Sa, 08:02 Uhr
17.10.2009
Post von Luisa (12)
Luisa Schäfer, eine junge Frau aus Niedersachswerfen, schreibt in der nnz ein ungewöhnliches Tagebuch über ihre Erlebnisse am anderen Ende der Welt. Heute berichtet die junge Frau über ihre ersten "richtigen" Erfahrungen von der "richtigen" argentinischen Küche....
Ich habe einen Fehler gemacht, einen grossen Fehler.
Ich habe mich bei der Koechin in meinem Projekt zum Essen angemeldet. Im Nachhinein stellte sich das als wirklich bloede Entscheidung heraus. Erst dachte ich noch, super, kann eigentlich nichts schief gehen. Das Essen ist hier in den Restaurants sehr gut und auch bei meiner Gastfamilie hat es mir immer geschmeckt...
Weitere Hintergedanken waren, dass ich dann nicht zwischen meinen Projekten hin und her hetzen muesste und Kindern zusammen essen kann. So weit so gut! Die Kinder haben sich auch wirklich gefreut, das die Seño jetzt immer bis zum Mittagessen bleibt. Doch dann kam eher der unangenehme Teil. Am ersten Tag war ich noch sehr zufrieden, es gab Suppe und obwohl ich
davon nun nicht unbedingt der Fan bin, war es ganz lecker. Gestern kam dann der Hammer. Es roch den ganzen Tag schon ziemlich lecker und was ich dann auf meinen Teller fand sah auch aus wie ein leckeres Schnitzel.
Die heissen hier Milanesas und sind eigentlich wirklich koestlich, allerdings auch sehr fettig, aber das waere mir aber erstmal egal gewesen! Voller Genuss wollt ich dort nun hineinbeissen und erlebte eine "tolle" Ueberraschung, in was ich da biss kann man nicht wirklich als Fleisch bezeichnen. Nach einigen weiteren Kostproben kam ich dann dahinter was es war, es war Leber. Eine ganze Portion davon hatte ich nun also auf meinen Teller und ein ganzer Raum voll Kinder beobachtete mich nun beim Essen, an uebriglassen konnte ich nun nicht mal mehr denken. Also kaempfte ich mich Stueckchen fuer Stueckchen durch, mit genuegend Wasser dazu ging es auch einigermassen.
Danach war ich wirklich sehr stolz auf mich und dachte mir auch, dass ich wohl erstmal das Schlimmste geschafft haette und sicherlich nur noch ein bisschen leckere Sachen kommen wuerden...
Tja wie sagt man so schoen, schlimmer geht es immer. Ich war heute eigentlich sehr positiv gestimmt und was auf meinen Teller kam, sah aus wie Haehnchenfleisch mit Reis und Sosse. Nicht schlecht dachte ich, jedenfalls so lange ich noch nicht probiert hatte. Beim ersten Stueck dachte ich einfach, dass ich Fett oder so erwischt haben muss. Schluckte es also tapfer unter und nahm das naechste. Doch dasselbe, es lies sich einfach nicht kauen. Langsam wunderte ich mich auch ueber die Form des ganzen. Einige Stuecke sahen aus als haette man die Haut einfach mit drangelassen, andere hatten so eine Art Roehrenform, andere wiederrum sahen wirklich aus wie pures Fett.
Aber all die Kinder haben so fleissig gegessen, dass ich nicht anders konnte. Ich musste es essen. Ich versuchte einfach so viel wie moeglich ohne zu kauen (wenn man das macht, wird einem bewusst wie eklig es wirklich ist) runterzuschlucken. Ich stellte dann aber doch fest, dass ich nicht die einzige war, die mit dem essen kaempfte. Meine kleine Sitznachbarin brach bald in Traenen aus, weil es hier nun mal wirklich nicht akzeptiert wird, wenn man ein Gericht nicht mag.
Doch sie hatte im Gegensatz zu mir nun einen Vorteil, den Mitleidsfaktor. Darauf konnte ich nun wirklich nicht bauen und anfangen zu weinen wollte ich auch nicht. Meine weitere Arbeit dort sollte ja nun nicht von diesem Ekelzeug zerstoert werden. Also machte ich einfach weiter. Versuchte die Fleischstuecken vor mir selbst zu verstecken und wuergte sie mit moeglichst viel Wasser und Reis herunter. Und auch solch schlimmen Erfahrungen gehen vorbei und mein Teller leerte sich zusehends. Es gab dann nochmal eine kleine Schrecksekunde, als ich mitbekommen habe, was da nun wirklich vor mir lag:
Es war Mondongo. Ich weiss der Name klingt schon auf Spanisch eklig aber die Uebersetzung hat sich erst so richtig gewaschen: "gedärm, eingeweide, gekröse, kutteln" Ich hoffe, mehr muss ich nicht sagen um das Mitleid die das lesen zu bekommen. Mehr kann ich auch nicht dazu schreiben, ohne das mir wieder
schlecht wird.
Aber etwas gutes hat es nun, es kann, denke ich nun wirklich nicht mehr schlimmer werden, morgen, um 12.00 Uhr! Wenn ich mich von diesen Erfahrungen je wieder erholt habe, werde ich wohl mal etwas ueber das andere Essen was es hier noch so gibt schreiben. Denn eigentlich ist es sehr lecker, wenn man nicht gerade Mondongo abbekommt!
Bis bald, Luisa
Autor: nnzIch habe einen Fehler gemacht, einen grossen Fehler.
Ich habe mich bei der Koechin in meinem Projekt zum Essen angemeldet. Im Nachhinein stellte sich das als wirklich bloede Entscheidung heraus. Erst dachte ich noch, super, kann eigentlich nichts schief gehen. Das Essen ist hier in den Restaurants sehr gut und auch bei meiner Gastfamilie hat es mir immer geschmeckt...
Weitere Hintergedanken waren, dass ich dann nicht zwischen meinen Projekten hin und her hetzen muesste und Kindern zusammen essen kann. So weit so gut! Die Kinder haben sich auch wirklich gefreut, das die Seño jetzt immer bis zum Mittagessen bleibt. Doch dann kam eher der unangenehme Teil. Am ersten Tag war ich noch sehr zufrieden, es gab Suppe und obwohl ich
davon nun nicht unbedingt der Fan bin, war es ganz lecker. Gestern kam dann der Hammer. Es roch den ganzen Tag schon ziemlich lecker und was ich dann auf meinen Teller fand sah auch aus wie ein leckeres Schnitzel.
Die heissen hier Milanesas und sind eigentlich wirklich koestlich, allerdings auch sehr fettig, aber das waere mir aber erstmal egal gewesen! Voller Genuss wollt ich dort nun hineinbeissen und erlebte eine "tolle" Ueberraschung, in was ich da biss kann man nicht wirklich als Fleisch bezeichnen. Nach einigen weiteren Kostproben kam ich dann dahinter was es war, es war Leber. Eine ganze Portion davon hatte ich nun also auf meinen Teller und ein ganzer Raum voll Kinder beobachtete mich nun beim Essen, an uebriglassen konnte ich nun nicht mal mehr denken. Also kaempfte ich mich Stueckchen fuer Stueckchen durch, mit genuegend Wasser dazu ging es auch einigermassen.
Danach war ich wirklich sehr stolz auf mich und dachte mir auch, dass ich wohl erstmal das Schlimmste geschafft haette und sicherlich nur noch ein bisschen leckere Sachen kommen wuerden...
Tja wie sagt man so schoen, schlimmer geht es immer. Ich war heute eigentlich sehr positiv gestimmt und was auf meinen Teller kam, sah aus wie Haehnchenfleisch mit Reis und Sosse. Nicht schlecht dachte ich, jedenfalls so lange ich noch nicht probiert hatte. Beim ersten Stueck dachte ich einfach, dass ich Fett oder so erwischt haben muss. Schluckte es also tapfer unter und nahm das naechste. Doch dasselbe, es lies sich einfach nicht kauen. Langsam wunderte ich mich auch ueber die Form des ganzen. Einige Stuecke sahen aus als haette man die Haut einfach mit drangelassen, andere hatten so eine Art Roehrenform, andere wiederrum sahen wirklich aus wie pures Fett.
Aber all die Kinder haben so fleissig gegessen, dass ich nicht anders konnte. Ich musste es essen. Ich versuchte einfach so viel wie moeglich ohne zu kauen (wenn man das macht, wird einem bewusst wie eklig es wirklich ist) runterzuschlucken. Ich stellte dann aber doch fest, dass ich nicht die einzige war, die mit dem essen kaempfte. Meine kleine Sitznachbarin brach bald in Traenen aus, weil es hier nun mal wirklich nicht akzeptiert wird, wenn man ein Gericht nicht mag.
Doch sie hatte im Gegensatz zu mir nun einen Vorteil, den Mitleidsfaktor. Darauf konnte ich nun wirklich nicht bauen und anfangen zu weinen wollte ich auch nicht. Meine weitere Arbeit dort sollte ja nun nicht von diesem Ekelzeug zerstoert werden. Also machte ich einfach weiter. Versuchte die Fleischstuecken vor mir selbst zu verstecken und wuergte sie mit moeglichst viel Wasser und Reis herunter. Und auch solch schlimmen Erfahrungen gehen vorbei und mein Teller leerte sich zusehends. Es gab dann nochmal eine kleine Schrecksekunde, als ich mitbekommen habe, was da nun wirklich vor mir lag:
Es war Mondongo. Ich weiss der Name klingt schon auf Spanisch eklig aber die Uebersetzung hat sich erst so richtig gewaschen: "gedärm, eingeweide, gekröse, kutteln" Ich hoffe, mehr muss ich nicht sagen um das Mitleid die das lesen zu bekommen. Mehr kann ich auch nicht dazu schreiben, ohne das mir wieder
schlecht wird.
Aber etwas gutes hat es nun, es kann, denke ich nun wirklich nicht mehr schlimmer werden, morgen, um 12.00 Uhr! Wenn ich mich von diesen Erfahrungen je wieder erholt habe, werde ich wohl mal etwas ueber das andere Essen was es hier noch so gibt schreiben. Denn eigentlich ist es sehr lecker, wenn man nicht gerade Mondongo abbekommt!
Bis bald, Luisa

