Mi, 12:08 Uhr
02.06.2010
Wirtschaft nimmt Fahrt auf
Der Konjunkturmotor kommt wieder auf Touren, schätzt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt ein. Die Stimmung in der Wirtschaft zeige sich deutlich aufgehellt. Wo die Sonne am meisten scheint? Hier erfahren Sie es...
In den rund 1.000 befragten Unternehmen Nord- und Mittelthüringens würden inzwischen wieder Optimismus und Zuversicht überwiegen. Steigende Auftragseingänge, besser ausgelastete Kapazitäten und höhere Erträge hätten dazu beigetragen. Besonders erfreulich: Der Konjunkturklimaindex, der sowohl die aktuelle wirtschaftliche Situation als auch die Erwartungen und Pläne berücksichtigt, steigt das vierte Mal in Folge und verbessert sich im Vergleich zur vorhergehenden Umfrage noch einmal deutlich um 10 Punkte auf 109 von 200 möglichen Prozentpunkten. Damit wird der beste Wert seit dem Frühjahr 2008 erreicht.
Der Aufwärtstrend in der Wirtschaft hält an. Das Konjunkturbarometer hat auf Schönwetter gedreht. Die zunehmenden Wachstumskräfte dürften auch in den kommenden Monaten für eine stabile Hochdrucklage sorgen, blickt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser hoffnungsvoll auf den weiteren Jahresverlauf. Immerhin beurteilten branchenübergreifend wieder mehr als 80 Prozent der Betriebe ihre Situation mit gut bis befriedigend – nur noch knapp jeder Fünfte spreche von schlechten Geschäften. Gestiegene Auftragseingänge aus dem In- und Ausland hätten die Produktion weiter angekurbelt und für eine positive Ertragslage gesorgt. So würden bereits vier von fünf Firmen inzwischen schwarze Zahlen schreiben.
Die Erholung hat auch die Investitionslaune merklich verbessert. Zwar sind die Kapazitäten noch längst nicht voll ausgelastet, langsam wird aber
wieder mehr Geld in neue Maschinen und Anlagen gesteckt, so der IHK- Chef. Mehr als zwei Drittel der Befragten wollten ihr Investitionsbudget erhöhen oder zumindest konstant halten.
Trotz der Rezession ist der befürchtete Kahlschlag bei den Beschäftigten ausgeblieben. Kurzarbeit, Überstundenabbau und Zeitarbeitskonten haben Schlimmeres verhindert, konstatiert Grusser. Aufgrund der besseren Auftragslage trete die Kurzarbeit nun bei immer mehr Unternehmen in den Hintergrund. Dementsprechend positiv fielen die Beschäftigungspläne für die kommenden Monate aus. Lediglich 14 Prozent der Befragten wollten ihre Mitarbeiterzahl reduzieren, im Vorjahr wären dies noch 33 Prozent gewesen. 12 gegenüber 4 Prozent im Vorjahreszeitraum planten jetzt sogar Neueinstellungen.
Der Großteil der Unternehmer agiert jedoch vorsichtig und hält an der bestehenden Mitarbeiterzahl fest. Auftragsspitzen werden mit Zeitarbeitern bewältigt, verweist Grusser darauf, dass Konjunkturrisiken aber auch das komplizierte Arbeitsrecht viele noch zögern ließen, neue Dauerarbeitsplätze zu schaffen.
So falle der Blick auf die kommenden Monate nicht ganz ohne Sorgenfalten aus. Die Turbulenzen des Euro sowie die Haushaltskrise in einigen Eurostaaten würden weiterhin unkalkulierbare Risiken für die Finanzmärkte darstellen und auch die heimische Wirtschaft beeinflussen. Zudem stehe auch hierzulande eine Konsolidierung der Staatsfinanzen an, die den wirtschaftspolitischen Spielraum stark einschränken könnte. Nichtsdestotrotz seien die Konjunkturaussichten im Vergleich zu den vorangegangenen Umfragen recht positiv. Erstmals seit dem Frühjahr 2008 gewinnen die Optimisten wieder die Oberhand, erklärt der IHK-Hauptgeschäfts-führer. Immerhin habe sich deren Zahl innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. So rechneten 26 Prozent der Unternehmer heute mit einer günstigeren Entwicklung ihrer Geschäftslage, nur 19 Prozent erwarteten dagegen eine Verschlechterung.
Am zuversichtlichsten von allen Branchen zeigt sich die Industrie. Knapp ein Drittel der Manager berichtet von gut gehenden Geschäften und einer verbesserten Ertragslage, informiert Grusser. 81 Prozent der Unternehmer würden inzwischen wieder mit Gewinn oder zumindest kostendeckend arbeiten. Die Umsätze steigen: Hat vor einem Jahr nur jeder vierte Betrieb mit einem Auslastungsgrad von über 80 Prozent produziert, ist es jetzt bereits wieder mehr als die Hälfte. Insbesondere der Außenhandel kehrt zu alter Stärke zurück. Jeder vierte Firmenchef verzeichnet steigende Auftragseingänge in diesem Sektor. Entsprechend geht die Mehrzahl der Befragten auch in den nächsten Monaten von einer positiven Exportentwicklung aus.
Das Baugewerbe hat durch den harten Winter einige Blessuren davongetragen. Nur jeder zehnte Unternehmer berichtet daher von einer guten Geschäftslage, so Grusser. Bei 44 Prozent der Befragten hätten sich die Erträge verschlechtert, 32 Prozent bewegten sich schon in der Verlustzone. Der Blick in die Zukunft sei jedoch weniger pessimistisch. Jeder fünfte Unternehmer hoffe auf eine günstigere Entwicklung.
Trotz der vielversprechenden Arbeitsmarktprognosen stagniert der private Verbrauch. Immer wieder neue Diskussionen über Krisenszenarien und Staatsverschuldungen verunsichern die Konsumenten. Selbst staatliche Stützungsmaßnahmen, wie niedrigere Einkommensteuersätze und höheres Kindergeld, konnten die Ausgabenfreude nicht anheizen, sagt der IHK-Chef. Leidtragender wäre hauptsächlich der Einzelhandel. Mehr als eine Stabilisierung der Lage auf niedrigem Niveau sei daher nicht auszumachen. 38 Prozent der Einzelhändler hätten erneut Umsatzverluste verkraften müssen. Die Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation wollten die Firmen aber noch nicht aufgeben. Immerhin erwarte rund jeder vierte Händler für den Sommer ein Anziehen des Konsums und damit verbundene Ertragssteigerungen.
Fazit: Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich deutlich verbessert. Viele Unternehmen blicken den kommenden Monaten recht optimistisch entgegen. Allerdings sollten diese positiven Botschaften nicht über die noch hohen Risiken hinwegtäuschen. Euro-Krise und Staatsverschuldung kreisen wie ein Damoklesschwert über dem noch wackligen Aufschwung.
Autor: nnz/knIn den rund 1.000 befragten Unternehmen Nord- und Mittelthüringens würden inzwischen wieder Optimismus und Zuversicht überwiegen. Steigende Auftragseingänge, besser ausgelastete Kapazitäten und höhere Erträge hätten dazu beigetragen. Besonders erfreulich: Der Konjunkturklimaindex, der sowohl die aktuelle wirtschaftliche Situation als auch die Erwartungen und Pläne berücksichtigt, steigt das vierte Mal in Folge und verbessert sich im Vergleich zur vorhergehenden Umfrage noch einmal deutlich um 10 Punkte auf 109 von 200 möglichen Prozentpunkten. Damit wird der beste Wert seit dem Frühjahr 2008 erreicht.
Der Aufwärtstrend in der Wirtschaft hält an. Das Konjunkturbarometer hat auf Schönwetter gedreht. Die zunehmenden Wachstumskräfte dürften auch in den kommenden Monaten für eine stabile Hochdrucklage sorgen, blickt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser hoffnungsvoll auf den weiteren Jahresverlauf. Immerhin beurteilten branchenübergreifend wieder mehr als 80 Prozent der Betriebe ihre Situation mit gut bis befriedigend – nur noch knapp jeder Fünfte spreche von schlechten Geschäften. Gestiegene Auftragseingänge aus dem In- und Ausland hätten die Produktion weiter angekurbelt und für eine positive Ertragslage gesorgt. So würden bereits vier von fünf Firmen inzwischen schwarze Zahlen schreiben.
Die Erholung hat auch die Investitionslaune merklich verbessert. Zwar sind die Kapazitäten noch längst nicht voll ausgelastet, langsam wird aber
wieder mehr Geld in neue Maschinen und Anlagen gesteckt, so der IHK- Chef. Mehr als zwei Drittel der Befragten wollten ihr Investitionsbudget erhöhen oder zumindest konstant halten.
Trotz der Rezession ist der befürchtete Kahlschlag bei den Beschäftigten ausgeblieben. Kurzarbeit, Überstundenabbau und Zeitarbeitskonten haben Schlimmeres verhindert, konstatiert Grusser. Aufgrund der besseren Auftragslage trete die Kurzarbeit nun bei immer mehr Unternehmen in den Hintergrund. Dementsprechend positiv fielen die Beschäftigungspläne für die kommenden Monate aus. Lediglich 14 Prozent der Befragten wollten ihre Mitarbeiterzahl reduzieren, im Vorjahr wären dies noch 33 Prozent gewesen. 12 gegenüber 4 Prozent im Vorjahreszeitraum planten jetzt sogar Neueinstellungen.
Der Großteil der Unternehmer agiert jedoch vorsichtig und hält an der bestehenden Mitarbeiterzahl fest. Auftragsspitzen werden mit Zeitarbeitern bewältigt, verweist Grusser darauf, dass Konjunkturrisiken aber auch das komplizierte Arbeitsrecht viele noch zögern ließen, neue Dauerarbeitsplätze zu schaffen.
So falle der Blick auf die kommenden Monate nicht ganz ohne Sorgenfalten aus. Die Turbulenzen des Euro sowie die Haushaltskrise in einigen Eurostaaten würden weiterhin unkalkulierbare Risiken für die Finanzmärkte darstellen und auch die heimische Wirtschaft beeinflussen. Zudem stehe auch hierzulande eine Konsolidierung der Staatsfinanzen an, die den wirtschaftspolitischen Spielraum stark einschränken könnte. Nichtsdestotrotz seien die Konjunkturaussichten im Vergleich zu den vorangegangenen Umfragen recht positiv. Erstmals seit dem Frühjahr 2008 gewinnen die Optimisten wieder die Oberhand, erklärt der IHK-Hauptgeschäfts-führer. Immerhin habe sich deren Zahl innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. So rechneten 26 Prozent der Unternehmer heute mit einer günstigeren Entwicklung ihrer Geschäftslage, nur 19 Prozent erwarteten dagegen eine Verschlechterung.
Am zuversichtlichsten von allen Branchen zeigt sich die Industrie. Knapp ein Drittel der Manager berichtet von gut gehenden Geschäften und einer verbesserten Ertragslage, informiert Grusser. 81 Prozent der Unternehmer würden inzwischen wieder mit Gewinn oder zumindest kostendeckend arbeiten. Die Umsätze steigen: Hat vor einem Jahr nur jeder vierte Betrieb mit einem Auslastungsgrad von über 80 Prozent produziert, ist es jetzt bereits wieder mehr als die Hälfte. Insbesondere der Außenhandel kehrt zu alter Stärke zurück. Jeder vierte Firmenchef verzeichnet steigende Auftragseingänge in diesem Sektor. Entsprechend geht die Mehrzahl der Befragten auch in den nächsten Monaten von einer positiven Exportentwicklung aus.
Das Baugewerbe hat durch den harten Winter einige Blessuren davongetragen. Nur jeder zehnte Unternehmer berichtet daher von einer guten Geschäftslage, so Grusser. Bei 44 Prozent der Befragten hätten sich die Erträge verschlechtert, 32 Prozent bewegten sich schon in der Verlustzone. Der Blick in die Zukunft sei jedoch weniger pessimistisch. Jeder fünfte Unternehmer hoffe auf eine günstigere Entwicklung.
Trotz der vielversprechenden Arbeitsmarktprognosen stagniert der private Verbrauch. Immer wieder neue Diskussionen über Krisenszenarien und Staatsverschuldungen verunsichern die Konsumenten. Selbst staatliche Stützungsmaßnahmen, wie niedrigere Einkommensteuersätze und höheres Kindergeld, konnten die Ausgabenfreude nicht anheizen, sagt der IHK-Chef. Leidtragender wäre hauptsächlich der Einzelhandel. Mehr als eine Stabilisierung der Lage auf niedrigem Niveau sei daher nicht auszumachen. 38 Prozent der Einzelhändler hätten erneut Umsatzverluste verkraften müssen. Die Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation wollten die Firmen aber noch nicht aufgeben. Immerhin erwarte rund jeder vierte Händler für den Sommer ein Anziehen des Konsums und damit verbundene Ertragssteigerungen.
Fazit: Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich deutlich verbessert. Viele Unternehmen blicken den kommenden Monaten recht optimistisch entgegen. Allerdings sollten diese positiven Botschaften nicht über die noch hohen Risiken hinwegtäuschen. Euro-Krise und Staatsverschuldung kreisen wie ein Damoklesschwert über dem noch wackligen Aufschwung.

