Sa, 10:38 Uhr
03.10.2009
In bester Gesellschaft
Der folgende Bericht hat den gestrigen Festakt im Nordhäuser Theater zum Thema, der in diesem Jahr ganz dem Gedenken an die historischen Ereignisse des Herbstes 1989 gewidmet war, wie es in der Einladung hieß. nnz war Teilnehmer.
Und kann eigentlich nur aus subjektiver Sicht berichten. Das beginnt schon bei der Auswahl der geladenen Gäste. Nach welchen Überlegungen diese Einladungen erfolgten, kann und soll hier nicht weiter untersucht werden. Es mag mit der Feststellung sein Bewenden haben, dass die Stadtverwaltung eine Beschränkung treffen musste, weil sonst der große Saal des Theaters bei weitem nicht gereicht hätte, um allein schon alle jene aufzunehmen, die an diesen historischen Ereignissen des Herbstes 1989 aktiv beteiligt waren.
Eine zu Beginn des Festaktes gezeigte multimediale Präsentation zum Thema Die friedliche Revolution in Nordhausen (von Schülern erstellt) ließ flüchtig erkennen, wie groß die Zahl derer gewesen ist, die sich an jenen Ereignissen aktiv beteiligten. Jedenfalls aber befand man sich in bester Gesellschaft.
Dr. Manfred Schröter, erster Bürgermeister der Stadt Nordhausen nach der Wende begrüßte nach dem musikalischen Auftakt durch das Loh-Orchester Sondershausen (Leitung Markus L. Frank) die Gäste, bereitete sie auf noch zahlreich folgende Ansprachen und Grußworte vor und schilderte danach aus seiner Sicht die Vorgänge, die in Nordhausen seinem Amte – in das er frei gewählt worden war – vorausgegangen waren. Die Spannung und Dramatik, die seine Ausführungen zu jener Zeit enthielt, muss hier nicht besonders beschrieben werden, die damaligen Akteure wissen darum.
Es folgte ein gesanglicher Vortrag des Liedermachers Ronald Gäßlein aus Nordhausen, der Wolf Biermanns Du laß’ Dich nicht verhärten darbot. Danach folgte die Ansprache von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke, die diese unter das Eingangsmotto Worauf hoffen wir? stellte. Den vollständigen Wortlaut ihrer Ansprache hat nnz schon gestern veröffentlicht.
Eine Passage dieser Ansprache soll hier immerhin widergegeben werden, weil sie die Problematik dieses Begriffs Hoffnung in gemeinten Zusammenhang besonders herausstellt: Hoffnung ist etwas für Leute, die schlecht informiert sind behauptete zynisch der Dramatiker Heiner Müller. Aber ich glaube, er wollte uns etwas anderes damit sagen.
Er wollte uns warnen vor dem alles-wird-gut-Optimismus, der uns zur Untätigkeit verführen will. Die Erkenntnisse aus der Psycho-Analyse sprechen eine klare Sprache. Hoffnung ist die fundamentalste Eigenschaft des Menschen, ohne die das Leben weder richtig anfangen noch sinnvoll enden kann. Hoffnung ist der emotionale Treibsatz, der uns überhaupt etwas versuchen, riskieren und weitermachen lässt. Das haben auch wir so erfahren dürfen 1945, 1968, 1989 und ganze Menschengenerationen vor uns...
Die Ansprache von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) verdeutlichte sehr anschaulich die besonderen Umstände, unter denen sich das Leben der Bürger in der DDR, auch und besonders unter konfessionellen Gegebenheiten, gestaltete. Rinke flocht auch ihren Anteil in diese Gestaltung ein als Teil der Geschehens. Und ließ immerhin auch für Menschen, die jene Verhältnisse nicht selbst erlebten erkennen, dass Barbara Rinke nicht von ungefähr nach der Wende maßgeblich an der Mitwirkung der evangelischen Kirche in Ostdeutschland an der Gesamtentwicklung beteiligt war und sich mit ihrem gesellschaftspolitischem Engagement (Parteipolitik soll außen vor bleiben) als Oberbürgermeisterin Nordhausens empfahl. Und dann ja auch folgerichtig gewählt wurde.
