Mi, 07:00 Uhr
21.04.2010
Post von Luisa (26)
Luisa Schäfer, eine junge Frau aus Niedersachswerfen, schreibt in der nnz ein ungewöhnliches Tagebuch über ihre Erlebnisse am anderen Ende der Welt. Auf dieser Tagebuchseite beschreibt die junge Thüringerin einen abenteuerlichen Urlaub...
Tja so schnell geht es. Man freut sich so sehr auf den Urlaub und dann rauscht er vorbei und man fragt sich, ob das nun schon wirklich zwei Wochen waren. Aber nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub, wenn man sich das sagt, klingt es doch schon wieder viel aufbauender.
Allerdings bestand meiner nicht nur aus Erholung. Gerade die An- und Abreise hatte es in sich. Denn so einfach wie ich es gewohnt bin ist es hier nicht. Der nächste größere Flughafen befindet sich 12 Stunden entfernt. Jedenfalls wenn man einen schnellen Bus erwischt. Aber daran habe ich mich schon längst gewöhnt. Ich versuche einfach so viel wie möglich von den vielen spanischen Filmen zu verstehen und das essbare aus dem Verpflegungspaket heraus zu suchen.
Das ist überhaupt ein wichtiges Thema beim Transport mit dem hier am häufigsten verwendeten Verkehrsmittel. Denn wenn man Pech hat streikt gerade irgendeine Essenskette und wenn man selbst nicht daran gedacht hat, wird man wohl die nächste Zeit hungern müssen. Daher beschloss ich auch auf der Hinfahrt Sandwichs und Kekse einzupacken. Allerdings habe ich wohl so
das Schicksal heraufbeschworen. Und wurde gleich mit drei großen, teilweise sogar warmen Mahlzeiten versorgt. So hatte ich dann wenigstens etwas zu tun, auch nicht schlecht.
Dank dem sehr gesprächigen Taxifahrer, dessen Lebensgeschichte plus weiterer vielfältiger intimer Details, die ich lieber gar nicht wissen wollte, verging dann auch die Fahrt zum Flughafen sehr schnell. Dann folgten nur noch ein bisschen Wartezeit, Kontrollen bei denen ich barfuss durch das Flughafengebäude laufen musste und zwei angenehme Flüge. Schon war ich da. Das wäre allerdings zu einfach gewesen. So ein bisschen Herausforderung muss schon sein.
In der Dominikanischen Republik muss man bei der Einreise zunächst eine Touristenkarte kaufen, in deren Besitz man allerdings nur wenige Meter bleiben darf und welche man dann einen netten Sicherheitsbeamten abgeben muss. Aber derartige Gebühren sind mir ja aus Deutschland nicht unbekannt. Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, nicht mal einen Schalter für mein argentinisches Bargeld zu finden um es in die einheimische Währung umtauschen zu können.
Anscheinend will das sonst auch niemand machen, denn die nette Dame von der Wechselstube akzeptierte darauf hin auch nicht meine Kreditkarte. Aber so schnell wollte ich mich noch nicht geschlagen geben. Ich versuchte meine Situation den Beamten zu erklären und dankte dabei all den Menschen die mir versucht haben ein bisschen Spanisch einzutrichtern. Es hat wirklich seine Vorteile.
Man ließ mich also so durch die Schalter und ich kam schon als eine der letzten zum Kofferband. Ich hatte versprochen nur schnell den Kartenautomaten zu nutzen und dann wieder zu kommen um mein nettes Touristenticket zu kaufen. Das hatte ich auch vor, fand vorher aber schon eine nette andere Wechseldame, die komischerweise keine Probleme mit meiner Kreditkarte hatte. Mir wurden amerikanische Dollars ausgehändigt und stolz machte ich mich mit meinem ganzen Gepäck wieder auf den Rückweg. Das zuständige Sicherheitspersonal grüßte mich schon nett und zeigte mir den Weg durch das nun schon vollkommen leere Ankunftsgebäude.
Der Herr, bei dem ich nun mein Ticket erwerben wollte, wirkte leicht verdutzt als ich nun wieder anmarschiert kam. Man hatte glaube ich nicht wirklich mit meiner Rückkehr gerechnet. Aber bevor mich noch irgendeine Behörde festnahm, wollte ich lieber meinen Beitrag zahlen. Allerdings war das wohl nun nicht mehr in US- Dollar möglich, da das Wechselgeld ausgegangen war. Zum Dank das ich dann also noch mal mein Geld umwechseln ließ, begleitete der zuständige Beamte mich und meinen Koffer noch ein bisschen durch das Labyrinth der Gänge.
