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Di, 12:50 Uhr
02.06.2009

nnz-Forum: Retter überall dringend gesucht

Retter sind momentan angesagt. Nie war die Zeit vermutlich günstiger als jetzt. Darüber hat sich ein Leser der nnz so seine Gedanken gemacht...

Jörg Berger konnte Bielefeld nicht vor dem Abstieg in die 2. Bundesliga retten. Opel ist gerettet, sagen die Optimisten. Vorerst, sagen die Pessimisten. Oder sind es doch nur die Realisten? Das Nordhäuser Theater muss gerettet werden.

Die Milchbauern ließen uns, auch über Kommunalpolitiker, schon wissen, dass wir – die Konsumenten – sie retten müssen, indem wir ihre teure Milch kaufen, weil wir diese Milch bester Qualität sonst bald nicht mehr bekommen. Karstadt und über tausend andere Firmen (sagte das ZDF-Morgenmagazin) stehen in der Warteschlange. Rette sich, wer kann – der Spruch scheint keine Bedeutung mehr zu haben. In diesem Jahr heißt es: Rette mich, oder ich mobilisiere die Wähler!

Dabei steht doch für die oben beschriebenen Fälle fest:
  • Es gibt zu viel Fußball für zu wenig zahlungswillige Zuschauer, also arena- bzw. ab August wieder Premiere-Abonnenten.
  • Es gibt zu viel Autos für zu wenig zahlungsfähige Kunden.
  • Es gibt zu viel Theater für zu wenig Besucher.
  • Es gibt zu viel Milch für viel zu wenig Kunden.
  • Zu viel Warenhäuser gibt es sowieso.
  • Es gibt von vielem viel zu viel.
Ist an all dem die Politik schuld? Hat die staatliche Plankommission mal wieder versagt? Richtig, die gibt es ja seit fast 20 Jahren nicht mehr. Den Politikern die Schuld für das Versagen von Firmenchefs, Managern, verantwortlichen Bankern usw. in die Schuhe schieben zu wollen, ist unfair. Die übergroße Mehrheit, auch der Bürger des Landkreises Nordhausen, hat sich 1990 für die Marktwirtschaft und gegen die Planwirtschaft entschieden. Schließlich hatte die Planwirtschaft der vorausgegangenen 40 Jahre diese Entscheidung mit heraufbeschworen.

Proteste der Arbeitnehmer sind absolut legitim. Sie müssen sich nur an die richtige Adresse richten. Das sind ihre Chefs. Wer von irgend etwas zu viel produziert und dann die Absatzkrise beklagt, offenbart damit nur, dass er nicht gewillt oder geeignet dafür ist, über das Heute hinaus zu denken.

Klar kann man um Hilfe rufen, wenn man in Not ist. Steht dem potenziellen Retter aber auch das Wasser bis zum Hals, braucht man sich nicht zu wundern, wenn er nicht hilft. Es dann mal schnell mit Erpressung zu versuchen („Rette mich oder ich wähle Deinen politischen Gegner!“), ist eigentlich ein Fall für den Staatsanwalt, im Falle des Ertrinkens aber auch eine Lachnummer. Das sollten die Wähler dieses Jahres bedenken.
Jürgen Wiethoff, Nordhausen
Autor: nnz

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Kommentare
Wolfgang Reinhardt
02.06.2009, 15:51 Uhr
Marktwirtschaft versus Planwirtschaft?
Herr Wiethoff hat z.T. Recht, es werden Waren im Überfluss, also am Bedarf vorbei produziert. Die Einordnung „Es gibt zu viele Theater für zu wenige Besucher“ ist allerdings nicht zutreffend, denn nicht alles „muss sich rechnen“. Theater, Krankenhäuser, ÖPNV und manches Andere muss sich nicht rechnen, diese Dienstleistungen müssen für jedermann erschwinglich sein.

Die Überproduktion allerdings ist wohl dem Kapitalismus, der jetzt Marktwirtschaft heißt, wesenseigen. Ich will der verfehlten Planwirtschaft, die vor 1990 praktiziert wurde nicht das Wort reden, aber so, wie zumindest in Europa und den USA die Wirtschaft „gelenkt“ wird ist es ja auch nicht in Ordnung. Zu Recht kritisiert Herr Wiethoff den Einsatz von Steuergeldern, speziell im Superwahljahr, zur (vorübergehenden) Rettung maroder Firmen, egal ob Opel, die Commerzbank oder wie sie alle heißen.

Aber was ist mit den Subventionen für Agrarexporte, mit von der Steuer absetzbaren Firmenwagen, Spesen usw.? Auch darüber sollte man einmal nachdenken. So toll ist dieses Wirtschaftssystem in der das Primat der Politik aufgehoben ist ja nun auch nicht.
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