Fr, 13:12 Uhr
01.11.2002
nnz-Forum: Wer (er)trägt die Folgen?
Nordhausen (nnz). Zum Polizeieinsatz in einem Asylbewerberheim in Ellrich, über den die nnz berichtete, erreichte die Redaktion jetzt eine Lesermeinung. Mehr dazu mit einem Klick auf MEHR.
In der Nacht zum 24.9. stürmten Einsatzkräfte des BGS in die Gemeinschaftsunterkunft Ellrich (Asylbewerberheim). Der Polizeibericht zählte auf, dass erfolgreich Gelder, Drogen und (Diebes)Güter gefunden und beschlagnahmt wurden. Verhaftungen geschahen, 6 Afrikaner wurden vorübergehend festgenommen (Erg.: zwei sind noch in Haft).
Was blieb von dieser Meldung stehen in den Gedanken der Leserinnen und Leser? Wir fragten und hörten: Es sind doch immer wieder die Ausländer, speziell die Asylbewerber, die in das Land kommen, um Straftaten zu begehen! Woher haben die nur soviel Geld - sie erhalten doch nicht einmal normale Sozialhilfeleistungen usw. Der Katalog bestätigter Vorurteile ließe sich fortsetzen.
Es geht der Polizei um Aufklärung von strafbaren Handlungen. Wer wollte etwas dagegen sagen? Aber stellen Sie sich vor, auch Sie wohnen in einem Wohnhaus mit 150 Menschen, von denen die Bewohner von 2-3 Wohnungen verdächtigt werden, strafbare Handlungen zu tun. Nicht Gewalttäter, Terroristen oder waffenstrotzende Einbrecher sollen dingfest gemacht, sondern gegen mögliche Drogendealer, illegalen Handel Treibende soll ermittelt werden. Wäre es für Sie verständlich, wenn unter diesen Voraussetzungen ab 4:30 Uhr ca. 150 Polizisten um das Haus und vor allen Wohnungstüren stationiert, laut rufend und schreiend die Flure besetzt, Türen eingetreten, unverdächtige Mitbewohner aus den Betten geholt und an der Verrichtung der Notdurft (...dann machen sie doch ins Zimmer) gehindert werden?
Sie hätten Verständnis, würden solche Vorgehensweise billigend in Kauf nehmen? Oder würden Sie sich auch fragen, ob diese Vorgehensweise angemessen ist? Vielleicht dann, wenn auch ihre Kinder nachts nicht mehr ruhig schlafen können, aus Angstträumen aufwachen? Vielleicht dann, wenn auch Sie mühsam geborgtes Geld trotz Nachweises der Herkunft nicht zurückerhalten, um es ihrem Leihgeber zurückgeben zu können?
Vielleicht dann, wenn auch Sie das Gefühl haben, sie werden beargwöhnt, misstrauisch betrachtet, weil Sie mit Verdächtigen unter einem Dach leben? Vielleicht dann, wenn auch Sie immer wieder erinnert werden, dass Sie furchtbar erschraken - denn so stellen Sie sich einen Überfall Rechtsradikaler vor? Vielleicht dann, wenn auch ihre Kinder sagen, sie wollen nicht in dieses Haus, denn dort ist immer wieder Krieg? Oder käme ihnen der Gedanke, sich das nicht gefallen zu lassen und bei unangemessenem Vorgehen und Verhalten der Einsatzkräfte entsprechend zu reagieren?
Wir wollen deutlich machen: Es ist der Einsatz polizeilicher Kräfte nötig und sinnvoll, um Verbrechen verhindern bzw. aufklären zu können. Und von strafbaren Handlungen, die Menschen gefährden und ein geordnetes Zusammenleben unmöglich machen, distanzieren wir uns ausdrücklich! Und es gab auch Polizisten, die angemessen freundlich und situationsbezogen rücksichtsvoll handelten - ihnen zollen wir gern Respekt!
Aber wie hier insgesamt vorgegangen wurde, das steht in keinem Verhältnis zum Ziel des Einsatzes. Es sei denn, Aufklärung von Verbrechen und Abschreckung und Retraumatisierung (es leben auch Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten in dem Haus) gehören zusammen. Es sei denn, Kindern soll eine Art von Respekt vor der Polizei eingeflößt werden, der auf Angst beruht. Es sei denn, die Bekräftigung von Vorurteilen gegenüber einem Teil der Mitbürgerinnen und Mitbürger passt ins (politische) Kalkül.
Wir meinen, die Verantwortlichen für diesen Einsatz tragen auch die Verantwortung für die Wahl der Mittel und die Berücksichtigung der Umstände, unter denen die Menschen danach leben müssen. Wir wissen doch - und die Polizei auch und erst recht - wie schnell die Schuldzuweisung an Migranten, wie schnell frustrierende Lebenserfahrungen auf Ausländer projiziert werden. Dem sollte kein Vorschub geleistet werden.
