Di, 09:39 Uhr
17.12.2002
Angeschrieen und rausgerannt
Nordhausen (nnz). Am Abend tagte in Nordhausen der Planungsverband für das Industriegebiet in der Goldenen Aue. Da wurde die Tagesordnung ordentlich abgearbeitet. Und es kam zum Schlagabtausch.
Der Planungsverband (PV) bleibt dabei: Das Industriegebiet soll entwickelt werden.
Die Bürgerinitiative (BI) bleibt dabei: Ein Industriegebiet in der Goldenen Aue muß verhindert werden.
So klar und einfach wurden gestern die Fronten im Bürgersaal des Nordhäuser Rathauses abgesteckt. Zuvor jedoch wurde der Haushalt des Planungsverbandes beschlossen, nach dem man sich über das Streichen von außer und über bei den planmäßigen Ausgaben geeinigt hatte. Dann die Beschlussfassung über die Änderung des Entwurfs des Bebauungsplanes Nr. 1. Hierzu gab das beauftragte Planungsbüro einige Erläuterungen, die allerdings zu Beginn einen urschleimigen Charakter hatten.
Ein Bürovertreter erläuterte denn auch zum x-ten Male die Notwendigkeit des Industriegebietes: Die Schaffung von Arbeitsplätzen. Untermauert werden sollte das mit Zahlen vom Arbeitsmarkt. Die waren allerdings schwer verständlich. So sprach das Büro von mehr als 11.000 Arbeitslosmeldungen im Landkreis Nordhausen seit Jahresbeginn. Ein Blick in die Statistik oder in die nnz hätte gereicht, um die eigentlich relavante Zahl 9.120 auszumachen, auf die sich die Quote von 19,8 Prozent bezieht. Das ist genau der "Bestand" von Frauen und Männern ohne Job am Ende des vergangenen Monats. Aber das nur am Rande bemerkt. Neu im Bebauungsplan ist die Aufgabe der Gliederung in verschiedene Baugebiete und eines Grünstreifens am Krummbach. Damit soll die Flexibilität von Ansiedlungen erhöht werden.
Für die BI war das Verschwinden des Grünstreifens der Tropfen, der das Faß erneut zum Überlaufen brachte. Jeglicher Ansatz von Ökologie sei jetzt aufgegeben worden, so ein Vertreter. Für die Bürgerinitiative und die Menschen der Goldenen Aue, die in den ersten Entwurf ihre Anregungen und Bedenken eingebracht hatten, kommt es jetzt ganz dicke. Mit der B-Plan-Änderung müssen sie ihre Einwürfe erneut formulieren, denn das Teil wird wieder einen Monat lang ausgelegt. Klaus-Dieter Korb warf den Planern vor, wieder drei Jahre verschenkt zu haben. Außerdem seien keine Anregungen der BI eingeflossen.
Da aber platzte dem Nordhäuser Baudezernent Dietrich Beyse (CDU) der Kragen: Die Bürgerinitiative hat bislang nichts zu den Planungen beigetragen, Arbeitsplätze spielen für Sie keine Rolle, meine Herren, rief er den BI-Mitgliedern zu. Man wehre sich zwar nicht prinzipiell gegen ein Industriegebiet, aber bitteschön nicht vor den Toren Urbachs. Beyse weiter: Auch ein von der BI favorisiertes Gebiet bei Uthleben lieg in der Goldenen Aue! Und schließlich rutschte dem erregten Beyse ein Satz raus, den er lieber nicht gesagt hätte: Uns hindert niemand an der Entwicklung des Industriegebietes!
Erfreulicherweise hatten nicht nur Mitglieder der BI den rutschigen Weg ins neue Rathaus gefunden, sondern auch Vertreter Nordhäuser Wirtschaftsverbände. So bescheinigte Otto Brandt den Planern und dem Verband, dass sie mutig entschieden hätten. Wenn künftig in und um Nordhausen keine Industriearbeitsplätze entstehen würden, dann gebe es vielleicht niemanden mehr, der in dieser Region seine Arbeitskraft anbieten könne. Nur die Industrie wird uns weiterbringen, so Brandt, der auch gleich noch an die 100jährige Tradition des Motorenbaus erinnerte. Ob jedoch seine Vision von einer Industriestadt am Südharzrand Realität wird, das sollte leicht angezweifelt werden. Recht hatten beide Wirtschaftsvertreter jedoch mit ihrem Argument, dass jeder Arbeitsplatz in der Industrie mehr als drei Arbeitsplätze in der Dienstleistung, im Mittelstand oder im Handwerk nach sich ziehe. Brandt appellierte an die Bürgerinitiative, dass man auch bereit sein müsse, Opfer für die Großen in der Industrie zu bringen. Da war da Maß für Volker Theuerkauf von der BI voll, er lief wutentbrannt aus dem Bürgersaal.
Fazit: Die Fronten sind verhärtet. Der bittere Beigeschmack ist auf beiden Seiten zu finden. Mit Änderungen der Planungen, auf die eine übergeordnete Stelle (LEG?) erst hinweisen muß, werden Bürgerbeteiligungen zermürbt. Mit der These: Arbeitsplätze ja, aber nicht auf diesem Fleck, wird sich die Intension und das Engagement der BI auf Dauer selbst zerbröseln. Das allein ist nicht mehr haltbar. Und letztlich wird der Gegenseite damit das beste Argument geliefert. Der Streit geht also weiter. Welchen Schaden er anrichten wird und wer sich dann dafür verantworten soll, darüber kann bislang nur spekuliert werden.
