Fr, 09:57 Uhr
03.01.2003
Ein "Feininger" für Nordhausen
Nordhausen (nnz). Bilder sind nicht nur zum Betrachten in Museen. Bilder können auch Geschichten erzählen. Eine solche hat Heidelore Kneffel für die nnz aufgeschrieben.
Das 2. Heft der Nordhäuser Nachrichten 1993 enthielt den Beitrag "Lyonel Feininger in Nordhausen". Angeregt wurde der damalige Artikel dadurch, dass der Stadt Nordhausen 1992 ein Aquarell des Künstlers durch einen Hamburger Kunsthändler angeboten wurde. Es zeigt die zwei ungleichen Türme von "St. Blasii", gesehen durch zwei Häuserfluchten. Das Bild trägt den Titel: "Nordhausen". Bereits in der Nr. 8/9 1972 des Kirchlichen Mitteilungsblattes war ein St.-Blasii-Aquarell Feiningers auf dem Titelblatt abgebildet. "Auf Seite 1 unseres Kirchenblattes finden Sie heute die Wiedergabe eines Gemäldes von der St. Blasii-Kirche, gemalt von dem deutsch-amerikanischen Maler und Graphiker Lyonel Feininger. Feininger, geboren am 17.7.1871 und gestorben am 13.1.1956 in New York, lebte seit 1887 in Deutschland. Er war Mitglied des "Blauen Reiters" und seit 1919 am Bauhaus in Weimar tätig. Von den Nazis verfemt, ging er 1937 in die USA."
Natürlich wurde nun in Nordhausen geforscht, wann das aquarellierte Blatt entstand. Herausgefunden wurde, dass Feininger am 1. April 1932 in Nordhausen war und mehrere Skizzen rund um die Blasii-Kirche schuf. Vier dieser "Naturnotizen" befinden sich in Cambridge, USA, im Busch-Reisinger-Museum. In Auseinandersetzung mit diesen Skizzen schuf der Künstler mindestens drei Aquarelle. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich Feininger während seines Nordhausen-Aufenthaltes bei der Familie Karl Schultes, Am Hagentor 2, aufhielt.
Denn dieses den Künsten aufgeschlossene Ehepaar verehrte den Graphiker und Maler und hat ihn vielleicht auf das Motiv aufmerksam gemacht. Dazu müsste noch recherchiert werden. Damals, 1992/93, kam ein Ankauf des Aquarelles nicht zustande. Die Stadt sah sich finanziell überfordert. So kam das Feiningerbild nicht nach Nordhausen.
Aber im Jahr 2002 änderte sich das durch die Kunststifterin Ilsetraut Glock. In Gesprächen mit ihr hatten wir auch die Feininger-Story erzählt. Während einer Kunstauktion wurde ein Feiningerblatt angeboten. Die neue Besitzerin hieß Ilsetraut Glock. Jetzt hängt die Grafik im Kunsthaus Meyenburg in der 1. Etage in dem grüngetönten Raum, der Graphiken präsentiert, die in der Zeit von 1920 - 1945 entstanden sind.
Was für ein Feiningerblatt gehört jetzt dem Kunsthaus in Nordhausen? Es handelt sich um eine Zinkätzung mit dem Titel: Lagebesprechung bei Tisch. Die Graphik entstand 1916 und ist 26 cm x 24 cm groß. Sie wurde in der Platte signiert. Fünf uniformierte Herren - der 1. Weltkrieg beherrscht die Menschen - gruppieren sich um einen gedeckten Tisch, in dessen Mitte ein Blumengebinde prankt. Man trinkt Wein, ein Trinkgefäß ist umgefallen, Rotes fließt herab. Im Bild herrscht das Rote sowieso vor, Blau, Grün und Schwarz gesellen sich hinzu. Jeder der Herren ist mit sich beschäftigt. Ihr Alter ist nicht genau zu bestimmen. Wurde die Lage schon besprochen oder gibt es 1916 nichts mehr zu besprechen?
Feininger hat in den ersten Jahren seiner künstlerischen Tätigkeit häufig Karikaturen geschaffen, sie machten seinen Namen bekannt und wurden in Zeitungen und Zeitschriften gedruckt. Die figurreichen Kompositionen dieser frühen Jahre zeigen die Agierenden in überlanger Form, so ist es auch auf dem jetzt Nordhausen gehörenden Bild.
Als Feininger das zur Kunststiftung gehörende Blatt 1916 schuf, besaß er ein Atelier in Weimar. Gegen Ende des ersten Weltkrieges zog er sich mit seiner Familie nach Braunlage im Harz zurück. Dort beginnt er 1918 mit seinen Holzschnitten. 1919 geht er an das von Gropius in Weimar gegründete Bauhaus. Ein neuer Abschnitt seines künstlerischen Schaffens beginnt, der, der ihn weltberühmt machen sollte.
Das Kunsthaus Meyenburg in der Alexander-Puschkin-Straße ist dienstags bis sonntags von 10.00 - 17.00 Uhr geöffnet. Die obere Etage zeigt Graphiken der Glock-Grabe-Stiftung, vor allem aus dem 20. Jahrhundert. Durch den alle zwei Jahre ausgelobten Graphikpreis - der dritte für 2003 wurde bereits ausgeschrieben - wird die Sammlung kontinuierlich um die graphische Kunst des 21. Jahrhunderts erweitert. Das ist eine große Chance für das hiesige Kunsthaus, sich ein unverwechselbares Profil in der Kunstpräsentationslandschaft zu schaffen.
