Fr, 16:00 Uhr
22.12.2000
Betrachtet: Die (un)glückliche Hand der Entscheider und Aufseher
Nordhausen (nnz). Das Nordhäuser Theater hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Es hat in seinen mehr als 80 Jahren viel gesehen, viel erlebt und hat vor allem viel ausgestrahlt. In jüngster Zeit ist diese Strahlung jedoch eher schädigend. Schon mehrfach stand ein GAU unmittelbar bevor. Vielleicht ist auch der jüngste Störfall gerade noch abgewendet worden, vielleicht funktionieren die Sicherheitsventile noch?
Viel mußten vor allem diejenigen aushalten, die im Nordthüringer Kulturtempel Nr. 1 arbeiten und die, die für die Beschaffung des Geldes verantwortlich sind. Nach der letzten Inspektion der Sicherheitsanlagen tut sich jetzt jedoch ein chaotisches Bild auf. Wieder einmal ist die Leitungsebene nicht in der Lage, das Haus in geordneten Bahnen zu führen. Nicht nur Betriebsrat und Förderverein schätzen die Situation so ein, die Künstler vor allem sind es, die verunsichert sind.
Das ist schon seit 1994 so. Damals schwebte ein Intendant in Nordhausen ein, der dem Theater zwar viel PR verpaßte, der nach seinem Abgang in Richtung Hessen mehr Scherben hinterließ, als es beim geordneten künstlerischen Rückzug vorkommen kann. Für den Jura-Professor mit Zirkuserfahrung gab es nur schwarz oder weiß. Ungezählt sind die Klagen gegen Gott und die Welt, vor allem die Nordhäuser Welt. Aufatmen zum ersten Mal, als es ihn nach Kassel zog. Aufatmen zum zweiten Mal, als der weibliche österreichische Charme an den Rand des Südharzes wehte. Doch auch hier kriselte es bereits nach einigen Monaten. Nun will ich nicht sagen, daß beiden Intendanten gleich waren oder sind. Es verbindet sie allerdings, daß beide von Nordhausen den gleichen ersten Eindruck hatten. Den einer tristen kleinen Stadt im Osten des geeinten Deutschlands. Es verbindet sie auch, daß sie nach kurzer Zeit des Schnupperns und später des Arbeitens am Nordhäuser Theater vor Komplimenten nur so sprühten. "Wunderbare Mitarbeiter, wunderbares Umfeld, wunderbare Menschen". Vielleicht waren ja auch die Zorge, die Kneipen oder die Hunde auf den Nordhäuser Straßen so wunderbar?
Wenn alles so wunderbar war und ist, warum gab und gibt es dann immer wieder Theater im Theater? Vielleicht hatten die Entscheider für die Besetzung des letztlich wichtigsten Postens ja auch nur ein unglückliches Händchen? Beim Professor gab man das auch bald zu, da konnte man das Ende des Engagements kaum abwarten. Beim Import aus der Alpenrepublik ist es noch nicht soweit, aber es deutet sich an. Diesmal sollten zeitig Konsequenzen von den "Aufsehern" der GmbH getroffen werden. Verträge werden zwar vordergründig mit der Absicht abgeschlossen, sie einzuhalten, Verträge haben aber auch eine Ausstiegsklausel, quasi als Reißleine. Ich ganz persönlich habe das Gefühl, daß zumindest eine Vertragsseite die Hand an der Leine hat. Schließlich gilt es, vor allem im Interesse des Nordhäuser Theaters, den GAU abzuwenden. Und vielleicht haben die Damen und Herren "Entscheider und Aufseher" beim nächsten Mal ein wirklich glückliches Händchen?
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzViel mußten vor allem diejenigen aushalten, die im Nordthüringer Kulturtempel Nr. 1 arbeiten und die, die für die Beschaffung des Geldes verantwortlich sind. Nach der letzten Inspektion der Sicherheitsanlagen tut sich jetzt jedoch ein chaotisches Bild auf. Wieder einmal ist die Leitungsebene nicht in der Lage, das Haus in geordneten Bahnen zu führen. Nicht nur Betriebsrat und Förderverein schätzen die Situation so ein, die Künstler vor allem sind es, die verunsichert sind.
Das ist schon seit 1994 so. Damals schwebte ein Intendant in Nordhausen ein, der dem Theater zwar viel PR verpaßte, der nach seinem Abgang in Richtung Hessen mehr Scherben hinterließ, als es beim geordneten künstlerischen Rückzug vorkommen kann. Für den Jura-Professor mit Zirkuserfahrung gab es nur schwarz oder weiß. Ungezählt sind die Klagen gegen Gott und die Welt, vor allem die Nordhäuser Welt. Aufatmen zum ersten Mal, als es ihn nach Kassel zog. Aufatmen zum zweiten Mal, als der weibliche österreichische Charme an den Rand des Südharzes wehte. Doch auch hier kriselte es bereits nach einigen Monaten. Nun will ich nicht sagen, daß beiden Intendanten gleich waren oder sind. Es verbindet sie allerdings, daß beide von Nordhausen den gleichen ersten Eindruck hatten. Den einer tristen kleinen Stadt im Osten des geeinten Deutschlands. Es verbindet sie auch, daß sie nach kurzer Zeit des Schnupperns und später des Arbeitens am Nordhäuser Theater vor Komplimenten nur so sprühten. "Wunderbare Mitarbeiter, wunderbares Umfeld, wunderbare Menschen". Vielleicht waren ja auch die Zorge, die Kneipen oder die Hunde auf den Nordhäuser Straßen so wunderbar?
Wenn alles so wunderbar war und ist, warum gab und gibt es dann immer wieder Theater im Theater? Vielleicht hatten die Entscheider für die Besetzung des letztlich wichtigsten Postens ja auch nur ein unglückliches Händchen? Beim Professor gab man das auch bald zu, da konnte man das Ende des Engagements kaum abwarten. Beim Import aus der Alpenrepublik ist es noch nicht soweit, aber es deutet sich an. Diesmal sollten zeitig Konsequenzen von den "Aufsehern" der GmbH getroffen werden. Verträge werden zwar vordergründig mit der Absicht abgeschlossen, sie einzuhalten, Verträge haben aber auch eine Ausstiegsklausel, quasi als Reißleine. Ich ganz persönlich habe das Gefühl, daß zumindest eine Vertragsseite die Hand an der Leine hat. Schließlich gilt es, vor allem im Interesse des Nordhäuser Theaters, den GAU abzuwenden. Und vielleicht haben die Damen und Herren "Entscheider und Aufseher" beim nächsten Mal ein wirklich glückliches Händchen?
Peter-Stefan Greiner


