Mo, 13:15 Uhr
03.05.2010
nnz-Wetterrückblick: April, April...
Deutschlandweit war der April 2010 nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zu warm, zu trocken und sehr sonnig. In Thüringen konnte man dies allerdings kaum spüren. Kein Vergleich zu den Grillpartys im vergangenen Jahr. Der Blick auf das April-Wetter von Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat)
Nur 10,3°C wurden auf dem Campus gemessen, rund 3,5°C im Mittel weniger als im April 2009. Zur Erinnerung: Das Jahr 2009 lieferte uns den wärmsten April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Nordhausen (13,8°C). Diesmal liegen wir im Mittelfeld. Und deutschlandweit sind wir eher Schlusslicht: Thüringen und Bayern waren das drittkälteste Bundesland. Am wärmsten war es im April 2010 im Saarland.
Trotzdem gab es auch in Nordhausen die ersten zwei Sommertage mit Temperaturen über 25°C (2009:9 Sommertage). Aber, genau wie in 2009, noch keinen heißen Tag mit Temperaturen über 30°C. Dafür kann der April 2010 nochmals mit vier Frosttagen punkten (2009: 0). Die mittlere Tagestemperatur – ein Indiz für den Start der Vegetationsperiode - kletterte ab der Monatsmitte über 10 °C. Deutlich zu erkennen an den Feldern, der Raps beispielsweise schoss im April regelrecht in die Höhe und in die Blüte und ging nach dem Kaltstart auf die Überholspur. Ende April hat er Versäumtes nachgeholt. Auch die Durchwachsene Silphie, eine Energiepflanze, die auf dem Campus der Fachhochschule seit zwei Jahren zu Versuchszwecken angebaut wird, ist endlich aus der Erde gekrochen. Die Phänologen sind zufrieden.
Thüringen war nicht nur kühl, nach Angaben des DWD war der Freistaat auch der zweitnasseste in Deutschland. Spitzenreiter war Sachsen, aber auch hier fielen nur gut 50% des Solls. Insgesamt fiel deutschlandweit weniger als die Hälfte des normalen Niederschlags. In Nordhausen wurden gerade einmal 7 mm registriert. In 2007 waren es auf dem Campus übrigens nur 5,4 mm. Im Mittel fallen 40 mm, so dass wir auf knapp 18% des Niederschlagssolls kommen. Die klimatische Wasserbilanz ist übrigens bereits im Vormonat März negativ ausgefallen. Dies bedeutet, dass weniger Niederschlag fällt als theoretisch verdunsten kann – der Bodenwasservorrat wird damit durch die Pflanzen verbraucht.
Die Sonne schien 177 Stunden, 40 Stunden weniger als im Rekordapril des vergangenen Jahres. Astronomisch möglich wären 14 Stunden pro Tag. Wir hatten diesmal knapp 6. Im 25-jährigen Mittel scheint die Sonne in Nordhausen 5,5 Stunden. Auch die Strahlungsbilanz, also die Differenz zwischen Strahlungsgewinn durch Sonneneinstrahlung und Verlust durch nächtliche Ausstrahlung, erreichte schon frühsommerliche Werte (169 W/m²).
Und was machte die Vulkanasche des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull mit unserem Wetter? Kurz gesagt – eigentlich nichts, hier in Nordhausen. Schwefeldioxid, welches bei Vulkanausbrüchen in die höhere Atmosphäre geschleudert werden kann, hat zwar einen negativen Strahlungsantrieb. Dies bedeutet, dass dieser Luftschadstoff nicht zur Erwärmung der Erdatmosphäre beiträgt (wie die bekannten Triebhausgase Kohlendioxid oder Lachgas), sondern eben zu einer Abkühlung. Die Teilchen fungieren als eine Art Sonnenschirm in der Stratosphäre. Nach großen Vulkanausbrüchen wie dem Pinatobu im Jahr 1991 kam es daher zu einer nachweislichen Abkühlung der globalen Temperaturen.
Die Konzentrationen und Mengen des aktuellen Ausbruchs waren jedoch zu gering, um solche globalen Auswirkungen herbeizuführen. Die durchgeführten Messungen des DLR Zentrum für satellitengestützte KrisenInformation hat mit dem Testflug Falcon nachgewiesen, dass die gemessenen Konzentrationen der großen Partikeln in den Vulkanschichten bei Werten lag, die typischerweise auch in Sahara-Staubschichten beobachtet werden. Sie lagen jedoch niedriger, als die Konzentrationen von größeren Partikeln, die in einer verschmutzten bodennahen atmosphärischen Grenzschicht gemessen werden, also in der Luftschicht, in der wir leben und atmen.
