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Do, 11:08 Uhr
24.09.2009

„Mütter meckern – das ist ein Naturgesetz“

Einen außergewöhnlichen Elternabend erlebte gestern die Grundschule Heringen: Schulleiterin Danielle Blanke hatte den renommierten Buchautor und Erziehungswissenschaftler Wolfgang Bergmann eingeladen.


Er leitet das Institut für Kinderpsychologie und Lerntherapie in Hannover und aus seiner Feder stammen Bücher wie „Warum unsere Kinder ein Glück sind“, „Gute Autorität“ oder „Disziplin ohne Angst“.
„Für die Allermeisten von uns ist die Liebe zum Kind das tiefste und innigste, was sie in ihrem Leben erfahren – zumindest das dauerhafteste“, sagte Wolfgang Bergmann gleich zu Beginn seines Vortrags. Es folgte ein Plädoyer weg von Ratgebern á la „10 Schritte zum braven Kind“, hin zu einer Erziehung, einen Umgang mit Kindern, die auf der Liebe zwischen Eltern und Kindern basieren. „Kinder brauchen Bindung und Ordnung – oder schöner formuliert Liebe und Gehorsam“, so Bergmann weiter. „Liebe ist schwierig, sie kann in viele Sackgassen führen, aber sie ist die Substanz“ Gerade mit kleinen Anekdoten aus seinem eigenen Familienleben hat der Vater von drei Kindern seine Ausführungen kurzweilig gestaltet. Mit Sätzen wie „Mütter meckern – das ist ein Naturgesetz.“ brachte er die Mütter und wenigen Väter in der Aula immer wieder zum Schmunzeln.

bergmann (Foto: gs heringen) bergmann (Foto: gs heringen)

Wolfgang Bergmann sprach sich dafür aus, nicht immer auf den eigenen Prinzipien zu beharren und auch mal unvernünftig in Erziehungsfragen zu sein, denn das mache Spaß. Von „übereifrigen“ Frühförderprogrammen für Kleinkinder halte er nicht viel. „Das stiftet Rivalität, bevor das Kind überhaupt seine sozialen Fähigkeiten erlebt hat.“ Zudem belege die Hirnforschung mit bildgebenden Verfahren, dass mehr Hirnregionen aktiv sind, wenn eine Dreijährige über die Wiese rennt als wenn es im Englischkurs sitzt. „Wenn Sie Ihr Kind fördern wollen, lassen sie es spielen und laufen“, so sein Tipp. „Wir dürfen auch nicht immer denken, dass das was wir machen wichtiger ist als das, was das Kind tut. Meistens ist das nämlich nicht so.“

Wenn Mama es eilig habe und weg zu einem Termin wolle, der Sohnemann aber gerade vertieft mit seinem wunderbar aufgebauten Bauernhof spiele, solle sich die Mutter einfach mal zurücklehnen und das Werk ihrer Sprösslings bewundern. „Denn alles passiert nur einmal. Dessen sollte man sich immer bewusst sein.“
Auch die klassischen Beispiele wie der Wutanfall im Supermarkt kamen gestern Abend zur Sprache. Wolfgang Bergmann betonte, wie wichtig es sei, sich in die Perspektive des Kindes hineinzuversetzen. Klar könne man zu den Süßigkeiten an der Kasse Nein sagen. Den oft folgenden Wutanfall inklusive auf die Erde werfen hielt Bergmann jedoch nicht für einen Machtkampf oder den Versuch, Grenzen auszutesten. „Die Kleinen wissen noch gar nicht, was Grenzen sind.“ In solchen Situationen sollten Eltern ihrem Kind zeigen, dass sie verstehen können, wie schwer es ist, groß zu werden.

bergmann (Foto: gs heringen) bergmann (Foto: gs heringen)

Die Grundschule in Heringen gestaltet jedes Jahr einen thematischen Informationsabend für Eltern, Lehrer und Erzieher. In dieser Form war es bereits der fünfte. Ein Kooperationspartner des Elternabends war das Buchhaus Rose. Einige der Mütter ließen sich nach dem Vortrag ihr frisch erstandenes Buch auch gleich vom Autor signieren.
Autor: nnz

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