Di, 12:54 Uhr
16.06.2009
Wie eine Geburt
Es war eigentlich wie eine Geburt. Neun Monate dauerten die Ausgrabungen hinter dem Nordhäuser Rathaus. Jetzt konnte eine Bilanz gezogen werden. Was aber wurde geboren? Die Antwort gibt es heute schon in Ihrer nnz...
Grabungsleiter Peter Sokalla, Oberbürgermeisterin Barbara Rinke und Stadtarchivs-Leiter Jürgen Grönke (v.l.n.r.) auf dem Grabungsfeld hinter dem Rathaus. In den Händen halten sie die Goldringe, die die Grabungsmitarbeiter in einem der Gräber gefunden hatten.
Die archäologischen Grabungen hinter dem Nordhäuser Rathaus gehen jetzt nach 9 Monaten zu Ende. Sie waren notwendig, weil auf dem Grabungsgelände im kommenden Jahr mit dem Bau einem neuen Ratssitzungssaal, einer Stadtbibliothek samt Mehrzweckgebäude und Tiefgarage begonnen werden soll. Insbesondere zur Geschichte der St.-Nikolai-Kirche brachten die Grabungen neue Erkenntnisse. Der Bau stand an dieser Stelle bis zur Zerstörung im April 1945.
Nordhausens Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD), die sich von Ausgrabungsleiter Peter Sokalla und seinen fünf Kollegen sowie von Stadtarchiv-Leiter Jürgen Grönke die Ergebnisse der Grabungen erläutern ließ, kündigte an, dass Teile der freigelegten Kirchenreste in den Neubau integriert werden sollen. Wie dies genau geschieht, werden wir mit den Architekten in den kommenden Monaten besprechen.
Die 1945 zerstörte Kirche hat nach Sokalla mindestens zwei Vorgängerbauten gehabt. Dies habe man aus Fundamentresten geschlossen. Der älteste stammt aus der Zeit vor 1220. Dass es später einen Erweiterungsbau zu einer dreischiffigen Hallenkirche gab, war bisher unbekannt. Erst durch die Grabungen sind wir zu dieser Erkenntnis gekommen. Die neue Kirche wurde schließlich im 15. Jahrhundert errichtet, sagte der Grabungsleiter. Bei den Ausgrabungen sei man auch auf den Grund- bzw. Weihestein des jüngsten Kirchenbaus gestoßen. In ihn ist ein Kreuz eingeritzt.
Außergewöhnlich sei auch die Vielzahl der freigelegten Gräber – insgesamt waren es ca. 150, die zur Mehrzahl aus der Gründungszeit des jüngsten Kirchenbaus stammten. Die gefundenen Skelette haben wir geborgen und verwahrt, so Sokalla.
Jürgen Grönke kündigte an, dass sie auf einem der Nordhäuser Friedhöfe würdevoll bestattet werden sollen. Wir gehen davon aus, dass es sich bei den menschlichen Überresten um jene von höhergestellten Nordhäuser Persönlichkeiten handelt, da sie dicht bei der Kirche – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Begrenzungsmauer – beigesetzt wurden und in der Umgebung der Kirche gewohnt haben, so Grönke. Neben Gräbern, die zum Teil Kopfnischen gehabt hätten, habe man auch Grüfte gefunden, die allerdings leer gewesen seien. Ebenfalls gefunden habe man zwei Epitaph-Fragmente.
Den Gräbern wurden teilweise Münzen aus dem Mittelalter und bis ins 18 Jahrhundert beigegeben. Wir sind auch auf Totenwaschschüsseln gestoßen, und drei Gräber hatten relativ wertvolle Beigaben. In einem Grab allein sind wir auf drei Goldringe gestoßen. Ein Ring trägt eine Gravur mit der Jahreszahl 1616 bzw. 1663. In einem anderen Grab fand sich eine Bernsteinkette, sagte der Grabungsleiter. Interessant gewesen seien auch einige anatomische Befunde an den Skeletten: Wir hatten diverse verheilte Knochenbrüche. In einem Fall war der Schädelknochen zusammengewachsen nach einem Schwerthieb.
Bei den Ausgrabungen habe man auch die Südseite der früheren Krämerstraße freigelegt, die aus Richtung der heutigen Rautenstraße in Richtung Bäckerstraße verlaufen sei. Dabei haben wir zahlreiche Brunnen gefunden und die Grundrisse früherer Keller. In den Brunnen fanden sich Gefäße und Münzen, die aus dem 13. bis 17. Jahrhundert stammen.
Sämtliche Funde sowie die Gebäudegrundrisse habe man dokumentiert bzw. gesichert sowie digital eingemessen. Im Landesamt für Denkmalpflege würden die Fundstücke restauriert. Nach der Rückkehr nach Nordhausen werden sie dann ausgestellt. Dazu bietet sich die restaurierte Flohburg an, die künftig die Heimat unserer stadtgeschichtlichen Sammlung sein wird, so Frau Rinke.
Autor: nnzGrabungsleiter Peter Sokalla, Oberbürgermeisterin Barbara Rinke und Stadtarchivs-Leiter Jürgen Grönke (v.l.n.r.) auf dem Grabungsfeld hinter dem Rathaus. In den Händen halten sie die Goldringe, die die Grabungsmitarbeiter in einem der Gräber gefunden hatten.
Die archäologischen Grabungen hinter dem Nordhäuser Rathaus gehen jetzt nach 9 Monaten zu Ende. Sie waren notwendig, weil auf dem Grabungsgelände im kommenden Jahr mit dem Bau einem neuen Ratssitzungssaal, einer Stadtbibliothek samt Mehrzweckgebäude und Tiefgarage begonnen werden soll. Insbesondere zur Geschichte der St.-Nikolai-Kirche brachten die Grabungen neue Erkenntnisse. Der Bau stand an dieser Stelle bis zur Zerstörung im April 1945.
Nordhausens Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD), die sich von Ausgrabungsleiter Peter Sokalla und seinen fünf Kollegen sowie von Stadtarchiv-Leiter Jürgen Grönke die Ergebnisse der Grabungen erläutern ließ, kündigte an, dass Teile der freigelegten Kirchenreste in den Neubau integriert werden sollen. Wie dies genau geschieht, werden wir mit den Architekten in den kommenden Monaten besprechen.
Die 1945 zerstörte Kirche hat nach Sokalla mindestens zwei Vorgängerbauten gehabt. Dies habe man aus Fundamentresten geschlossen. Der älteste stammt aus der Zeit vor 1220. Dass es später einen Erweiterungsbau zu einer dreischiffigen Hallenkirche gab, war bisher unbekannt. Erst durch die Grabungen sind wir zu dieser Erkenntnis gekommen. Die neue Kirche wurde schließlich im 15. Jahrhundert errichtet, sagte der Grabungsleiter. Bei den Ausgrabungen sei man auch auf den Grund- bzw. Weihestein des jüngsten Kirchenbaus gestoßen. In ihn ist ein Kreuz eingeritzt.
Außergewöhnlich sei auch die Vielzahl der freigelegten Gräber – insgesamt waren es ca. 150, die zur Mehrzahl aus der Gründungszeit des jüngsten Kirchenbaus stammten. Die gefundenen Skelette haben wir geborgen und verwahrt, so Sokalla.
Jürgen Grönke kündigte an, dass sie auf einem der Nordhäuser Friedhöfe würdevoll bestattet werden sollen. Wir gehen davon aus, dass es sich bei den menschlichen Überresten um jene von höhergestellten Nordhäuser Persönlichkeiten handelt, da sie dicht bei der Kirche – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Begrenzungsmauer – beigesetzt wurden und in der Umgebung der Kirche gewohnt haben, so Grönke. Neben Gräbern, die zum Teil Kopfnischen gehabt hätten, habe man auch Grüfte gefunden, die allerdings leer gewesen seien. Ebenfalls gefunden habe man zwei Epitaph-Fragmente.
Den Gräbern wurden teilweise Münzen aus dem Mittelalter und bis ins 18 Jahrhundert beigegeben. Wir sind auch auf Totenwaschschüsseln gestoßen, und drei Gräber hatten relativ wertvolle Beigaben. In einem Grab allein sind wir auf drei Goldringe gestoßen. Ein Ring trägt eine Gravur mit der Jahreszahl 1616 bzw. 1663. In einem anderen Grab fand sich eine Bernsteinkette, sagte der Grabungsleiter. Interessant gewesen seien auch einige anatomische Befunde an den Skeletten: Wir hatten diverse verheilte Knochenbrüche. In einem Fall war der Schädelknochen zusammengewachsen nach einem Schwerthieb.
Bei den Ausgrabungen habe man auch die Südseite der früheren Krämerstraße freigelegt, die aus Richtung der heutigen Rautenstraße in Richtung Bäckerstraße verlaufen sei. Dabei haben wir zahlreiche Brunnen gefunden und die Grundrisse früherer Keller. In den Brunnen fanden sich Gefäße und Münzen, die aus dem 13. bis 17. Jahrhundert stammen.
Sämtliche Funde sowie die Gebäudegrundrisse habe man dokumentiert bzw. gesichert sowie digital eingemessen. Im Landesamt für Denkmalpflege würden die Fundstücke restauriert. Nach der Rückkehr nach Nordhausen werden sie dann ausgestellt. Dazu bietet sich die restaurierte Flohburg an, die künftig die Heimat unserer stadtgeschichtlichen Sammlung sein wird, so Frau Rinke.