Nach einem weiteren gesanglichen Liedermacher-Zwischenspiel folgten die schon eingangs angekündigten Grußworte, von denen das des Präsidenten der polnischen Partnerstadt Ostrów-Wielkopolski, Radoslaw Torzynski der besonderen Hervorhebung wert ist. Überbrachte er doch in seiner Ansprache Grüße eines Menschen, dem mein Herz besonders zugetan ist. Nicht etwa einer Frau, eskam von Lech Walesa, dessen Verdienste um die Entwicklung in Polen von der Diktatur zu einem demokratischen Land gerade in Ostdeutschland nicht besonders erläutert werden muss.
Er scheint jedenfalls die Partnerschaft Ostrów-Wielkopolki mit Nordhausen besonders hoch einzuschätzen. Der Präsident der Partnerschaft nahm übrigens mit einer ganzen Delegation seiner Stadt an dem Festakt teil und betonte in seiner Rede weiter den Anteil, der auch Polen zukommt als Aufnahme- und Durchgangsland für DDR-Bewohner in der unmittelbaren Wendephase
Ein weiteres Grußwort trug Albert van Hoey (Belgien) vor. Er ist Vorsitzender des Beirates der Überlebenden des KZ Mittelbau-Dora und schilderte seinen eigenen Leidensweg zu Zeiten des Dritten Reiches. Seine Verbindung zu Mittelbau-Dora verdient nicht allein durch die Erinnerung an die Verbrechen Hitler-Deutschlands an ihm mit Millionen anderer unschuldiger Menschen besondere Beachtung, sondern auch – im Geiste der Menschlichkeit und des Verzeihens – durch seine Verbindung zu Propst i.R. Joachim Jaeger.
Dem sich nach einem weiteren Zwischenspiel Gäßleins das Hauptinteresse der Festakt-Teilnehmer zuwandte. War doch die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Joachim Jaeger der Höhepunkt der Festveranstaltung in diesem Jahr. Hatte zuvor schon OB Rinke in ihrer Ansprache die Verdienste des damaligen Propstes vor, während und nach der Wende um Nordhausen kurz gewürdigt, kam sein Engagement in seiner nun folgenden Ansprache voll zum Ausdruck. Zwar vorgetragen als seine damals mehr im Rahmen seines Amtes erkannten Aufgaben, wissen und erkannten die Zuhörer doch um seinen besonderen und nachdrücklichen Einsatz gerade zu Zeiten der Wende. Der u.a. in der Mitwirkung am Runden Tisch konkreten und konstruktiven Ausdruck fand. Dr. Manfred Schröter wusste davon im abschließenden gesellschaftlichen Teil der Veranstaltung gegenüber nnz eine Menge zu berichten.
Von der Ansprache Jaegers sei hier lediglich herausgestellt, dass er bei Besuchen Nordhausens immer wieder aufs Neue beeindruckt ist von dem sich weiter verbessernden Stadtbild. Ausdrücklich brachte er dabei auch seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Stadt Nordhausen auch dem Theater weiter ihre besondere Aufmerksamkeit widmet und sich auch zukünftig aller etwaigen Versuche einer Mittelkürzung durch das Land entschieden widersetzt. Eine aufschlussreiche Ansprache, die viel Beifall fand.
Es folgte die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Joachim Jaeger, Popst i.R. durch die Oberbürgermeisterin und die Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Nordhausen. Zu der nach dem neuen Ehrenbürger auch Helmut Zinke, Oberrat a.D. und ebenfalls Ehrenbürger der Stadt Nordhausen, eingeladen war. Gleichfalls Radoslaw Torzynski als Präsident und Aleksandra Kierstein als Stadträtin von Ostrów-Wiekopolkski. Sei hier ganz persönlich anerkennend bemerkt, dass diesmal der Tisch zum Eintrag seitlich auf der Bühne platziert war, wodurch der Blick vom Parkett aus während der Prozedur nicht von Fotografen verstellt war, wie das in Vorjahren mehrmals der Fall war.
Nach dem musikalischen Ausklang, wieder durch das Loh-Orchester mit dem 3. Satz (Scherzo) aus Bruckners Sinfonie Nr. 4 - das klanglich hervorragend zu dem Geschehen zuvor passte, und dem Deutschlandlied endete der offizielle Teil. Danach lud OB Rinke (die in ihrem Outfit sehr gut gefallen konnte) zum Empfang, der dann auch in sehr guter Atmosphäre mit vielen persönlichen Gesprächen seinen Fortgang und Ausklang fand.
