Mi, 11:11 Uhr
03.06.2009
nnz-Wetterrückblick: Ein fast normaler Mai
nnz-Wetterexpertin (Foto: Autorin)
Ein Monat ohne besondere Vorkommnisse. Ein ganz normaler Mai. Keine neuen Extremwerte. Auch mal ganz angenehm, oder? Wenn da nicht der meteorologische Frühling wäre – und der lässt unser Sammlerherz für Rekorde doch wieder höher schlagen! Der Wetterrückblick in der nnz von Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp.Es war warm, im Mittel 15,8 °C – natürlich zu warm, wenn wir die letzten Jahrzehnte betrachten. Aber das kennen wir ja schon. 12,7 °C beträgt der langjährige Vergleichswert (1961 – 1990). Schauen wir zwei Dekaden weiter und berechnen den "neuen" Mittelwert für die Jahre 1981 bis 2009, so liegt das Dekadenmittel im Mai bereits bei 13,7°C. Damit ist die Temperatur im Mai durchschnittlich um 1°C gestiegen. Ein Trend, der sich nach Berechnungen der Klimaexperten fortsetzen wird. Die Temperatur kletterte an 26 Tagen über die 20°C-Grad-Marke und an 11 Tagen hatten wir auf dem Campus Sommer mit über 25°C. Einen heißen Tag gab es noch nicht. 29,6°C am 26. Mai war die maximale Temperatur.
Wenn man sich im Mai über die Lufttemperatur unterhält, dann kommen auch die von Hobbygärtnern gefürchteten Eisheiligen ins Spiel. In diesem Jahr fielen sie zumindest in Nordhausen aus. 4,1°C war die minimale Temperatur auf dem Campus, diese wurde am 09. Mai in den frühen Morgenstunden registriert. Bodenfrost gab es im Mai nicht.
Nachdem im vergangenen Jahr im Monat Mai der Ostwind dominierte und sehr trockene Luft und wenig Niederschlag brachte, wehte der Wind in diesem Jahr wieder vornehmlich aus Westen, mit Ausnahme der Tage zwischen dem 12. und 16. Mai. Hier hatten wir wieder beständigen Ostwind, der aus einem über Skandinavien liegenden Hoch ausströmte und uns trockene und etwas kühlere Luftmassen bescherte. So wurde die 20-Grad-Marke zwar einmal überschritten, aber geregnet hat es in diesen Tagen nicht sehr viel.
Ansonsten brachte der Westwind im Mai ganz ordentlich Niederschlag, was den Hobbygärtner und die Landwirte ausnahmslos freute. 50,5 mm Niederschlag auf 20 Tage verteilt ist, wie gesagt, normal. Zum Vergleich: Laut 30-jährigen Mittel (1961 – 1990) sind es 56 mm, wobei die Niederschläge in den letzten Dekaden im Mai leicht abzunehmen scheinen. Vor zwei Jahren wurde für Nordhausen übrigens der neue 50-jährige Niederschlagsrekord aufgestellt (112 mm), im vergangenen Mai dann die kleinste bisher registrierte Niederschlagssumme aufgezeichnet (12,1 mm). Am 20. Mai fielen in den Abendstunden in einer Stunde 5,6 Liter pro m² Niederschlag. Eine solche stündliche Niederschlagsmenge wurde im Jahr 2009 bisher noch nicht registriert. Sie ist allerdings nichts im Vergleich zum 10. August 2006, als in nur einer Stunde 24,9 Liter pro m² über Nordhausen vom Himmel fielen. Bisher "fehlen" in der Jahresniederschlagsbilanz allerdings noch ein paar Liter: Ende Mai haben wir ein Niederschlagsdefizit von ca. 50 mm.
Mit dem Mai verabschiedet sich auch der Frühling aus Nordhausen. Am 1. Juni beginnt der meteorologische Sommer. Insgesamt zeigt sich, dank des Rekord-Monats April, ein sehr warmer Frühling. Die Frühlingstemperaturen der drei Monate März, April und Mai lagen auf dem Campus der Fachhochschule bei 11,8°C (1961-1999: 8°C, 1981-2009: 9,1°C), also ein sattes Plus von 2,6 °C. In den letzten 50 Jahren schwankten die Temperaturen im Frühling zwischen 6,1°C (1970) und nun eben 11,8°C in 2009. Damit ist der Frühling in Nordhausen der wärmste seit 1956! Übrigens steigen erst seit 1998 überhaupt die Temperaturmittelwerte im Frühjahr in Nordhausen über 10 °C.
Nun fehlt noch die Sonne. Sie hat uns im Mai nicht so verwöhnt, wie man es sich vielleicht gewünscht hätte. Wir hatten schon deutlich mehr Sonnenschein im Wonnemonat. 238 Stunden in 2007, 258 Stunden in 2008 und nun nur knapp 191 Stunden. Astronomisch möglich wären immerhin schon 480 Stunden, wir nähern uns ja auch langsam dem Sonnenhöchststand im Juni. Dafür schien eben im April 2009 die Sonne mit 215 Stunden ein wenig länger.
Zum Abschluss ein kleiner Ausblick in den Sommer. Rund zwei Drittel aller Modellrechnungen zeigen, dass der Sommer 2009 im Vergleich zu der Referenzperiode 1961 – 1990 zu warm wird und die deutschlandweite Mitteltemperatur über 17°C liegen wird. Ob er allerdings trocken oder eher feucht werden wird – darüber reden wir am besten Anfang September.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp

