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Di, 14:11 Uhr
20.10.2009

Diskussion beim Zaren

Gruppenbilder (Foto: privat) Gruppenbilder (Foto: privat)
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Wie lässt sich Drogensucht bei Jugendlichen vorbeugen? Was tun bei sozial auffälligem Verhalten? Diese und weitere zentrale Themen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen diskutierten Fachkräfte aus dem Landkreis Nordhausen mit Kollegen in St. Petersburg...

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Organisiert hat den Erfahrungsaustausch in der russischen Metropole mit fast fünf Millionen Einwohnern der Jugendsozialwerk Nordhausen e.V. Der Verein pflegt seit Jahren Kontakte zu sozialen Einrichtungen in verschiedenen Ländern, um deren Erfahrungen für die Arbeit im Landkreis Nordhausen zu nutzen. Dieses Mal reisten Fachkräfte des Jugendsozialwerks, der Diakonie, des Südharz-Krankenhauses und des Sozialen Dienstes des Landratsamtes für eine Woche nach Russland.

Auf die sechsköpfige Delegation wartete ein volles Programm, betreut und begleitet von der staatlichen Lehranstalt „Ostseeküste“. Die Nordhäuser trafen Fachkräfte aus Kindergärten, Schulen, Freizeiteinrichtungen und der Lehrerausbildung. Elke Schnabel, Leiterin des Sozialen Dienstes, zog eine erste Bilanz: „Sankt Petersburg hat gewaltige Probleme, für schwierige Kinder und Jugendliche Angebote im schulischen sowie im Freizeitbereich zu schaffen und Alternativen für ein suchtmittelfreies Leben aufzuzeigen. Es ist bemerkenswert mit welchem Engagement die Mitarbeiter dieser Einrichtungen mit wenigen Mitteln ihr Ziel, die Veränderung von tradiertem Verhalten, verfolgen.“

Die Fachleute aus Nordhausen lernten ganz unterschiedliche Facetten der Kinder- und Jugendarbeit kennen. Ein Beispiel ist die Lehranstalt „Ostseeküste“, die unweit des Stadtzentrums ein Kinderferienheim für sozial benachteiligte Kinder betreibt. Sie besuchen dort die Schule, verbringen ihre Freizeit und werden zu einer gesunden Lebensweise ermuntert. Auch politische Grundsätze wie Demokratie werden vermittelt. Betreut werden auch Kinder aus Risikofamilien, die beispielsweise durch Drogenkonsum auffällig geworden sind.

Eine weitere Station war einer von 66 Kindergärten im Primorski Bezirk mit 500 000 Einwohnern. In dieser Kindertagesstätte betreuen die Erzieher rund 120 sehschwache und sehgestörte Kinder. Die Besucher aus Nordhausen erlebten dort ein vielseitiges Tagesprogramm, in das auch die Eltern einbezogen werden, zum Beispiel in der Sportgruppe „Meine Mama und ich“. In der gesamten Stadt versorgen 23 Einrichtungen etwa 4.000 Kinder mit Sehstörungen.

Um die Ausbildung in der Suchtprophylaxe ging es im wissenschaftlich-methodischen Zentrum im Krasnoselski Bezirk, einem von 18 solcher Zentren in St. Petersburg. Hier werden Ausbildungsprogramme für Lehrer erarbeitet und zertifiziert, die sich unter anderem mit Suchtprophylaxe beschäftigen. Ziel ist es, dass Pädagogen in den Schulen mit den Schülern daran arbeiten können, eine Sucht nicht als Mittel zur Problemlösung einzusetzen. Lehrkräfte erfahren in methodischen Hinweisen, Broschüren und Schriften, wie sie ihre Arbeit individueller auf die Schüler zuschneiden können. Wie die berufliche Ausbildung von Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen gestaltet wird, erlebten die Fachleute aus Nordhausen im Zentrum für Berufsbildung im Lyceum Nummer 50.

Dort wurden 40 Millionen Rubel investiert, um Ausbildungsbedingungen zu verbessern. In diesem Lyceum erlernen 800 Schüler nach dem Schulabschluss verschiedene Bauberufe, werden Köche und Bäcker. Gleichzeitig verbringen die Schüler dort auch ihre Freizeit, treiben Sport, betätigen sich kulturell und künstlerisch. In St. Petersburg gibt es weitere 61 solcher beruflichen Zentren. In sieben Zentren werden auch Jugendliche betreut und beruflich gefördert, deren Eltern das Sorgerecht entzogen wurde oder die keine Eltern mehr haben.

Nach erlebnisreichen fünf Tagen waren sich die Fachleute aus beiden Ländern einig, dass Prävention von Suchterkrankungen eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft und ein frühzeitiges Eingreifen elementar sei. Wichtig sei es dabei, dass die Kinder und Jugendlichen wenn möglich in ihrer Familie aufwachsen und die Betreuung in öffentlichen Einrichtungen möglichst individuell gestaltet wird. Bedeutsam für alle Beteiligten war, dass der Austausch auf einem hohen Niveau betrieben wird. Angestrebt wird daher, dass perspektivisch eine Evaluation mit wissenschaftlicher Begleitung angestrebt wird.

Im kommenden Frühjahr wird eine Delegation aus St. Petersburg Nordhausen besuchen, um sich hier ein Bild von der Arbeit vor allem in Fragen der Suchtvorbeugung zu machen. „Ich freue mich auf den Gegenbesuch im kommenden Jahr, um den Erfahrungsaustausch fortzusetzen und unter anderem Zielsetzungen für eine gemeinsame Evaluation zu erarbeiten“, sagte Elke Schnabel vom Landratsamt.
Autor: nnz

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