals dürfe man vergessen, welche Opfer ein Krieg dieser Stadt zugefügt habe. Und niemals dürfe man vergessen, wer diesen Krieg vom Zaune gebrochen habe. Die Menschen auf dem August-Bebel-Platz demonstrierten schweigend, viele von ihnen hatten Kerzen in der Hand.

Unter Kontrolle Die Polizei war auch diesmal in Nordhausen mit einem Großaufgebot angerückt. Ein Insider sprach von mehr als 1.000 Beamten aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die bauten im Vorfeld sowohl den ehemaligen Busbahnhof als auch den August-Bebel-Platz zu einer Festung aus. Vor allem sollte ein Aufeinandertreffen von „rechts“ und „links“ verhindert werden. Bis auf wenige Ausnahmen am Taschenberg konnte dieses Ziel auch erreicht werden. Im Verlauf des Einsatzes wurden sechs Personen vorläufig festgenommen, da sie u.a. gegen das Versammlungsgesetz verstoßen hatten. Mehrere gefährliche Gegenstände wurden sichergestellt, u.a. ein Butterflymesser, an einem Schaufenster in der Rautenstraße soll eine Scheibe zu Bruch gegangen sein.

Was also hat dieser Samstag gebracht? Sehr viel Unruhe in der Stadt, grölende Nazis, schreiende „Autonome“, massive Polizeipräsenz. Die schweigende, genervte Mehrheit der Nordhäuser nahm nur beiläufig Kenntnis von einer angemeldeten Kundgebung der NPD. Es wird in den kommenden Monaten - die Landesgartenschau steht vor der Tür - vermutlich mehr Aufmärsche geben. Die Polizei geht dabei vor allem von rechten Anmeldern aus. Was aber, wenn sich niemand um die kümmert? Was passiert, wenn man nicht immer mit Gegenveranstaltungen reagiert? Was ist, wenn ein paar „Braune“ unbeachtet durch die Straßen marschieren? Was ist, wenn an den Straßen keine Schaulustigen stehen, denen sie ihre Parolen entgegenschreien können? Auch über eine derartige Strategie sollte beim Bündnis künftig nachgedacht werden. Viel wichtiger erscheint es jedoch, mit vielerlei Aktionen Akzente zu setzen. Man sollte vielmehr agieren, statt zu reagieren, wenn "Braun" agiert. Wie war doch gleich dieser Spruch? „Stellt euch vor es ist Krieg -­ und keiner macht mit!“
Autor: nnz

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