Nach einer kleinen Schreckminute hatte ich es also nicht nur geschafft irgendwann zum Ausgang zu kommen sondern auch neue Freunde gefunden. Denn, so kam es mir wenigstens vor, kannte bereits der Großteil des Bodenpersonals nicht nur meine Koffer sondern auch mich. Mir lagen Angebote vor, doch bitte Deutschunterricht zu geben oder andere Dienstleitungen zu erbringen…
Nach immerhin 30 Stunden checkte ich dann doch im Hotel ein und der Urlaub konnte beginnen. Erholung hatte ich nun bis zur Abreise wirklich nötig. Ich dachte aber, komplizierter als die Anreise würde es schon nicht werden. Doch weit verfehlt…
Denn als nun nach 14 wunderschönen Tagen Abschied nehmen angesagt war, wurde schon die Taxifahrt auf denen von Regen überschwemmten Straßen ein kleines Abenteuer. Der Fahrer brachte mich aber sicher zum Check-in-Schalter, an dem auch noch gar keine so riesige Schlange wartete. So weit so gut. Ich füllte ein paar Formulare aus, lächelte nett und wartete auf mein Flugticket. Das hatte ich auch schon fast in der Hand, als die nette Dame am Schalter noch mal einen Blick auf meine Daten warf, die ihr der Computer anzeigte.
Nun war sie der Meinung ich benötige noch eine andere Dokumente als meinen Reisepass, was ich allerdings nicht so sah. Ich versuchte, ihr mein System mit der Visaversorgung zu erklären, was zugegeben vielleicht nicht so einfach ist. Aber ich hatte auch nicht das Gefühl, dass sie da sonderlich Wert auf meine Geschichte legte. Eins stand schon mal fest, Freundinnen würden wir beide wohl nie werden. Sämtliche Sympathien hat sie sich dann allerdings verspielt, als sie einfach mein so dringend benötigtes Flugticket samt Kofferaufkleber nahm und zerriss.
Wie konnte sie das tun? Ich war völlig geschockt, so dass auch ihre Worte, dass ich wohl kaum erwarten konnte noch an diesem Tag fliegen zu können, nur langsam bis in mein Gehirn durchsickerten. Darauf folgte nun eine Welle der Verzweiflung. Ich sah mich schon als neue Protagonisten der Verfilmung vom Leben auf dem Flughafen Teil 2. Doch einen Hoffnungsschimmer blieb mir noch. Netterweise orderte sie dann doch noch ihren Chef auf den ich ein Weilchen warten sollte. Aus den paar Minuten wurde insgesamt eine halbe Stunde. Naja, ne Weile ist ja
auch relativ.
Der Chef führte mich, kaum angekommen, gleich in die Hinterräume des Check-in-Bereiches. Nun kam ich mir wirklich wie ein Verbrecher vor.Verzweifelt formt mein Gehirn spanische Sätze um in die Situation zu erklären. Ich hatte wirklich ein Visa, allerdings nur in der Form als Stempel. Er gab sich irgendwann geschlagen. Ich habe keine Ahnung, ob ihn meine Argumente überzeugt haben oder ob er nur Angst davor gehabt hatte, dass ich in Tränen ausgebrochen wäre, wenn er nicht ja gesagt hätte. Denn das hätte ich zweifelsohne getan, wenn er nicht ja gesagt hätte. Aber er hat ja, zu seinem Glück…
Nun bekam ich das ersehnte Ticket von der immer noch skeptischen Schalterdame ausgehändigt und machte mich auf den Weg zu den Sicherheitskontrollen. Zwei Flüge und etliche Stunden Wartezeit später setzte ich mich dann schon etwas erschöpft in den Bus. Mein Platz fand ich genau in der Mitte etwas spät pubertierender junger Herren, die sich während der Fahrt die neusten Superwitze erzählten und halb verstohlen, halb stolz irgendwelche Pornozeitschriften durchblätterten.
