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Mi, 13:16 Uhr
01.01.2003

Zum Neuen Jahr: Noch schlimmer?

Nordhausen (nnz). Exakt vor einem Jahr hatte die nnz in einer Betrachtung zum Jahr 2002 getitelt: Es wird schlimmer! Sie sollte mit diesem Ausspruch in großen Teilen Recht behalten...


Ab diesem Jahr müssen die Menschen in diesem Lande nicht nur für Sprit, Erdgas, Strom und damit für höhere Mietnebenkosten in die Taschen greifen, müssen sich nur Raucher für ihre Glimmstengel mehr Geld hinlegen. Die Rentenversicherung steigt, die Krankenkassen erhöhten ihre Beiträge. Eine vollständige Aufzählung wollen wir Ihnen ersparen.

Die Menschen in diesem Lande werden es kollektiv erfahren was es heißt: Wir – die Deutschen – sind in Europa angekommen. Ein Gesellschaftssytem – die soziale Marktwirtschaft – wird spätestens ab heute zu Grabe getragen. Vorbei werden die Zeiten sein, in der eine soziale Gemeinschaft für alle ihre Mitglieder da sein wird. Sie kann es einfach nicht mehr leisten. Der deutsche Weg, wie ihn Bundeskanzler Schröder nannte – ist an seinem Ende angekommen. Wir werden ihn alle zusammen europäisch weitergehen. Mit einigen Vorteilen, mit vielen Nachteilen für den Einzelnen. Es wird nicht mehr viel bleiben von dem, um das uns unsere Nachbarn bestaunten und beneideten.

Wir müssen nun lernen, uns einzurichten. Persönliche Opfer sind angesagt. Das Opfer der Menschen in Ostdeutschland wird dabei ungleich höher ausfallen. Sie müssen das Gleiche abgeben, erhalten aber immer noch weniger.

Ein Jahr ist seit der Überschrift in der nnz vergangen. Gab es Ansiedlungen von Unternehmen in spürbaren Größenordnungen im Landkreis Nordhausen? Die Antwort lautet: Nein! Dafür stieg die Zahl der Insolvenzen, nachzulesen sind nur die mit vielen Betroffenen. Die „kleinen“ Konkurse im Handwerk, die wurden nicht registriert. In der Goldenen Aue wird immer noch um ein künftiges Industriegebiet gestritten. In Nordhausen wird weiter für die Landesgartenschau gebuddelt. Die kommunalen Kassen sind leerer denn je, Personalabbau im öffentlichen Dienst ist längst kein Tabuthema mehr.

Genau vor einem Jahr stellte nnz die Frage: „Wann wird der erste Mensch als Klon das Licht dieser Welt erblicken?“ Die Antwort lautet: Vor einigen Tagen. Ob nun Realität und nicht, auch wenn es Wissenschaftler nicht für möglich halten. Hier scheint wieder einmal der Wunsch der Vater des Gedanken zu sein. Wenn nicht vor einigen Tage der Klon geboren wurde, dann in einigen Wochen oder Monaten. Wissenschaft kennt zwar moralische Grenzen, der Gewinn nicht.

Doch was sind Klone oder Insolvenzen gegen den Frieden. Der Krieg und seine Folgen kroch im vergangenen Monat bis nach Nordthüringen. In Heringen und im Landkreis Sömmerda weinten Menschen um ihre Liebsten, die in Kabul ihr Leben verloren. Und der Krieg wird in diesem Jahr erneut auflodern. Der Irak wurde als Ziel ausgemacht. Ich will es an dieser Stelle mit aller Deutlichkeit sagen. Die USA werden ihren Krieg im Irak durchziehen. Da kann der dortige Diktator machen was er will: Er wird von der politischen Bildfläche weggebombt. Für die Supermacht USA steht in dieser Region viel mehr auf dem Spiel als A-B- oder C-Waffen oder vielleicht ein Terrornetzwerk. Es geht um den immer noch wichtigsten Rohstoff. Es geht schlicht und ergreifend um Erdöl.

Wir werden in diesem Jahr viel aushalten müssen. Und wir werden uns daran gewöhnen müssen. Vielleicht müssen wir auch wieder neu lernen, was es heißt, sich zu freuen. Über die Menschen neben uns, denen wir geholfen haben. Über die kleinen Erfolge, die bislang in den Schatten gerückt sind. Wir müssen künftig das zeigen, was uns auszeichnet: MEHR MENSCH.

Gerade wegen dieser beiden Worte und der damit verbundenen Hoffnung wünscht Ihnen die nnz ein glückliches und vor allem gesundes 2003!
Ihr Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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