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So, 09:30 Uhr
08.12.2002

Dimension überschätzt!

Nordhausen (nnz/js). Die Jahrhundertflut im August hat bei den Bürgern - auch in Nordhausen und Ellrich - eine kaum erwartete Solidaritätswelle mit den Opfern und den betroffenen Gemeinden ausgelöst. Wie demgegenüber die Bilanz der betroffenen Unternehmen aussieht, schildert nnz.


Vier Monate nach der Flutkatastrophe zeigt sich, dass die Schäden durch das verheerende Hochwasser im Bereich der Unternehmen weit weniger hart sind als ursprünglich angenommen. Noch im September ging der seinerzeitige Bundeswirtschaftsminister Werner Müller von ca 16 000 geschädigten Betrieben aus. Sein sächsischer Kollege Martin Grillo sah unmittelbar 40 000 und mittelbar 100 000 Arbeitsplätze gefährdet. Wie einem aktuellen Bericht der „Berliner Morgenpost“ zu entnehmen ist, haben beide die Dimension der Katastrophe beträchtlich überschätzt.

Wie die Zeitung betont, liegt zwar noch keine abschließende Schlussbilanz vor. Auf einer von der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) und dem Märkischen Presse- und Wirtschaftsclub (MPW) in Berlin organisierten Podiumsdiskussion („Nach der Flut. Wie kommt der Osten wieder auf die Beine?“) sind jetzt vorläufige Zahlen präsentiert worden. Die auf den diversen Hilfsprogrammen basierenden Daten belegen: Die Auswirkungen des Hochwassers auf den Unternehmensbereich sind aus volkswirtschaftlicher Perspektive eher marginal.

Bislang haben lediglich 84 Unternehmen in Sachsen - mehr als 90 Prozent aller Schäden seien im Freistaat entstanden - einen Schaden von mehr als einer Million Euro bei den öffentlichen Institutionen zur Regulierung gemeldet. In der Spanne von 100 000 Euro bis zu einer Mio. Euro sind es 1428 Unternehmen. Hinzu kommen 7952 Fälle mit einer Schadenssumme von unter 100 000 Euro. Insgesamt beanspruchen als „nur“ gut 10 000 Ost-Betriebe staatliche Hilfe.

Zwar werden zu diesen bisher bekannt gewordenen Schadensmeldungen noch Nachzügler kommen, die aber keine wesentlichen Veränderungen mehr bewirken werden. Wie viel Beschäftigte in den betroffenen Firmen angestellt sind, ist nicht erfasst. Ein Hinweis darauf ergibt sich aber aus einem vom Freistaat Sachsen aufgestellten Topf, aus dem jede flutgeschädigte Firma mit 500 Euro je Arbeitsplatz bedient werden soll. Angemeldet worden sind Hilfen für etwa 68 000 Arbeitnehmer, von denen aber nur ein Bruchteil um den Job bangen muss.

„Wir haben keinen Überblick, wie viele Unternehmen in die Insolvenz gegangen sind“, sagte der Bevollmächtigte der Deutschen Ausgleichsbank, Friedrich Homann. Aufgeben mussten bislang offenbar nur wenige. Zur Vermeidung flutbedingter Pleiten ist das Insolvenzrecht zunächst bis Ende des Jahres außer Kraft gesetzt worden. Eine Verlängerung der Frist um weitere drei oder sechs Monate durch das Bundesjustizministerium sei möglich. Allerdings zögert man in Dresden, einen entsprechenden Vorstoß zu unternehmen.

Ohnehin werden die Prognosen über die Schäden ständig nach unten korrigiert. Zuletzt hat die Bundesregierung rund 9,2 Mrd. Euro genannt. Auf die gewerbliche Wirtschaft entfallen davon ohne Bundesunternehmen 1,7 Mrd. Euro oder 18,5 Prozent. Doch selbst diese Summe scheint vielen Beobachtern zu hoch gegriffen. Die flutgeschädigten Unternehmen haben bisher nur knapp 1,4 Mrd. Euro Hilfe beantragt. Ausgezahlt worden sind erst 221,9 Mio. Euro. Homann begründet dies mit notwendigen Überprüfungen. In den nächsten Wochen würden jetzt hohe Millionenbeträge ausgereicht.

Dieses Bild beinhaltet also nur den unternehmerischen Bereich der Schäden durch die Flutkatastrophe. Demgegenüber zeigten allein schon die Berichte der Stadtverwaltungen Nordhausen oder Ellrich und zahlreicher Hilfsinitiativen, die gezielt in geschädigten Gemeinden Hilfe leisteten, dass Zahlen nur die eine Seite der Flutfolgen offenbaren. Und Hilfe für die sonst Geschädigten in jeder erbetenen Form weiter nötig ist. In diesem Zusammenhang bedankten sich die Bürgermeister Klaus Wahlbuhl (Nordhausen) und Gerald Schröder (Ellrich), auch namens vieler anderer Initiativen für die bisherige große Hilfsbereitschaft der hiesigen Bürger.
Autor: nnz

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