Heidelore Kneffel
Autor: nnzDas 2. Heft der Nordhäuser Nachrichten 1993 enthielt den Beitrag "Lyonel Feininger in Nordhausen". Angeregt wurde der damalige Artikel dadurch, dass der Stadt Nordhausen 1992 ein Aquarell des Künstlers durch einen Hamburger Kunsthändler angeboten wurde. Es zeigt die zwei ungleichen Türme von "St. Blasii", gesehen durch zwei Häuserfluchten. Das Bild trägt den Titel: "Nordhausen". Bereits in der Nr. 8/9 1972 des Kirchlichen Mitteilungsblattes war ein St.-Blasii-Aquarell Feiningers auf dem Titelblatt abgebildet. "Auf Seite 1 unseres Kirchenblattes finden Sie heute die Wiedergabe eines Gemäldes von der St. Blasii-Kirche, gemalt von dem deutsch-amerikanischen Maler und Graphiker Lyonel Feininger. Feininger, geboren am 17.7.1871 und gestorben am 13.1.1956 in New York, lebte seit 1887 in Deutschland. Er war Mitglied des "Blauen Reiters" und seit 1919 am Bauhaus in Weimar tätig. Von den Nazis verfemt, ging er 1937 in die USA."
Natürlich wurde nun in Nordhausen geforscht, wann das aquarellierte Blatt entstand. Herausgefunden wurde, dass Feininger am 1. April 1932 in Nordhausen war und mehrere Skizzen rund um die Blasii-Kirche schuf. Vier dieser "Naturnotizen" befinden sich in Cambridge, USA, im Busch-Reisinger-Museum. In Auseinandersetzung mit diesen Skizzen schuf der Künstler mindestens drei Aquarelle. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich Feininger während seines Nordhausen-Aufenthaltes bei der Familie Karl Schultes, Am Hagentor 2, aufhielt.
Denn dieses den Künsten aufgeschlossene Ehepaar verehrte den Graphiker und Maler und hat ihn vielleicht auf das Motiv aufmerksam gemacht. Dazu müsste noch recherchiert werden. Damals, 1992/93, kam ein Ankauf des Aquarelles nicht zustande. Die Stadt sah sich finanziell überfordert. So kam das Feiningerbild nicht nach Nordhausen.
Aber im Jahr 2002 änderte sich das durch die Kunststifterin Ilsetraut Glock. In Gesprächen mit ihr hatten wir auch die Feininger-Story erzählt. Während einer Kunstauktion wurde ein Feiningerblatt angeboten. Die neue Besitzerin hieß Ilsetraut Glock. Jetzt hängt die Grafik im Kunsthaus Meyenburg in der 1. Etage in dem grüngetönten Raum, der Graphiken präsentiert, die in der Zeit von 1920 - 1945 entstanden sind.
Was für ein Feiningerblatt gehört jetzt dem Kunsthaus in Nordhausen? Es handelt sich um eine Zinkätzung mit dem Titel: Lagebesprechung bei Tisch. Die Graphik entstand 1916 und ist 26 cm x 24 cm groß. Sie wurde in der Platte signiert. Fünf uniformierte Herren - der 1. Weltkrieg beherrscht die Menschen - gruppieren sich um einen gedeckten Tisch, in dessen Mitte ein Blumengebinde prankt. Man trinkt Wein, ein Trinkgefäß ist umgefallen, Rotes fließt herab. Im Bild herrscht das Rote sowieso vor, Blau, Grün und Schwarz gesellen sich hinzu. Jeder der Herren ist mit sich beschäftigt. Ihr Alter ist nicht genau zu bestimmen. Wurde die Lage schon besprochen oder gibt es 1916 nichts mehr zu besprechen?
Feininger hat in den ersten Jahren seiner künstlerischen Tätigkeit häufig Karikaturen geschaffen, sie machten seinen Namen bekannt und wurden in Zeitungen und Zeitschriften gedruckt. Die figurreichen Kompositionen dieser frühen Jahre zeigen die Agierenden in überlanger Form, so ist es auch auf dem jetzt Nordhausen gehörenden Bild.
Als Feininger das zur Kunststiftung gehörende Blatt 1916 schuf, besaß er ein Atelier in Weimar. Gegen Ende des ersten Weltkrieges zog er sich mit seiner Familie nach Braunlage im Harz zurück. Dort beginnt er 1918 mit seinen Holzschnitten. 1919 geht er an das von Gropius in Weimar gegründete Bauhaus. Ein neuer Abschnitt seines künstlerischen Schaffens beginnt, der, der ihn weltberühmt machen sollte.
Das Kunsthaus Meyenburg in der Alexander-Puschkin-Straße ist dienstags bis sonntags von 10.00 - 17.00 Uhr geöffnet. Die obere Etage zeigt Graphiken der Glock-Grabe-Stiftung, vor allem aus dem 20. Jahrhundert. Durch den alle zwei Jahre ausgelobten Graphikpreis - der dritte für 2003 wurde bereits ausgeschrieben - wird die Sammlung kontinuierlich um die graphische Kunst des 21. Jahrhunderts erweitert. Das ist eine große Chance für das hiesige Kunsthaus, sich ein unverwechselbares Profil in der Kunstpräsentationslandschaft zu schaffen.
Heidelore Kneffel