Das war mir allerdings schon fast wieder egal und ich freute mich die nächsten 12 Stunden zum Ausruhen nutzen zu können und meinem Ziel immer ein bisschen näher zu kommen. Allerdings hatte ich nicht mit einer geänderten Reiseroute gerechnet. Da es anscheinend doch mehr Städte in Argentinien gibt, wie man nur gewohnt durch den Anblick der endlosen Pampa durch das Busfenster vermuten könnte, legten wir immer mal ein paar Zwischenstopps ein. Und das deutlich öfter als bei der Hinfahrt. So verlängerten sich die Fahrt um nochmals cirka 4 Stunden.
In den letzten davon wagte ich es dann nicht mehr wieder einzuschlafen, da ich ja bald in Jujuy ankommen musste. Bin ich ja dann auch bald, 4 Stunden später. Es war inzwischen schon mitten in der Nacht und ich nur noch froh ins Bett zu können. Ich musste mir nur noch meinen Koffer aushändigen lassen und gehen. Hm doch wo war mein Koffer? Im Gepäckraum anscheinend nicht. Denn bei dessen Leerung durfte ich zugucken und spürte langsam Panik aufsteigen.
War der Typ, dem ich meinem Koffer am Busbahnhof ausgehändigt hatte vielleicht kein Angestellter sondern ein Dieb gewesen? Wie viel Wertgegenstände hatte ich da eigentlich drin? Trotz später Stunde arbeitete mein Gehirn wieder auf Hochtouren. In meinen Berechnungen unterbrach mich dann nur der Koffermann, der wohl
mein schockiertes Gesicht gesehen haben muss. Ach ja, er hatte ja da noch einen Koffer separat gelagert, ob das denn meiner wäre.
Ja, es war meiner und ich hätte dem Mann am liebsten umarmt. Aber ich wusste nicht wann ich dann wieder von da wegkommen wäre, daher ließ ich es einfach bleiben und rollte mit meinem Koffer Richtung Bett.
Mit einer Woche Abstand zu diesen Ereignissen finde ich das ganze schon wieder sehr lustig. Ich meine ich habe Adrenalin produziert und die Hinterräume eines Flughafens besuchen dürfen. Was will man mehr? Auf jeden Fall weiß ich jetzt das problemlose Reisen in Europa noch viel mehr zu schätzen. Jedenfalls so wie es für uns Europäer ist. Vielleicht geht es den anderen Kontinent'lern da ähnlich wie mir hier. Sie haben mein Mitleid…
Autor: nnzTja so schnell geht es. Man freut sich so sehr auf den Urlaub und dann rauscht er vorbei und man fragt sich, ob das nun schon wirklich zwei Wochen waren. Aber nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub, wenn man sich das sagt, klingt es doch schon wieder viel aufbauender.
Allerdings bestand meiner nicht nur aus Erholung. Gerade die An- und Abreise hatte es in sich. Denn so einfach wie ich es gewohnt bin ist es hier nicht. Der nächste größere Flughafen befindet sich 12 Stunden entfernt. Jedenfalls wenn man einen schnellen Bus erwischt. Aber daran habe ich mich schon längst gewöhnt. Ich versuche einfach so viel wie möglich von den vielen spanischen Filmen zu verstehen und das essbare aus dem Verpflegungspaket heraus zu suchen.
Das ist überhaupt ein wichtiges Thema beim Transport mit dem hier am häufigsten verwendeten Verkehrsmittel. Denn wenn man Pech hat streikt gerade irgendeine Essenskette und wenn man selbst nicht daran gedacht hat, wird man wohl die nächste Zeit hungern müssen. Daher beschloss ich auch auf der Hinfahrt Sandwichs und Kekse einzupacken. Allerdings habe ich wohl so
das Schicksal heraufbeschworen. Und wurde gleich mit drei großen, teilweise sogar warmen Mahlzeiten versorgt. So hatte ich dann wenigstens etwas zu tun, auch nicht schlecht.
Dank dem sehr gesprächigen Taxifahrer, dessen Lebensgeschichte plus weiterer vielfältiger intimer Details, die ich lieber gar nicht wissen wollte, verging dann auch die Fahrt zum Flughafen sehr schnell. Dann folgten nur noch ein bisschen Wartezeit, Kontrollen bei denen ich barfuss durch das Flughafengebäude laufen musste und zwei angenehme Flüge. Schon war ich da. Das wäre allerdings zu einfach gewesen. So ein bisschen Herausforderung muss schon sein.
