Mi, 10:18 Uhr
05.05.2010
Der Baum darf auch blau sein
Ausgrenzung und Mobbing gehören leider zum Alltag auch an Thüringens Schulen. Die Folge ist häufig eine Flucht in virtuelle Welten, in denen Kinder und Jugendliche die Anerkennung finden, die ihnen in der echten Welt verwehrt bleibt. Die Schüler der Petersbergschule haben sich, in Zusammenarbeit mit der Jugendkunstschule, mit der Thematik auseinandergesetzt und einen Animationsfilm erstellt.
Im Film der Schüler des Wahlkurses "Darstellen und Gestalten" wird die Hauptdarstellerin von ihren Mitschülern nicht akzeptiert, ausgegrenzt und flüchtet sich als Folge in die virtuelle Welt der Computerspiele.
Sie wird förmlich vom Bildschirm verschluckt und verliert sich in der bunten Abenteuerkulisse. Hüpfend und springend muss sie vor PacMan und anderen digitalen Bösewichten flüchten. Allein scheint sie dem Spiel, und ihrem eigenen Eskapismus, nicht entkommen zu können.
Die Thematik ist alles andere als weit hergeholt. Ob man die ständige Flucht eines Menschen in virtuelle Realitäten à la "World of Warcraft" & Co als Sucht behandeln sollte, beherrscht die einschlägigen Diskussionen schon des längeren.
Gerade die jüngeren Generationen finden im Spiel schnell (relativ) anstrengungslose Erfolge und gewinnen die Anerkennung der virtuellen Gemeinschaft, die ihnen die Realität so nicht bietet. Sieht es in der echten Welt also weniger rosig aus, durch Ausgrenzung und Mobbing in der Schule etwa, verbringt man mehr und mehr Zeit mit dem Spiel, kapselt sich ab und vernachlässigt (reale) soziale Kontakte.
Der Film nutzt die Stop-Motion Animationstechnik, eine relativ einfache, aber auch zeitaufwändige und anstrengende, Methode um komplizierte Sachverhalte und Fantasiewelten darzustellen. Dabei wird mit einem handelsüblichen Fotoapparat jeweils ein Standbild nach dem anderen gemacht.
Bei jedem Bild wird die Szenerie leicht verändert. Man setzt den Fuß ein Stück vor, schiebt die Billardkugel ein Stück weiter, oder lässt einen neuen Buchstaben erscheinen. Durch das Zusammenfügen der Bilder entsteht dann die Illusion von Bewegung.
Das kann, vor allem für die Hauptdarsteller die möglichst stillstehen müssen und ihre Positionen nur minimal verändern dürfen, sehr anstrengend sein. Andererseits ist es so recht einfach ohne aufwendige Technikspielereien, mit Knet oder Wachsfiguren und selbstgebastelten Sets, fiktive Welten entstehen zu lassen.
Die Arbeit an dem Projekt startete bereits zu Beginn des Halbjahres. "Die Schüler sollten erfahren wie so eine Sache entsteht, wie viel Zeit, Aufwand und auch Körperkraft nötig ist" sagt Kunstlehrerin Frau Dietrich "und es geht auch darum, zu lernen im Team zu arbeiten und sich auf eine Idee zu einigen."
Die Idee zum Film und dessen Umsetzung lag dementsprechend auch ganz in der Hand der Schüler.
"Wir haben uns bewusst zurückgehalten und nur technische Unterstützung gegeben, das war uns sehr wichtig." sagten die Mitarbeiterinnen der Jugendkunstschule Nordhausen Martina Degenhart und Annika Patzelt. "Wir wollen den Jugendlichen möglichst viel künstlerische Freiheit geben, da darf ein Baum auch mal blau statt grün sein."
Die Jugendkunstschulen sind ein Bundesweites Projekt zur Kunstförderung, und die Nordhäuser Dépendance ist die einzige in Nordthüringen. Man bringt dem geneigtem Laien, und durch Zusammenarbeit mit zahlreichen Schulen vor allem den Jüngeren, die bildenden Künste nahe. Es werden Kurse zu Plastik, Malerei, Fotografie oder auch Marionettenbau, Textildesign und natürlich Filmproduktion angeboten.
Im Rahmen der Kooperation, die bereits seit mehreren Jahren besteht, wurde es den Schülern ermöglicht ein eigenes Set in den Räumen der Jugendkunstschule zu basteln und die Ausrüstung der Profis zu benutzen.
Auch die Uraufführung ihres Filmprojektes wird wohl zunächst in der Jugendkunstschule im Meyenburgmuseum stattfinden. Da die Schüler der zehnten Klasse aber demnächst Prüfungen haben, steht leider noch kein Termin fest. Wann es soweit ist erfahren sie natürlich bei ihrer nnz.
Autor: aglIm Film der Schüler des Wahlkurses "Darstellen und Gestalten" wird die Hauptdarstellerin von ihren Mitschülern nicht akzeptiert, ausgegrenzt und flüchtet sich als Folge in die virtuelle Welt der Computerspiele.
Sie wird förmlich vom Bildschirm verschluckt und verliert sich in der bunten Abenteuerkulisse. Hüpfend und springend muss sie vor PacMan und anderen digitalen Bösewichten flüchten. Allein scheint sie dem Spiel, und ihrem eigenen Eskapismus, nicht entkommen zu können.
Die Thematik ist alles andere als weit hergeholt. Ob man die ständige Flucht eines Menschen in virtuelle Realitäten à la "World of Warcraft" & Co als Sucht behandeln sollte, beherrscht die einschlägigen Diskussionen schon des längeren.
Gerade die jüngeren Generationen finden im Spiel schnell (relativ) anstrengungslose Erfolge und gewinnen die Anerkennung der virtuellen Gemeinschaft, die ihnen die Realität so nicht bietet. Sieht es in der echten Welt also weniger rosig aus, durch Ausgrenzung und Mobbing in der Schule etwa, verbringt man mehr und mehr Zeit mit dem Spiel, kapselt sich ab und vernachlässigt (reale) soziale Kontakte.
Der Film nutzt die Stop-Motion Animationstechnik, eine relativ einfache, aber auch zeitaufwändige und anstrengende, Methode um komplizierte Sachverhalte und Fantasiewelten darzustellen. Dabei wird mit einem handelsüblichen Fotoapparat jeweils ein Standbild nach dem anderen gemacht.
Bei jedem Bild wird die Szenerie leicht verändert. Man setzt den Fuß ein Stück vor, schiebt die Billardkugel ein Stück weiter, oder lässt einen neuen Buchstaben erscheinen. Durch das Zusammenfügen der Bilder entsteht dann die Illusion von Bewegung.
Das kann, vor allem für die Hauptdarsteller die möglichst stillstehen müssen und ihre Positionen nur minimal verändern dürfen, sehr anstrengend sein. Andererseits ist es so recht einfach ohne aufwendige Technikspielereien, mit Knet oder Wachsfiguren und selbstgebastelten Sets, fiktive Welten entstehen zu lassen.
Die Arbeit an dem Projekt startete bereits zu Beginn des Halbjahres. "Die Schüler sollten erfahren wie so eine Sache entsteht, wie viel Zeit, Aufwand und auch Körperkraft nötig ist" sagt Kunstlehrerin Frau Dietrich "und es geht auch darum, zu lernen im Team zu arbeiten und sich auf eine Idee zu einigen."
Die Idee zum Film und dessen Umsetzung lag dementsprechend auch ganz in der Hand der Schüler.
"Wir haben uns bewusst zurückgehalten und nur technische Unterstützung gegeben, das war uns sehr wichtig." sagten die Mitarbeiterinnen der Jugendkunstschule Nordhausen Martina Degenhart und Annika Patzelt. "Wir wollen den Jugendlichen möglichst viel künstlerische Freiheit geben, da darf ein Baum auch mal blau statt grün sein."
Die Jugendkunstschulen sind ein Bundesweites Projekt zur Kunstförderung, und die Nordhäuser Dépendance ist die einzige in Nordthüringen. Man bringt dem geneigtem Laien, und durch Zusammenarbeit mit zahlreichen Schulen vor allem den Jüngeren, die bildenden Künste nahe. Es werden Kurse zu Plastik, Malerei, Fotografie oder auch Marionettenbau, Textildesign und natürlich Filmproduktion angeboten.
Im Rahmen der Kooperation, die bereits seit mehreren Jahren besteht, wurde es den Schülern ermöglicht ein eigenes Set in den Räumen der Jugendkunstschule zu basteln und die Ausrüstung der Profis zu benutzen.
Auch die Uraufführung ihres Filmprojektes wird wohl zunächst in der Jugendkunstschule im Meyenburgmuseum stattfinden. Da die Schüler der zehnten Klasse aber demnächst Prüfungen haben, steht leider noch kein Termin fest. Wann es soweit ist erfahren sie natürlich bei ihrer nnz.