Autor: nnz
Der Planungsverband (PV) bleibt dabei: Das Industriegebiet soll entwickelt werden.Die Bürgerinitiative (BI) bleibt dabei: Ein Industriegebiet in der Goldenen Aue muß verhindert werden.
So klar und einfach wurden gestern die Fronten im Bürgersaal des Nordhäuser Rathauses abgesteckt. Zuvor jedoch wurde der Haushalt des Planungsverbandes beschlossen, nach dem man sich über das Streichen von außer und über bei den planmäßigen Ausgaben geeinigt hatte. Dann die Beschlussfassung über die Änderung des Entwurfs des Bebauungsplanes Nr. 1. Hierzu gab das beauftragte Planungsbüro einige Erläuterungen, die allerdings zu Beginn einen urschleimigen Charakter hatten.
Ein Bürovertreter erläuterte denn auch zum x-ten Male die Notwendigkeit des Industriegebietes: Die Schaffung von Arbeitsplätzen. Untermauert werden sollte das mit Zahlen vom Arbeitsmarkt. Die waren allerdings schwer verständlich. So sprach das Büro von mehr als 11.000 Arbeitslosmeldungen im Landkreis Nordhausen seit Jahresbeginn. Ein Blick in die Statistik oder in die nnz hätte gereicht, um die eigentlich relavante Zahl 9.120 auszumachen, auf die sich die Quote von 19,8 Prozent bezieht. Das ist genau der "Bestand" von Frauen und Männern ohne Job am Ende des vergangenen Monats. Aber das nur am Rande bemerkt. Neu im Bebauungsplan ist die Aufgabe der Gliederung in verschiedene Baugebiete und eines Grünstreifens am Krummbach. Damit soll die Flexibilität von Ansiedlungen erhöht werden.
Für die BI war das Verschwinden des Grünstreifens der Tropfen, der das Faß erneut zum Überlaufen brachte. Jeglicher Ansatz von Ökologie sei jetzt aufgegeben worden, so ein Vertreter. Für die Bürgerinitiative und die Menschen der Goldenen Aue, die in den ersten Entwurf ihre Anregungen und Bedenken eingebracht hatten, kommt es jetzt ganz dicke. Mit der B-Plan-Änderung müssen sie ihre Einwürfe erneut formulieren, denn das Teil wird wieder einen Monat lang ausgelegt. Klaus-Dieter Korb warf den Planern vor, wieder drei Jahre verschenkt zu haben. Außerdem seien keine Anregungen der BI eingeflossen.
Da aber platzte dem Nordhäuser Baudezernent Dietrich Beyse (CDU) der Kragen: Die Bürgerinitiative hat bislang nichts zu den Planungen beigetragen, Arbeitsplätze spielen für Sie keine Rolle, meine Herren, rief er den BI-Mitgliedern zu. Man wehre sich zwar nicht prinzipiell gegen ein Industriegebiet, aber bitteschön nicht vor den Toren Urbachs. Beyse weiter: Auch ein von der BI favorisiertes Gebiet bei Uthleben lieg in der Goldenen Aue! Und schließlich rutschte dem erregten Beyse ein Satz raus, den er lieber nicht gesagt hätte: Uns hindert niemand an der Entwicklung des Industriegebietes!
Erfreulicherweise hatten nicht nur Mitglieder der BI den rutschigen Weg ins neue Rathaus gefunden, sondern auch Vertreter Nordhäuser Wirtschaftsverbände. So bescheinigte Otto Brandt den Planern und dem Verband, dass sie mutig entschieden hätten. Wenn künftig in und um Nordhausen keine Industriearbeitsplätze entstehen würden, dann gebe es vielleicht niemanden mehr, der in dieser Region seine Arbeitskraft anbieten könne. Nur die Industrie wird uns weiterbringen, so Brandt, der auch gleich noch an die 100jährige Tradition des Motorenbaus erinnerte. Ob jedoch seine Vision von einer Industriestadt am Südharzrand Realität wird, das sollte leicht angezweifelt werden. Recht hatten beide Wirtschaftsvertreter jedoch mit ihrem Argument, dass jeder Arbeitsplatz in der Industrie mehr als drei Arbeitsplätze in der Dienstleistung, im Mittelstand oder im Handwerk nach sich ziehe. Brandt appellierte an die Bürgerinitiative, dass man auch bereit sein müsse, Opfer für die Großen in der Industrie zu bringen. Da war da Maß für Volker Theuerkauf von der BI voll, er lief wutentbrannt aus dem Bürgersaal.
Fazit: Die Fronten sind verhärtet. Der bittere Beigeschmack ist auf beiden Seiten zu finden. Mit Änderungen der Planungen, auf die eine übergeordnete Stelle (LEG?) erst hinweisen muß, werden Bürgerbeteiligungen zermürbt. Mit der These: Arbeitsplätze ja, aber nicht auf diesem Fleck, wird sich die Intension und das Engagement der BI auf Dauer selbst zerbröseln. Das allein ist nicht mehr haltbar. Und letztlich wird der Gegenseite damit das beste Argument geliefert. Der Streit geht also weiter. Welchen Schaden er anrichten wird und wer sich dann dafür verantworten soll, darüber kann bislang nur spekuliert werden.