In der Dominikanischen Republik muss man bei der Einreise zunächst eine Touristenkarte kaufen, in deren Besitz man allerdings nur wenige Meter bleiben darf und welche man dann einen netten Sicherheitsbeamten abgeben muss. Aber derartige Gebühren sind mir ja aus Deutschland nicht unbekannt. Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, nicht mal einen Schalter für mein argentinisches Bargeld zu finden um es in die einheimische Währung umtauschen zu können.
Anscheinend will das sonst auch niemand machen, denn die nette Dame von der Wechselstube akzeptierte darauf hin auch nicht meine Kreditkarte. Aber so schnell wollte ich mich noch nicht geschlagen geben. Ich versuchte meine Situation den Beamten zu erklären und dankte dabei all den Menschen die mir versucht haben ein bisschen Spanisch einzutrichtern. Es hat wirklich seine Vorteile.
Man ließ mich also so durch die Schalter und ich kam schon als eine der letzten zum Kofferband. Ich hatte versprochen nur schnell den Kartenautomaten zu nutzen und dann wieder zu kommen um mein nettes Touristenticket zu kaufen. Das hatte ich auch vor, fand vorher aber schon eine nette andere Wechseldame, die komischerweise keine Probleme mit meiner Kreditkarte hatte. Mir wurden amerikanische Dollars ausgehändigt und stolz machte ich mich mit meinem ganzen Gepäck wieder auf den Rückweg. Das zuständige Sicherheitspersonal grüßte mich schon nett und zeigte mir den Weg durch das nun schon vollkommen leere Ankunftsgebäude.
Der Herr, bei dem ich nun mein Ticket erwerben wollte, wirkte leicht verdutzt als ich nun wieder anmarschiert kam. Man hatte glaube ich nicht wirklich mit meiner Rückkehr gerechnet. Aber bevor mich noch irgendeine Behörde festnahm, wollte ich lieber meinen Beitrag zahlen. Allerdings war das wohl nun nicht mehr in US- Dollar möglich, da das Wechselgeld ausgegangen war. Zum Dank das ich dann also noch mal mein Geld umwechseln ließ, begleitete der zuständige Beamte mich und meinen Koffer noch ein bisschen durch das Labyrinth der Gänge.
Nach einer kleinen Schreckminute hatte ich es also nicht nur geschafft irgendwann zum Ausgang zu kommen sondern auch neue Freunde gefunden. Denn, so kam es mir wenigstens vor, kannte bereits der Großteil des Bodenpersonals nicht nur meine Koffer sondern auch mich. Mir lagen Angebote vor, doch bitte Deutschunterricht zu geben oder andere Dienstleitungen zu erbringen…
Nach immerhin 30 Stunden checkte ich dann doch im Hotel ein und der Urlaub konnte beginnen. Erholung hatte ich nun bis zur Abreise wirklich nötig. Ich dachte aber, komplizierter als die Anreise würde es schon nicht werden. Doch weit verfehlt…
Denn als nun nach 14 wunderschönen Tagen Abschied nehmen angesagt war, wurde schon die Taxifahrt auf denen von Regen überschwemmten Straßen ein kleines Abenteuer. Der Fahrer brachte mich aber sicher zum Check-in-Schalter, an dem auch noch gar keine so riesige Schlange wartete. So weit so gut. Ich füllte ein paar Formulare aus, lächelte nett und wartete auf mein Flugticket. Das hatte ich auch schon fast in der Hand, als die nette Dame am Schalter noch mal einen Blick auf meine Daten warf, die ihr der Computer anzeigte.
Nun war sie der Meinung ich benötige noch eine andere Dokumente als meinen Reisepass, was ich allerdings nicht so sah. Ich versuchte, ihr mein System mit der Visaversorgung zu erklären, was zugegeben vielleicht nicht so einfach ist. Aber ich hatte auch nicht das Gefühl, dass sie da sonderlich Wert auf meine Geschichte legte. Eins stand schon mal fest, Freundinnen würden wir beide wohl nie werden. Sämtliche Sympathien hat sie sich dann allerdings verspielt, als sie einfach mein so dringend benötigtes Flugticket samt Kofferaufkleber nahm und zerriss.