Julius Seifert
Autor: nnzUnd kann eigentlich nur aus subjektiver Sicht berichten. Das beginnt schon bei der Auswahl der geladenen Gäste. Nach welchen Überlegungen diese Einladungen erfolgten, kann und soll hier nicht weiter untersucht werden. Es mag mit der Feststellung sein Bewenden haben, dass die Stadtverwaltung eine Beschränkung treffen musste, weil sonst der große Saal des Theaters bei weitem nicht gereicht hätte, um allein schon alle jene aufzunehmen, die an diesen historischen Ereignissen des Herbstes 1989 aktiv beteiligt waren.
Eine zu Beginn des Festaktes gezeigte multimediale Präsentation zum Thema Die friedliche Revolution in Nordhausen (von Schülern erstellt) ließ flüchtig erkennen, wie groß die Zahl derer gewesen ist, die sich an jenen Ereignissen aktiv beteiligten. Jedenfalls aber befand man sich in bester Gesellschaft.
Dr. Manfred Schröter, erster Bürgermeister der Stadt Nordhausen nach der Wende begrüßte nach dem musikalischen Auftakt durch das Loh-Orchester Sondershausen (Leitung Markus L. Frank) die Gäste, bereitete sie auf noch zahlreich folgende Ansprachen und Grußworte vor und schilderte danach aus seiner Sicht die Vorgänge, die in Nordhausen seinem Amte – in das er frei gewählt worden war – vorausgegangen waren. Die Spannung und Dramatik, die seine Ausführungen zu jener Zeit enthielt, muss hier nicht besonders beschrieben werden, die damaligen Akteure wissen darum.
Es folgte ein gesanglicher Vortrag des Liedermachers Ronald Gäßlein aus Nordhausen, der Wolf Biermanns Du laß’ Dich nicht verhärten darbot. Danach folgte die Ansprache von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke, die diese unter das Eingangsmotto Worauf hoffen wir? stellte. Den vollständigen Wortlaut ihrer Ansprache hat nnz schon gestern veröffentlicht.
Eine Passage dieser Ansprache soll hier immerhin widergegeben werden, weil sie die Problematik dieses Begriffs Hoffnung in gemeinten Zusammenhang besonders herausstellt: Hoffnung ist etwas für Leute, die schlecht informiert sind behauptete zynisch der Dramatiker Heiner Müller. Aber ich glaube, er wollte uns etwas anderes damit sagen.
Er wollte uns warnen vor dem alles-wird-gut-Optimismus, der uns zur Untätigkeit verführen will. Die Erkenntnisse aus der Psycho-Analyse sprechen eine klare Sprache. Hoffnung ist die fundamentalste Eigenschaft des Menschen, ohne die das Leben weder richtig anfangen noch sinnvoll enden kann. Hoffnung ist der emotionale Treibsatz, der uns überhaupt etwas versuchen, riskieren und weitermachen lässt. Das haben auch wir so erfahren dürfen 1945, 1968, 1989 und ganze Menschengenerationen vor uns...
Die Ansprache von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) verdeutlichte sehr anschaulich die besonderen Umstände, unter denen sich das Leben der Bürger in der DDR, auch und besonders unter konfessionellen Gegebenheiten, gestaltete. Rinke flocht auch ihren Anteil in diese Gestaltung ein als Teil der Geschehens. Und ließ immerhin auch für Menschen, die jene Verhältnisse nicht selbst erlebten erkennen, dass Barbara Rinke nicht von ungefähr nach der Wende maßgeblich an der Mitwirkung der evangelischen Kirche in Ostdeutschland an der Gesamtentwicklung beteiligt war und sich mit ihrem gesellschaftspolitischem Engagement (Parteipolitik soll außen vor bleiben) als Oberbürgermeisterin Nordhausens empfahl. Und dann ja auch folgerichtig gewählt wurde.