Schrankenlos e.V. , Peter Kube, Vorsitzender
Autor: nnzIn der Nacht zum 24.9. stürmten Einsatzkräfte des BGS in die Gemeinschaftsunterkunft Ellrich (Asylbewerberheim). Der Polizeibericht zählte auf, dass erfolgreich Gelder, Drogen und (Diebes)Güter gefunden und beschlagnahmt wurden. Verhaftungen geschahen, 6 Afrikaner wurden vorübergehend festgenommen (Erg.: zwei sind noch in Haft).
Was blieb von dieser Meldung stehen in den Gedanken der Leserinnen und Leser? Wir fragten und hörten: Es sind doch immer wieder die Ausländer, speziell die Asylbewerber, die in das Land kommen, um Straftaten zu begehen! Woher haben die nur soviel Geld - sie erhalten doch nicht einmal normale Sozialhilfeleistungen usw. Der Katalog bestätigter Vorurteile ließe sich fortsetzen.
Es geht der Polizei um Aufklärung von strafbaren Handlungen. Wer wollte etwas dagegen sagen? Aber stellen Sie sich vor, auch Sie wohnen in einem Wohnhaus mit 150 Menschen, von denen die Bewohner von 2-3 Wohnungen verdächtigt werden, strafbare Handlungen zu tun. Nicht Gewalttäter, Terroristen oder waffenstrotzende Einbrecher sollen dingfest gemacht, sondern gegen mögliche Drogendealer, illegalen Handel Treibende soll ermittelt werden. Wäre es für Sie verständlich, wenn unter diesen Voraussetzungen ab 4:30 Uhr ca. 150 Polizisten um das Haus und vor allen Wohnungstüren stationiert, laut rufend und schreiend die Flure besetzt, Türen eingetreten, unverdächtige Mitbewohner aus den Betten geholt und an der Verrichtung der Notdurft (...dann machen sie doch ins Zimmer) gehindert werden?
Sie hätten Verständnis, würden solche Vorgehensweise billigend in Kauf nehmen? Oder würden Sie sich auch fragen, ob diese Vorgehensweise angemessen ist? Vielleicht dann, wenn auch ihre Kinder nachts nicht mehr ruhig schlafen können, aus Angstträumen aufwachen? Vielleicht dann, wenn auch Sie mühsam geborgtes Geld trotz Nachweises der Herkunft nicht zurückerhalten, um es ihrem Leihgeber zurückgeben zu können?
Vielleicht dann, wenn auch Sie das Gefühl haben, sie werden beargwöhnt, misstrauisch betrachtet, weil Sie mit Verdächtigen unter einem Dach leben? Vielleicht dann, wenn auch Sie immer wieder erinnert werden, dass Sie furchtbar erschraken - denn so stellen Sie sich einen Überfall Rechtsradikaler vor? Vielleicht dann, wenn auch ihre Kinder sagen, sie wollen nicht in dieses Haus, denn dort ist immer wieder Krieg? Oder käme ihnen der Gedanke, sich das nicht gefallen zu lassen und bei unangemessenem Vorgehen und Verhalten der Einsatzkräfte entsprechend zu reagieren?
Wir wollen deutlich machen: Es ist der Einsatz polizeilicher Kräfte nötig und sinnvoll, um Verbrechen verhindern bzw. aufklären zu können. Und von strafbaren Handlungen, die Menschen gefährden und ein geordnetes Zusammenleben unmöglich machen, distanzieren wir uns ausdrücklich! Und es gab auch Polizisten, die angemessen freundlich und situationsbezogen rücksichtsvoll handelten - ihnen zollen wir gern Respekt!
Aber wie hier insgesamt vorgegangen wurde, das steht in keinem Verhältnis zum Ziel des Einsatzes. Es sei denn, Aufklärung von Verbrechen und Abschreckung und Retraumatisierung (es leben auch Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten in dem Haus) gehören zusammen. Es sei denn, Kindern soll eine Art von Respekt vor der Polizei eingeflößt werden, der auf Angst beruht. Es sei denn, die Bekräftigung von Vorurteilen gegenüber einem Teil der Mitbürgerinnen und Mitbürger passt ins (politische) Kalkül.
Wir meinen, die Verantwortlichen für diesen Einsatz tragen auch die Verantwortung für die Wahl der Mittel und die Berücksichtigung der Umstände, unter denen die Menschen danach leben müssen. Wir wissen doch - und die Polizei auch und erst recht - wie schnell die Schuldzuweisung an Migranten, wie schnell frustrierende Lebenserfahrungen auf Ausländer projiziert werden. Dem sollte kein Vorschub geleistet werden.
Schrankenlos e.V. , Peter Kube, Vorsitzender
Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. |
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Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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