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Fr, 16:08 Uhr
22.05.2009

Urkunde, Ausweis und Nadel

Immer wieder sollte man lernen. Das gilt nicht zuletzt auch für Wanderführer. Und so veranstaltete der Harzklub einen vierteiligen Wanderführer-Lehrgang. Dirk Lübker hat einen Rückblick der besonderen Art geschrieben...

Wanderführer-Lehrgang (Foto: Autor)
„Gleich da vorne links ist die Große und ein Stück weiter rechts die Kleine“, war die Auskunft eines Passanten. Gemeint waren die beiden dicht beieinander liegenden Jugendherbergen in Wernigerode. Ich entschied mich für die „vorne links“ und lag damit anscheinend richtig. Auf dem Parkplatz strömte etwa ein Dutzend nicht mehr ganz junge Erwachsene mit Wanderstiefeln, teils in der Hand schwenkend, teils fest am Fuß verankert, zum Eingang. Dort begrüßte ein drahtiger, dynamisch wirkender Herr jeden Einzelnen und wies ihn professionell ein: diejenigen, die übernachten wollten rechts zur Rezeption, die anderen zum Tagungsraum vorne links.

Der Raum füllte sich schnell auf gut 30 Personen, der Herr vom Eingang stellte sich uns als Lehrgangsleiter Dieter oder Herr Runge vor, wir uns ebenfalls und schon begann der Unterricht.
Kaum hatte er begonnen, war er auch schon wieder beendet. Die vier Stunden dazwischen hatte man gar nicht wahrgenommen. Diese motivierende Unterrichtsgestaltung hielt über alle vier Wochenenden unvermindert an.

Um das Erlernte anhand einer Exkursion in der Praxis zu testen, wurde ich zur Leitung des ersten Wegabschnitts auserkoren. Ich zählte also die Teilnehmer durch, betrachtete deren Schuhwerk und stutzte, als ich ein Paar Puschen entdeckte. Ich blickte langsam auf, erst über einen wohlgenährten Bauch und dann in das freundliche Gesicht von Waldemar, Dieters linke Hand. Er müsse noch organisieren und käme nicht mit. Dieters rechte Hand war Bärbel. Ihrem Lächeln konnte man nicht einmal die eingeforderten Lehrgangsgebühren ausschlagen.

Ich bat also um Ruhe, stellte mich offiziell als Reiseleiter großes Gelächter für die erste Teilstrecke vor, sagte ein paar Worte zum Weg und bestimmte den letzten Mann. Die Exkursion führte, wie auch die meisten übrigen, in die fußläufige Umgebung der Jugendherberge. Obwohl Kultur noch nicht Themenschwerpunkt war, erreichten wir historischen Grund. Abgesehen von den real existierenden Fischteichen, war „da vorne links“ nichts mehr vom Kloster Himmelpforten übrig geblieben. Seine Existenz war wesentlich für Luthers Reformation.

Im offiziellen Kursteil „Kultur“, der erst am letzten Wochenende stattfand, wurden viele von uns mit der Aussage überrascht, dass Musik, Gesang und Tanz nichts mit Kultur zu tun haben; jedenfalls nicht in der Organisation des Harzklubs. Zugegebenermaßen wäre das Tanzen schlecht mit dem Wandern vereinbar. Aber singen hätte man schon können. Musik und Gesang vertagten wir daher regelmäßig auf die Freizeit am Abend.

Jede Wanderung wurde natürlich zuvor von uns geplant. Genauer gesagt, waren sie von Dieter vorbereitet, und wir durften auf der Karte den Weg verfolgen und analysieren. Wenn man erst einmal die riesige „offizielle Harzklubkarte“ im Stehen entfaltet, umgedreht und wieder auf zwei Faltsegmente verkleinert hatte, fand sie genügend Platz auf dem Tisch und man benötigte nur noch Lupe - “Wir sind alle über 50“ -. Die im Raum stehende Frage, wer von den Teilnehmern denn überhaupt diese Karte zum Wandern nutzt, beantwortete keiner mit „ja“. Der Maßstab sei zu groß, ebenso die Karte und wanderfest sei sie auch nicht. Das hat offensichtlich auch der Nationalpark erkannt. Er nutzt die Karte vom XY-Verlag und empfiehlt sie nebenbei. Unsere Karte aber braucht man selbst bei einer 30 km langen Wanderung nicht neu zu falten!

Zu jedem Schwerpunkt hatte das Team qualifizierte Gastredner gewinnen können, die meist sehr anschaulich den Sachverhalt ihres Themas präsentierten. Einer konnte sogar zeitgleich zum Thema und von sich selbst berichten. Beeindruckendes zeigte ein anderer. Mit bloßen Händen setzte er für uns die Erdkruste in Bewegung um den Harz zu formen.

Mit mir hatten ¾ der Teilnehmer im Herbst 2008 begonnen, um im Frühjahr 2009 den Kurs abzuschließen. Da es auch „Quereinsteiger“ gab, wurden an fast jedem Kurssonntag ein paar Kollegen mit Würde verabschiedet. Eine Kollegin hatte sogar das Glück, mit genau dem einen mittleren Teilkurs, an dem sie mit uns teilnahm, den 4000ten Wanderführerausweis aus der Hand eines Vorstandsmitgliedes mit viel Lob und Ehre zu erhalten.

Wir, die über 4000er, erhielten unsere drei Insignien - Urkunde, Ausweis und Nadel - mit einem ehrlichen Händedruck und für jeden einige persönliche Worte von Dieter.
... Applaus, Applaus, Applaus ... für Dieter und seine „Hände“
Dirk Lübker
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