Mi, 07:33 Uhr
30.10.2002
nnz-Forum: Armutszeugnis für Standort
Nordhausen (nnz). Es geht noch einmal um die E-Mail-Aktivitäten der Nordhäuser Fachhochschule. Diesmal meldet sich ein Kenner der Hochschul-Szene in Deutschland zu Wort.
Als ich den Artikel über den E-Mail-Server für Studenten las, fand ich es auch ein wenig lächerlich, das an der FHN (an der immerhin Technische Informatik gelehrt wird) man es erst jetzt geschafft hat einen E-Mail-Server für Studenten einzurichten. Normalerweise hätte ich mich dazu auch nicht zu Wort gemeldet, aber die Aussagen des René Hankel zu diesem Thema kann ich nicht so ohne weiteres stehen lassen.
Die Aussage der FHN, dass der neue Service möglich geworden sei, "da innerhalb der Hochschule nun die Kapazitäten frei wurden, um einen eigenen Mail-Server aufzubauen" kann man nicht als fadenscheinige Erklärung abtun. Eine Hochschule ist eine öffentliche Einrichtung und unterliegt (leider) einer großen Bürokratie wie jede andere Behörde auch. Das heißt, die Bereitstellung sowie die Anschaffung eines solchen Servers muss zumindest innerhalb der Hochschule beantragt und genehmigt werden.
Des weiteren muss geklärt werden, welche Person die Zuständigkeit für einen solchen Server übernimmt. Immerhin bietet so ein Server auch eine Angriffsfläche für potentielle Hacker. Es müssen also erst mal personelle Kapazitäten vorhanden sein, die die Sicherheit eines solchen Servers garantieren können, was unter Umständen ein Problem ist.
Denn auch die Schaffung einer solchen Stelle in der Administration einer Hochschule muss beim Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung beantragt und genehmigt werden. Zudem muss dann auch diese Stelle von einer Person besetzt werden, die über die nötige Kompetenz verfügt und sich mit einer relativ geringen Entlohnung (im Vergleich zur freien Wirtschaft) begnügt. Es ist traurige Realität, aber es ist in heutiger Zeit an einer Hochschule wesentlich leichter alle zwei Jahre einen PC-Pool mit 20 Einzelarbeitsplätzen mit einem Gesamtwert von ca. 80.000 EUR zu beschaffen, als für die selbe Zeit und das selbe Geld zwei Leute einzustellen, die Aufgaben in der Administration bzw. Forschung übernehmen. Ebenso lässt sich wohl mit der schwerfälligen Bürokratie erklären, weshalb noch bis vor kurzem "Novell" als Netzwerk- bzw. Servertechnik eingesetzt wurde.
Erschreckend an der Meldung, dass die Studenten der FHN nun über die Möglichkeit einer eMail-Adresse verfügen, finde ich hingegen noch etwas anderes. Es wurde damit bekannt gegeben, dass jeder Student der FHN eine eMail-Adresse mit: "Vorname.Nachnahme@stud-fh-nordhausen.de" besitzt. Ich frage mich, ob dies nicht in irgendeiner Weise gegen das Datenschutzgesetz verstößt. Da die Vergabe der Adresse offensichtlich automatisch bei Immatrikulation geschieht, hat der Student somit keine Wahl. Eine Wahl hat er jedoch dabei, den gebotenen Service überhaupt zu nutzen.
Für mich ist dieser Fall, des spät angebotenen eMail-Services der FHN und den Erklärungsversuchen hierfür, eher ein Armutszeugnis für den Wissenschafts- und Bildungsstandort Deutschland, als für die FHN.
René Brothuhn, Ilmenau
Autor: nnzAls ich den Artikel über den E-Mail-Server für Studenten las, fand ich es auch ein wenig lächerlich, das an der FHN (an der immerhin Technische Informatik gelehrt wird) man es erst jetzt geschafft hat einen E-Mail-Server für Studenten einzurichten. Normalerweise hätte ich mich dazu auch nicht zu Wort gemeldet, aber die Aussagen des René Hankel zu diesem Thema kann ich nicht so ohne weiteres stehen lassen.
Die Aussage der FHN, dass der neue Service möglich geworden sei, "da innerhalb der Hochschule nun die Kapazitäten frei wurden, um einen eigenen Mail-Server aufzubauen" kann man nicht als fadenscheinige Erklärung abtun. Eine Hochschule ist eine öffentliche Einrichtung und unterliegt (leider) einer großen Bürokratie wie jede andere Behörde auch. Das heißt, die Bereitstellung sowie die Anschaffung eines solchen Servers muss zumindest innerhalb der Hochschule beantragt und genehmigt werden.
Des weiteren muss geklärt werden, welche Person die Zuständigkeit für einen solchen Server übernimmt. Immerhin bietet so ein Server auch eine Angriffsfläche für potentielle Hacker. Es müssen also erst mal personelle Kapazitäten vorhanden sein, die die Sicherheit eines solchen Servers garantieren können, was unter Umständen ein Problem ist.
Denn auch die Schaffung einer solchen Stelle in der Administration einer Hochschule muss beim Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung beantragt und genehmigt werden. Zudem muss dann auch diese Stelle von einer Person besetzt werden, die über die nötige Kompetenz verfügt und sich mit einer relativ geringen Entlohnung (im Vergleich zur freien Wirtschaft) begnügt. Es ist traurige Realität, aber es ist in heutiger Zeit an einer Hochschule wesentlich leichter alle zwei Jahre einen PC-Pool mit 20 Einzelarbeitsplätzen mit einem Gesamtwert von ca. 80.000 EUR zu beschaffen, als für die selbe Zeit und das selbe Geld zwei Leute einzustellen, die Aufgaben in der Administration bzw. Forschung übernehmen. Ebenso lässt sich wohl mit der schwerfälligen Bürokratie erklären, weshalb noch bis vor kurzem "Novell" als Netzwerk- bzw. Servertechnik eingesetzt wurde.
Erschreckend an der Meldung, dass die Studenten der FHN nun über die Möglichkeit einer eMail-Adresse verfügen, finde ich hingegen noch etwas anderes. Es wurde damit bekannt gegeben, dass jeder Student der FHN eine eMail-Adresse mit: "Vorname.Nachnahme@stud-fh-nordhausen.de" besitzt. Ich frage mich, ob dies nicht in irgendeiner Weise gegen das Datenschutzgesetz verstößt. Da die Vergabe der Adresse offensichtlich automatisch bei Immatrikulation geschieht, hat der Student somit keine Wahl. Eine Wahl hat er jedoch dabei, den gebotenen Service überhaupt zu nutzen.
Für mich ist dieser Fall, des spät angebotenen eMail-Services der FHN und den Erklärungsversuchen hierfür, eher ein Armutszeugnis für den Wissenschafts- und Bildungsstandort Deutschland, als für die FHN.
René Brothuhn, Ilmenau
Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. |
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Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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