Über Nordhausen war die Aschewolke am Nachmittag des 16. April tatsächlich zu erkennen. Eine deutliche Reduzierung der Globalstrahlung in den Nachmittagsstunden konnte allerdings an unserer Messstation nicht nachgewiesen werden. Allerdings erschien die registrierte Globalstrahlung am 16. April im Vergleich zu der Sonnenscheindauer dieses Tages etwas zu niedrig. Dies könnte als Hinweis auf den Durchzug der Aschewolke gedeutet werden.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat)
Nur 10,3°C wurden auf dem Campus gemessen, rund 3,5°C im Mittel weniger als im April 2009. Zur Erinnerung: Das Jahr 2009 lieferte uns den wärmsten April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Nordhausen (13,8°C). Diesmal liegen wir im Mittelfeld. Und deutschlandweit sind wir eher Schlusslicht: Thüringen und Bayern waren das drittkälteste Bundesland. Am wärmsten war es im April 2010 im Saarland.Trotzdem gab es auch in Nordhausen die ersten zwei Sommertage mit Temperaturen über 25°C (2009:9 Sommertage). Aber, genau wie in 2009, noch keinen heißen Tag mit Temperaturen über 30°C. Dafür kann der April 2010 nochmals mit vier Frosttagen punkten (2009: 0). Die mittlere Tagestemperatur – ein Indiz für den Start der Vegetationsperiode - kletterte ab der Monatsmitte über 10 °C. Deutlich zu erkennen an den Feldern, der Raps beispielsweise schoss im April regelrecht in die Höhe und in die Blüte und ging nach dem Kaltstart auf die Überholspur. Ende April hat er Versäumtes nachgeholt. Auch die Durchwachsene Silphie, eine Energiepflanze, die auf dem Campus der Fachhochschule seit zwei Jahren zu Versuchszwecken angebaut wird, ist endlich aus der Erde gekrochen. Die Phänologen sind zufrieden.
Thüringen war nicht nur kühl, nach Angaben des DWD war der Freistaat auch der zweitnasseste in Deutschland. Spitzenreiter war Sachsen, aber auch hier fielen nur gut 50% des Solls. Insgesamt fiel deutschlandweit weniger als die Hälfte des normalen Niederschlags. In Nordhausen wurden gerade einmal 7 mm registriert. In 2007 waren es auf dem Campus übrigens nur 5,4 mm. Im Mittel fallen 40 mm, so dass wir auf knapp 18% des Niederschlagssolls kommen. Die klimatische Wasserbilanz ist übrigens bereits im Vormonat März negativ ausgefallen. Dies bedeutet, dass weniger Niederschlag fällt als theoretisch verdunsten kann – der Bodenwasservorrat wird damit durch die Pflanzen verbraucht.
Die Sonne schien 177 Stunden, 40 Stunden weniger als im Rekordapril des vergangenen Jahres. Astronomisch möglich wären 14 Stunden pro Tag. Wir hatten diesmal knapp 6. Im 25-jährigen Mittel scheint die Sonne in Nordhausen 5,5 Stunden. Auch die Strahlungsbilanz, also die Differenz zwischen Strahlungsgewinn durch Sonneneinstrahlung und Verlust durch nächtliche Ausstrahlung, erreichte schon frühsommerliche Werte (169 W/m²).
Und was machte die Vulkanasche des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull mit unserem Wetter? Kurz gesagt – eigentlich nichts, hier in Nordhausen. Schwefeldioxid, welches bei Vulkanausbrüchen in die höhere Atmosphäre geschleudert werden kann, hat zwar einen negativen Strahlungsantrieb. Dies bedeutet, dass dieser Luftschadstoff nicht zur Erwärmung der Erdatmosphäre beiträgt (wie die bekannten Triebhausgase Kohlendioxid oder Lachgas), sondern eben zu einer Abkühlung. Die Teilchen fungieren als eine Art Sonnenschirm in der Stratosphäre. Nach großen Vulkanausbrüchen wie dem Pinatobu im Jahr 1991 kam es daher zu einer nachweislichen Abkühlung der globalen Temperaturen.
Die Konzentrationen und Mengen des aktuellen Ausbruchs waren jedoch zu gering, um solche globalen Auswirkungen herbeizuführen. Die durchgeführten Messungen des DLR Zentrum für satellitengestützte KrisenInformation hat mit dem Testflug Falcon nachgewiesen, dass die gemessenen Konzentrationen der großen Partikeln in den Vulkanschichten bei Werten lag, die typischerweise auch in Sahara-Staubschichten beobachtet werden. Sie lagen jedoch niedriger, als die Konzentrationen von größeren Partikeln, die in einer verschmutzten bodennahen atmosphärischen Grenzschicht gemessen werden, also in der Luftschicht, in der wir leben und atmen.
Über Nordhausen war die Aschewolke am Nachmittag des 16. April tatsächlich zu erkennen. Eine deutliche Reduzierung der Globalstrahlung in den Nachmittagsstunden konnte allerdings an unserer Messstation nicht nachgewiesen werden. Allerdings erschien die registrierte Globalstrahlung am 16. April im Vergleich zu der Sonnenscheindauer dieses Tages etwas zu niedrig. Dies könnte als Hinweis auf den Durchzug der Aschewolke gedeutet werden.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp

