eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
Fr, 11:06 Uhr
06.09.2002

Briefe aus Bad Füssing (7)

Bad Füssing/Nordhausen (nnz). Die Arbeitsmarktdaten für den Monat August sind gestern veröffentlicht worden. Die Quote ist im Landkreis Nordhausen zurückgegangen. In Bad Füssing sieht das anders aus...


In der regionalen Presse wird von einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit geschrieben. Zu denn Fakten: Im Bereich der Dienststelle Pocking des Passauer Arbeitsamtes stieg die Arbeitslosenquote um 0,5 Prozentpunkte auf jetzt 6,8 Prozent an. Das ist allerdings immer noch ein Drittel der Nordhäuser Quote (siehe nnz von gestern).

Neben dem Tourismus konnte die Industrie im Raum Passau allerdings ihre Position festigen. Die meisten Entlassung gab es im August im Bereich des Dienstleistungssektors. Die Ursachen seien vor allem in den Folgen des Hochwassers zu suchen, begründet das Arbeitsamt den Anstieg der Quote. Da frage ich mich als Gast, warum dann von einer Dramatik am Arbeitsmarkt gesprochen wird?

Doch zurück nach Nordhausen: Ein Hauch von einem Rückgang der Quote, kein Hoffnungsschimmer. Woher auch soll der kommen? Der Arbeitsmarkt in Nordthüringen wird immer dem großen Trend in diesem Lande folgen. Eine Eigendynamik wird es kaum geben, höchstens nach unten. Fakt ist, dass es schwache Regionen schlimmer erwischt als starke. Woher sollen also Arbeitsplätze kommen?

Wird es die „Ich AG“ richten, wie sie Peter Hartz aus seiner Wundertüte gezogen hat? Werden es die vielen neuen selbstständigen Existenzen sein, die Lothar Späth sich gründen sieht? Woher sollen die „Ich AG`s“ oder die Existenzgründer ihre Aufträge herholen? Wer werden ihre Partner sein? Fest steht, dass kleine und mittlere Unternehmen nur von den „Großen“ profitieren werden, sie müssen von deren Entwicklung partizipieren. Die Großen müssen also her. Ihnen Flächen anzubieten ist richtig. Wenn es 100 Hektar in der Goldenen Aue sein müssen, dann bitteschön.

Welchen Aufschwung die Region um Kölleda in den kommenden Jahren durch die Ansiedlung eines Motorenbauers erleben wird, das können wir Nordthüringer vielleicht miterleben, aber nur am Rande. Vielleicht wird ein klitzekleines Stückchen des Auftragskuchens, den der Große vergeben wird, für Nordhausen oder das Eichsfeld übrig bleiben, vielleicht auch nicht. Nur um einen halbwegs vernünftigen Satz bei Senkung der Arbeitslosenquote zu machen, muß die Goldene Aue industrialisiert werden. Niemand der Befürworter des Industriegebietes (auch ich nicht) wollen diese 100 Hektar „einfach so“ hergeben. Die Hergabe muß sich auszahlen. Sie muß mit Arbeitsplätzen bezahlt werden, nur das zählt. Ein mit modernen Lampen beleuchtetes Industriegebiet nützt nichts. Es gibt im Landkreis Nordhausen schon zu viele erschlossene Brachen.

Man kann doch schießlich den Bürgermeistern der Kommunen doch zugestehen, dass sie mit der Erschließung dieser Gebiete nur das Beste für ihren Ort wollten: Arbeit. Dieses Zugeständnis sollte man auch dem Planungsverband entgegen bringen. Ziel der Planung des künftigen Industriegebietes muß „mehr Arbeit“ sein in dieser Region. Wenn in Thüringen nur noch drei Standorte in dieser Größe ausgewiesen wurden und einer bereits vergeben ist, dann sollte doch auch der Nordthüringer Raum davon profitieren. Im Landkreis Nordhausen wird man die Planung vorantreiben, das sind die lokalen Hausaufgaben. Für die überregionalen Hausaufgaben wird das Land zuständig sein. Die LEG und das Wirtschaftsministerium müssen zeigen, dass sie für den Norden Thüringens mehr übrig haben, als politische Versprechen.

Das ewige Verweisen auf die Autobahn A 38 zieht nicht mehr. Die Trasse verbindet ab dem Jahr 2005 zwei große industrielle Ballungsräume in West und Ost. Daß sie dabei durch den Norden Thüringens führt, ist vielleicht nur der Tatsache der kürzesten und effektivsten Trasse geschuldet. Hoffen auf Investoren müssen die politisch Verantwortlichen jetzt. Vielleicht könnte ihnen ein Umstand zugute kommen: In zwei Jahren wird in Thüringen wieder gewählt. Und ein investives Wahlgeschenk für den Landkreis Nordhausen wäre doch genau das Richtige, was die Riege um Wirtschaftsminister Schuster aus dem Ärmel zaubern könnte.
Viele Grüße, Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)