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Do, 08:07 Uhr
05.09.2002

Briefe aus Bad Füssing (6)

Bad Füssing/Nordhausen (nnz). In fünf Briefen wurde bislang ab und zu auf Unterschiede zwischen dem bayrischen Kurort und der Rolandstadt eingegangen. Die Vorteile lagen zum größten Teil bei Bad Füssing. Heute jedoch soll ein Nordhäuser Vorteil betrachtet werden.


In Bad Füssing gibt es nicht nur Kur- und Feriengäste, es gibt auch „Einheimische“. Die wohnen zwar nicht unmittelbar in der Kurzone, eher am Rande des Ortes. Wenn den Füssingern mal nach Theater zumute ist, dann müssen sie - wie ihre Gäste - mehr als 30 Kilometer fahren. Nach Passau in das dortige Stadttheater. Der Vergleich zwischen beiden Häusern soll nicht Gegenstand dieses Briefes sein. Vielmehr soll der Umstand gewürdigt werden, das ein infrastrukturell schwaches Nordhausen ein Kleinod besitzt, von dem Bad Füssing, Pocking oder all die anderen Ortes in dieser Region nur träumen können.

Doch der Nordhäuser Musentempel ist in die Diskussion gekommen. Nicht etwa der künstlerischen Anspruch von Aufführungen ist es, der polarisiert. Nein, es ist das Dilemma „Geld“. Immer dann, wenn etwa Gesellschafter oder das Land Thüringen ihre Zuschüsse auf den Prüfstand stellen, immer dann werden Antennen ausgefahren. Jeder kleine Piep wird registriert, jedes Wort in die Waagschale geworfen. Besser also, es wird nichts gesagt.

Es wird aber auch nichts entschieden. Weder in Erfurt, noch in Nordhausen oder Sondershausen. Die GmbH, einst Vorzeigeinstitution in der Thüringer Theaterlandschaft, hat sich mit Kräften einer Zerreißprobe unterzogen, die selbst in Erfurt vor Wochen Kopfschütteln auslöste. Zwei Varianten wurden zu Begutachtung, zur Moderation ins Schipanski-Ministerium geschickt. Die eine entspringt den Überlegungen des Aufsichtsrates, die zweite einem Beschluß des Nordhäuser Stadtrates.

Letzterer passt nun aber den Theatermachern in und um Nordhausen überhaupt nicht in den Kram. Deren Unmut kam schon - teilweise unqualifiziert - während der Stadtratsitzung zum Ausdruck. Schlimmer wurde es in diversen Leserbriefen. Die Emotionen sind jetzt aber erst mal raus - oberflächlich betrachtet. Denn eine Kooperation scheint sich anzubahnen, bei der das Schauspiel nicht mehr in seiner jetzigen Form benötigt wird. Ein Plan mit neun Punkten wurde jetzt vorgestellt, der aber ist ein Entwurf, mut beraten und beschlossen werden.

Ist damit das Theater an sich aber gerettet? Wie geht es in zwei oder drei Jahren weiter, wenn die Tarife steigen, die Zuschüsse aber nicht. Wann spätestens wird wieder ein GAU sich ankündigen? Wann wieder werden die verantwortlichen Gremien erkennen, dass neue Strukturen notwendig sind? Hoffentlich nicht, wenn es zu spät sein wird. Zukunftsfähige, nicht auf eine Spielzeit ausgerichtete Konzepte sind gefragt. Vielleicht auch Visionen, aus denen nach einem Diskussionsprozeß Realität werden könnte. Vielleicht muß da auch Opferbereitschaft gefragt sein.

Opfer, das klingt immer schön. Theater kostet Geld, jeder versteht, jeder akzeptiert das. Kultur als Subventionsobjekt, das ist heute und morgen gut so. Doch sprechen wir über Opfer: Wenn der Nordhäuser Stadtrat auch in den kommenden drei, vier oder fünf Jahren über zwei Millionen Euro zur Verfügung stellen wird, dann muß dieses Geld woanders weggenommen werden. Von den freiwilligen Aufgaben, derer es viele gibt: Unterstützung für Jugendprojekte, Bibliothek, Museen, Galerien, Kinderbetreuung - all das wären Positionen zum Streichen. Oder etwa die Straßenbahn?

Opfer sind auch im Theater nötig, wie auch immer die GmbH in drei oder vier Jahren aussehen wird. Da wird an Tarifen geknabbert werden müssen, da werden Stellen nicht wieder besetzt, da wird an Produktionskosten gespart. Gespart werden müssen. Wenn uns in Nordhausen in den kommenden Jahren kein Kunst-Mäzen beglückt, dann sollten jetzt schon Visionen aufgemacht werden, wie Kunst und Kultur im Nordhäuser Theater finanzierbar sein wird, ohne für die Premierenkarte 100 Euro hinblättern zu müssen.

Das Nachdenken über das Theater der Zukunft muß in der Gegenwart beginnen, Fehler und Erfolge der Vergangenheit sollen einfließen. Gefragt vor allem aber sind Ideen, sind Kreativität, vielleicht auch jetzt noch als utopisch verworfene Konzepte, die es ja schon geben soll. Hauptsache die Verantwortlichen haben sich die Schubladennummer gemerkt, in den denen sie jetzt schon schlummern.
Viele Grüße ­ Ihr Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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