Nach einem weiteren gesanglichen Liedermacher-Zwischenspiel folgten die schon eingangs angekündigten Grußworte, von denen das des Präsidenten der polnischen Partnerstadt Ostrów-Wielkopolski, Radoslaw Torzynski der besonderen Hervorhebung wert ist. Überbrachte er doch in seiner Ansprache Grüße eines Menschen, dem mein Herz besonders zugetan ist. Nicht etwa einer Frau, eskam von Lech Walesa, dessen Verdienste um die Entwicklung in Polen von der Diktatur zu einem demokratischen Land gerade in Ostdeutschland nicht besonders erläutert werden muss.
Er scheint jedenfalls die Partnerschaft Ostrów-Wielkopolki mit Nordhausen besonders hoch einzuschätzen. Der Präsident der Partnerschaft nahm übrigens mit einer ganzen Delegation seiner Stadt an dem Festakt teil und betonte in seiner Rede weiter den Anteil, der auch Polen zukommt als Aufnahme- und Durchgangsland für DDR-Bewohner in der unmittelbaren Wendephase
Ein weiteres Grußwort trug Albert van Hoey (Belgien) vor. Er ist Vorsitzender des Beirates der Überlebenden des KZ Mittelbau-Dora und schilderte seinen eigenen Leidensweg zu Zeiten des Dritten Reiches. Seine Verbindung zu Mittelbau-Dora verdient nicht allein durch die Erinnerung an die Verbrechen Hitler-Deutschlands an ihm mit Millionen anderer unschuldiger Menschen besondere Beachtung, sondern auch – im Geiste der Menschlichkeit und des Verzeihens – durch seine Verbindung zu Propst i.R. Joachim Jaeger.
Dem sich nach einem weiteren Zwischenspiel Gäßleins das Hauptinteresse der Festakt-Teilnehmer zuwandte. War doch die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Joachim Jaeger der Höhepunkt der Festveranstaltung in diesem Jahr. Hatte zuvor schon OB Rinke in ihrer Ansprache die Verdienste des damaligen Propstes vor, während und nach der Wende um Nordhausen kurz gewürdigt, kam sein Engagement in seiner nun folgenden Ansprache voll zum Ausdruck. Zwar vorgetragen als seine damals mehr im Rahmen seines Amtes erkannten Aufgaben, wissen und erkannten die Zuhörer doch um seinen besonderen und nachdrücklichen Einsatz gerade zu Zeiten der Wende. Der u.a. in der Mitwirkung am Runden Tisch konkreten und konstruktiven Ausdruck fand. Dr. Manfred Schröter wusste davon im abschließenden gesellschaftlichen Teil der Veranstaltung gegenüber nnz eine Menge zu berichten.
Von der Ansprache Jaegers sei hier lediglich herausgestellt, dass er bei Besuchen Nordhausens immer wieder aufs Neue beeindruckt ist von dem sich weiter verbessernden Stadtbild. Ausdrücklich brachte er dabei auch seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Stadt Nordhausen auch dem Theater weiter ihre besondere Aufmerksamkeit widmet und sich auch zukünftig aller etwaigen Versuche einer Mittelkürzung durch das Land entschieden widersetzt. Eine aufschlussreiche Ansprache, die viel Beifall fand.
Es folgte die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Joachim Jaeger, Popst i.R. durch die Oberbürgermeisterin und die Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Nordhausen. Zu der nach dem neuen Ehrenbürger auch Helmut Zinke, Oberrat a.D. und ebenfalls Ehrenbürger der Stadt Nordhausen, eingeladen war. Gleichfalls Radoslaw Torzynski als Präsident und Aleksandra Kierstein als Stadträtin von Ostrów-Wiekopolkski. Sei hier ganz persönlich anerkennend bemerkt, dass diesmal der Tisch zum Eintrag seitlich auf der Bühne platziert war, wodurch der Blick vom Parkett aus während der Prozedur nicht von Fotografen verstellt war, wie das in Vorjahren mehrmals der Fall war.
Nach dem musikalischen Ausklang, wieder durch das Loh-Orchester mit dem 3. Satz (Scherzo) aus Bruckners Sinfonie Nr. 4 - das klanglich hervorragend zu dem Geschehen zuvor passte, und dem Deutschlandlied endete der offizielle Teil. Danach lud OB Rinke (die in ihrem Outfit sehr gut gefallen konnte) zum Empfang, der dann auch in sehr guter Atmosphäre mit vielen persönlichen Gesprächen seinen Fortgang und Ausklang fand.
Julius Seifert























