eic kyf msh nnz uhz tv nt
Do, 18:52 Uhr
29.10.2009

Neues Selbstverständnis

Der Nordhäuser Stadtrat will sich mit mehr Selbstbewusstsein ausstatten. Das zumindest hat die Mehrheit seiner Mitglieder vor. Der Rathausspitze und einer Fraktion des Stadtrates gefällt diese Entwicklung überhaupt nicht...


Spätestens seit dem nnz-Interview mit Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) ist öffentlich geworden, dass es im kommunalpolitischen Gebälk knirschelt. Die Chemie, die lange Zeit für den Nordhäuser Stadtrat inszeniert worden war und die von der nnz mit „Friede-Freude-Eierkuchen“-Atmosphäre beschrieben wurde, die stimmt nicht mehr. Gelinde ausgedrückt. Im Klartext: Die SPD-Fraktion habe die Gespräche mit FDP, CDU, LINKEN und der Gruppe von Bündnis90/Grüne abgebrochen, ließ CDU-Fraktionschef Norbert Klodt heute Nachmittag in einer anberaumten Pressekonferenz wissen.

Offizieller Knackpunkt: Die drei Fraktionen und die eine Gruppe wollen die Geschäftsordnung und die Hauptsatzung der Stadt Nordhausen ändern. Unter den Änderungsvorschlägen sind zwei, die von der SPD als Frontalangriff auf Oberbürgermeisterin Rinke gewertet werden. 1. Es soll einen Sitzungsleiter aus den Reihen der „gewählten“ Stadtratsmitglieder geben und 2. sollen die finanziellen Verfügungsmöglichkeiten der Oberbürgermeisterin halbiert werden.

„Wir wollen ein neues Selbstbewusstsein des Stadtrates, wir wollen endlich auf Augenhöhe mit der Verwaltung wahrgenommen werden“, so Klodt und Barbara Schencke (LINKE) ergänzte: „Eigentlich hätten wir das schon viel früher machen müssen, nur hatte ich persönlich nicht den Mut und die Kraft dazu aufgebracht. Jetzt geht es im Nordhäuser Stadtrat darum, die Demokratie wieder auf die Füße zu stellen. Wir, die Mitglieder des Stadtrates, sind die Legislative.“ Martin Höfer, der Vorsitzende der FDP-Fraktion, brachte als Beispiele die Flohburg oder den Umbau des Gutshauses in Bielen an. Hier habe die Verwaltung mit falschen Zahlen gespielt. So seien aus den Sanierungsbedarfen von ursprünglich zwei Millionen Euro (Flohburg) und 900.000 Euro (Gutshaus Bielen) plötzlich vier Millionen und 1,8 Millionen Euro geworden.

Gisela Hartmann sekundierte: „Jetzt müssen endlich alle Aggressionen, alle Verdächtigungen raus aus dem Gremium, das gebietet schon der Respekt vor den Bürgern, die uns gewählt haben.“ Hartmann war es offiziellen Bekundungen zufolge, die einen Wechsel der Versammlungsleitung von der Oberbürgermeisterin hinzu zu einem gewählten Mitglied des Stadtrates angeregt und dabei auf die guten Erfahrungen im Kreistag verwiesen hatte.

Mit was niemand in der temporären Allianz gerechnet hatte, war die Schärfe der Gegenreaktion, die von Rinke sowie von der SPD-Fraktion kam. Als alle Kompromissangebote gescheitert seien, hätte die SPD-Fraktion angeboten, die Änderung der Versammlungsleitung in die Papiere aufzunehmen. Allerdings erst ab dem Jahr 2012, dem Ende der Dienstzeit von Oberbürgermeisterin Rinke. Diese Schärfe der Ablehnung, dieses Festhalten an Besitzständen habe bei den „Vieren“ keine Wirkung gezeigt, vielmehr seien sie bestärkt worden, ihre Linie durchzustehen.

Ausgangspunkt aller Zerwürfnisse sei der Wahlkampf zu den Kommunalwahlen und zu den Landtagswahlen gewesen. Sei schon der Slogan „Sportler wählen SPD“ eine Zumutung gewesen, so wurde eine Pressemitteilung von Andreas Wieninger, in der er den sozialdemokratischen Alleinvertretungsanspruch an der positiven Nordhäuser Entwicklung zementiert habe, bereits als unerträglich gewertet. „Damit war der Konsens zwischen Parteien und Fraktionen im Stadtrat aufgekündigt“.

Jetzt hoffen Gisela Hartmann, Barbara Schencke, Martin Höfer und Norbert Klodt, schnellst möglich zur Sacharbeit zurückkehren zu können. Dabei heißt, die Ausschussarbeit zum Laufen zu bringen und die Geschäftsordnung sowie die Hauptsatzung zu beschließen. Natürlich die Version der „Allianz“, von der alle Mitglieder behaupten, dass sie keine Koalition, sondern eine punktuelle Zusammenarbeit sei.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare
eccehomo
29.10.2009, 19:21 Uhr
Wenn das Frau Merkel mitbekommt ... auf alle Fälle wirds intererresant
Auweija, wenn das Frau Merkel mitbekommt oder gar der Helmut Kohl - eine Allianz zwischen toppschwarz und zunderrot! Für voll nehmen kann ich künftig weder die eine noch die andere Seite

Auf alle Fälle - interessant dürfte es werden, wenn der Stadtrat einer Kleinstadt Bundestag spielen will und das auch noch mit vertauschten Rollen. Allerdings: Ein bißchen Gegenwind dürfte der Verwaltung mal ganz guttun, insbesondere dem Bürgermeister.

Aber eins gilt auch: Nicht nur die Stadtverordneten sind direkt vom Volk gewählt, sondern auch die Verwaltungsspitzen von Stadt und Kreis, also Herr Claus - und eben auch Frau Rinke.
Cinderella
30.10.2009, 09:47 Uhr
Demokratie
"Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, dass wir nicht besser regiert werden, als wir es verdienen."
(G. B. Shaw) ... in diesem Sinne ...
Stadtbürger
30.10.2009, 14:46 Uhr
widerspruch schließt loyalität nicht aus
demokratie heißt nicht harmonie, sondern streit. dieser spruch dürfte jedem demokraten geläufig sein.

und wenn unterschiedliche parteien feststellen, dass sie die selben interessen haben, so ist es doch nur logisch wenn sie gemeinsam handeln. gerade auf kommunaler ebene ist es sehr oft so, dass konträre parteien kooperieren. man darf den stadtrat nicht mit dem bundestag verwechseln.

doch auch warum die mehrheit sauer ist auf die SPD, ist doch nachvollziehbar. wenn frau rinke es nicht ertragen kann, dass hier eine mehrheit anders entscheidet als sie es gern hätte, dann braucht sie wohl doch noch nachhilfe in sachen demokratie. alternativ kann sie auch zurücktreten. aber sie ist eh nur noch auf abruf auf ihrem sessel, denn 2012 endet ihre zeit als sonnenkönigin.

ihr verhalten erinnert mich schon ein wenig an das auftreten des altkanzlers schröder nach der bundestagswahl 2005. sie sollte sich gut überlegen ob sie sich jetzt wie ein kleines bockiges kind verhalten will, oder souverän mit dem willen der mehrheit umgeht. alles andere würde sie disqualifizieren als demokrat und wäre nur peinlich.

denn wie sagte es frau rinke am 2.10. doch selber so schön: widerspruch schließt loyalität nicht aus!
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)