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Mo, 07:59 Uhr
25.05.2009

Beruf(ungen)

In zwei Wochen sind die ersten Wahlen in diesem Jahr hoffentlich schon Geschichte. Die Europawahl und die Kommunalwahl. Neben dem offenen Wahlkampf gibt es jedoch auch den der versteckten Art. Und da spielen nicht nur Namen, sondern auch Berufe eine Rolle.


In den vergangenen Tagen landeten im virtuellen wie im realen Briefkasten der nnz einige Schreiben, die da bereits im Vorfeld der Wahlen einen klitzekleinen Betrug am Wähler vermuten lassen sollen. So erhielt die nnz die Kopie des Schreibens eines „Bürgers aus Nordhausen“, der sich über Berufsbezeichnungen so seine Gedanken macht. Anhand des außergewöhnlichen Briefpapiers könnte die Redaktion ihrerseits Vermutungen anstellen, welcher Partei der „Bürger aus Nordhausen“ angehört, denn just diese Partei verschickte in den vergangenen Tagen eben auf diesem Papier eine Einladung.

Doch das nur nebenbei. Das Schreiben ist an Jutta Krauth, die Wahlleiterin im Landratsamt, gerichtet. “Nun sind einigen Bürgern und auch mir aufgefallen, dass bei Frau Angela Hummitzsch (Linkspartei) der Beruf ‚Fundraiserin’ steht. Dieses ist keine Berufsbezeichnung, lediglich eine Tätigkeit. Fundraiser = Mittelbeschaffer und diesen Beruf gibt es nicht“, soweit der anonyme Bürger aus Nordhausen.

Die nnz fragte im Wahlbüro der Stadt Nordhausen nach. Dort erklärte man, dass die Bezeichnung, die in der Spalte „Beruf“ einzutragen ist, lediglich als Orientierung für den Wähler dienen solle. Und das müsse nicht unbedingt ein herkömmlicher Beruf sein. Rentner könne auch eingetragen werden. Und wer bei Wikipedia nachschaut, der erfährt, dass „unter dem Beruf diejenige institutionalisierte Tätigkeit zu verstehen ist, die ein Mensch für finanzielle oder herkömmliche Gegenleistungen oder im Dienste Dritter regelmäßig erbringt, bzw. für die er ausgebildet, erzogen oder berufen ist.“ Auch im Thüringer Kommunalwahlgesetz ist nichts erläutert.

Und so treibt diese Lockerheit weitere Blüten in den Kandidatenlisten. Hier eine nicht vollständige Auswahl. So haben zum Beispiel Dr. Klaus Zeh und Jürgen Reinholz „Minister" bzw. "Wirtschaftsminister“ eingetragen, Barbara Rinke ist von Beruf Oberbürgermeisterin und Matthais Jendricke „Bürgermeister“. Letzterer ist auf der Stadtratsliste aber auch noch „Diplomkaufmann“. Egon Primas und Dagmar Becker üben den Beruf eines „Landtagsabgeordneten“ aus und Heike Winkler zum Beispiel ist „Geschäftsführerin der Sollstedter Wohnungsbaugesellschaft“. Fast ebenso exotisch wie Fundraiserin ist der des „Regionalreferent Afrika“, den Marcel Hardrath eingetragen hat.

Am besten jedoch, Sie befragen den oder die Kandidaten, was sie wirklich zu leisten im Stande sind. Vielleicht treffen Sie den einen oder anderen ja auf der Straße, beim Wahlkampf.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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Kommentare
M_Hardrath
25.05.2009, 09:36 Uhr
Nicht exotisch
Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, welche Berufsbezeichnung ich denn benutzen soll.

Ich bin davon überzeugt, dass „Bachelor of Arts“, „Public Manager“ oder „Regional Project Officer“ für viele Nordhäuser schwer zu verstehende Bezeichnungen sind und nicht wirklich Aufschluss darüber geben welchen Beruf ich ausübe bzw. welcher Tätigkeit ich nachgehe.

Regionalreferent Afrika ist dagegen sehr viel klarer, wenn auch nicht komplett richtig. Ich analysiere nur die Entwicklung der Staaten in Subsahara-Afrika (momentan 42 Länder), aber wer kennt schon die Definition dafür und wer will Sachen unnötig komplizieren.

Im Gegensatz zum „Public Manager“ ist die Bezeichnung Regionalreferent oder Referent übrigens eine sehr alte Bezeichnung, ich denke die katholische Kirche benutzt diese Bezeichnung schon seit mindestens einem Jahrhundert in Deutschland.

Exotisch ist sie daher wohl kaum.
Burning_Moped
25.05.2009, 11:46 Uhr
Regionalreferent Afrika-NPD Nordhausen
Hallo ihr lieben,

also mal ehrlich, wenn man es nicht aus der Presse wüsste das Herr Hardrath von der FDP ist, dann könnte man auch vermuten, die NPD Nordhausen hat eine Aussenstelle in Afrika und der der dort sitzt nennt sich Regionalreferent Afrika, doch gar nicht so abwägig?

Nun, eine verständlichere Berufsbezeichnung, wie Maurer :-), Fleischer, Schornsteinfeger, Elektriker oder Fachkraft im Einzelhandel werden wir bei unseren Politikern wohl nie mehr sehen.

Oder kennt ihr einen erfolgreichen Politiker in der heutigen Zeit, der nicht studiert hat?

Schade schade schade, ich nicht.
R. Adam
25.05.2009, 14:47 Uhr
einfache Berufsbezeichnungen
@Burning_Moped: Zum Thema verständlichere Berufsbezeichungen: So sind auch Brennmeister, Kfz-Schlosser und nicht zuletzt ich als Kaufmann im Einzelhandel auch auf der Stadtratsliste zu finden. Diese Bezeichnungen (finde ich) sind doch wohl verständlich, oder?
denk-mal
25.05.2009, 16:44 Uhr
korrektur
nur ganz kurz, herr "burning moped" diese berufsbezeichnung mit der npd in verindung zu bringen ist einfach dumm.

schade, denn mit afrika hatten wir nur zu kaiser wilhelmszeiten zu tun einen solchen vergleich wäre nicht ganz so dusselig gewesen.

so das war es auch schon und hat nicht einmal weh getan
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