Wie konnte sie das tun? Ich war völlig geschockt, so dass auch ihre Worte, dass ich wohl kaum erwarten konnte noch an diesem Tag fliegen zu können, nur langsam bis in mein Gehirn durchsickerten. Darauf folgte nun eine Welle der Verzweiflung. Ich sah mich schon als neue Protagonisten der Verfilmung vom Leben auf dem Flughafen Teil 2. Doch einen Hoffnungsschimmer blieb mir noch. Netterweise orderte sie dann doch noch ihren Chef auf den ich ein Weilchen warten sollte. Aus den paar Minuten wurde insgesamt eine halbe Stunde. Naja, ne Weile ist ja
auch relativ.
Der Chef führte mich, kaum angekommen, gleich in die Hinterräume des Check-in-Bereiches. Nun kam ich mir wirklich wie ein Verbrecher vor.Verzweifelt formt mein Gehirn spanische Sätze um in die Situation zu erklären. Ich hatte wirklich ein Visa, allerdings nur in der Form als Stempel. Er gab sich irgendwann geschlagen. Ich habe keine Ahnung, ob ihn meine Argumente überzeugt haben oder ob er nur Angst davor gehabt hatte, dass ich in Tränen ausgebrochen wäre, wenn er nicht ja gesagt hätte. Denn das hätte ich zweifelsohne getan, wenn er nicht ja gesagt hätte. Aber er hat ja, zu seinem Glück…
Nun bekam ich das ersehnte Ticket von der immer noch skeptischen Schalterdame ausgehändigt und machte mich auf den Weg zu den Sicherheitskontrollen. Zwei Flüge und etliche Stunden Wartezeit später setzte ich mich dann schon etwas erschöpft in den Bus. Mein Platz fand ich genau in der Mitte etwas spät pubertierender junger Herren, die sich während der Fahrt die neusten Superwitze erzählten und halb verstohlen, halb stolz irgendwelche Pornozeitschriften durchblätterten.
Das war mir allerdings schon fast wieder egal und ich freute mich die nächsten 12 Stunden zum Ausruhen nutzen zu können und meinem Ziel immer ein bisschen näher zu kommen. Allerdings hatte ich nicht mit einer geänderten Reiseroute gerechnet. Da es anscheinend doch mehr Städte in Argentinien gibt, wie man nur gewohnt durch den Anblick der endlosen Pampa durch das Busfenster vermuten könnte, legten wir immer mal ein paar Zwischenstopps ein. Und das deutlich öfter als bei der Hinfahrt. So verlängerten sich die Fahrt um nochmals cirka 4 Stunden.
In den letzten davon wagte ich es dann nicht mehr wieder einzuschlafen, da ich ja bald in Jujuy ankommen musste. Bin ich ja dann auch bald, 4 Stunden später. Es war inzwischen schon mitten in der Nacht und ich nur noch froh ins Bett zu können. Ich musste mir nur noch meinen Koffer aushändigen lassen und gehen. Hm doch wo war mein Koffer? Im Gepäckraum anscheinend nicht. Denn bei dessen Leerung durfte ich zugucken und spürte langsam Panik aufsteigen.
War der Typ, dem ich meinem Koffer am Busbahnhof ausgehändigt hatte vielleicht kein Angestellter sondern ein Dieb gewesen? Wie viel Wertgegenstände hatte ich da eigentlich drin? Trotz später Stunde arbeitete mein Gehirn wieder auf Hochtouren. In meinen Berechnungen unterbrach mich dann nur der Koffermann, der wohl
mein schockiertes Gesicht gesehen haben muss. Ach ja, er hatte ja da noch einen Koffer separat gelagert, ob das denn meiner wäre.
Ja, es war meiner und ich hätte dem Mann am liebsten umarmt. Aber ich wusste nicht wann ich dann wieder von da wegkommen wäre, daher ließ ich es einfach bleiben und rollte mit meinem Koffer Richtung Bett.
Mit einer Woche Abstand zu diesen Ereignissen finde ich das ganze schon wieder sehr lustig. Ich meine ich habe Adrenalin produziert und die Hinterräume eines Flughafens besuchen dürfen. Was will man mehr? Auf jeden Fall weiß ich jetzt das problemlose Reisen in Europa noch viel mehr zu schätzen. Jedenfalls so wie es für uns Europäer ist. Vielleicht geht es den anderen Kontinent'lern da ähnlich wie mir hier. Sie haben mein Mitleid…


