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Sa, 07:50 Uhr
31.08.2002

nnz-Rückspiegel: 31. August 2001

Nordhausen (nnz). Können Sie sich noch erinnern, was vor einem Jahr im Landkreis Nordhausen los war? Die nnz hat im Archiv gesucht und folgende Meldungen gefunden. Heute:
BI gegen LGS, Petersberg behindertengerecht, Förderverein gegründet, Talsperrenöffnung


Pro Nordhausen - contra LGS?
Am gestrigen Abend ist in Nordhausen eine neue Bürgerinitiative ins Leben gerufen worden. Sie nennt sich „Pro Nordhausen“ und will sich - wie viele andere BI - einmischen. Es war ein fast historischer Moment für die Rolandstadt. Nach einer Fraktion „Für Nordhausen“ gibt es nun eine Bürgerinitiative (BI) „Pro Nordhausen“. Geistige Vordenker sind mit Steffen Brüning und Markus Veit zwei Nordhäuser. Sie machten in diversen Publikationen über die Hüterstraße in der nnz auf sich aufmerksam. Aufmerksame Leser konnten sofort Sachkenntnis feststellen. Steffen Brüning machte denn auch sofort klar, worum es in der neuen Bürgerinitiative gehen soll. Für eine Landesgartenschau, gegen die Planungen und ihre Umsetzung. Diese seien nicht nur grundhaft falsch, sondern würden die Stadt auch noch verschandeln. Und außerdem hätten die Nordhäuser Bürger überhaupt kein Mitspracherecht. „In Nordhausen herrscht keine Demokratie!“, rief Brüning aus. In Nordhausen sollten überhaupt keine fremden Architekten mit den Planungen beauftragt werden, vor allem keine Leute, „die von Tuten und Blasen nicht die geringste Ahnung haben“. Man sollte sich an solchen Städten ein Beispiel nehmen, die es verbieten würden, Koniferen zu pflanzen, rief eine Frau aus. Schließlich seien Koniferen Überträger von gefährlichen Pilzen. Einmütig wurde festgestellt, dass jene Leute, die sich positiv zu den bisherigen Arbeiten der Landesgartenschau äußern, dies unter Zwang getan hätten, auch „werden ja schließlich die Stadträte von der Stadt bezahlt“. Steffen Brüning erläuterte am Abend den Gründungsmitgliedern der BI auch, dass er eine Einladung zur Mitarbeit in dem LGS-Beirat erhalten haben. Doch habe er von Stadtrat Dr. Klaus Zeh (CDU) gehört, dass diese Mitarbeit keinen Sinn mache, der Beirat hätte sowieso keinen Einfluss auf Entscheidungen oder Planungen. Langsam aber sicher schossen sich die Gründungsmitglieder auf eine bestimmte Person ein: Inge Klaan, die Leiterin des Stadtplanungsamtes und Geschäftsführerin der LGS GmbH. Sie sei die Wurzel allen Übels, „sie ist das Problem“, schloss sich Günther Goutier an. Und dann stellte Steffen Brüning überraschende Rechercheergebnisse der BI vor. „Der Umstand, dass immer mehr Menschen aus Nordhausen wegziehen, hängt seit Jahren mit den Planungen der Stadtentwicklung und der Landesgartenschau zusammen, die Wirtschaft wird nicht gefördert, deshalb treibt es die Menschen fort aus dieser Stadt. Weiterhin hätte Inge Klaan schon immer für einen riesigen Supermarkt geworben. 40.000 Quadratmeter Einkaufsfläche vor den Toren der Stadt hätte sie favorisiert...“ Hier soll die Berichterstattung über den gestrigen Abend beendet werden. Nur soviel an die Herren Brüning und Veit, die übrigens Teilen der Medien keine objektive Berichterstattung vorwarfen: Der Massa-Markt wurde auf Betreiben der Stadt Nordhausen, vor allem deren Planer von den Menschen ferngehalten. Es war die Stadt Nordhausen, die dagegen mit großem Aufwand geklagt hatte. Schließlich musste das auch Günther Goutier klarstellen, denn er war als ehemaliger Dezernent der Kreisverwaltung in Verantwortung in jener Zeit, in der Massa in Bielen bauen wollte. Und zu dieser Zeit gehörte Bielen noch nicht zu Nordhausen.


Kein „Gegenspieler“ zur LGS
Am 30.08.2001 gründete sich im kleinen Kreis offiziell die Bürgerinitiative „Pro Nordhausen“. nnz erhielt dazu die offizielle Erklärung der BI. Nach regen Diskussionen und einem ersten „Frustabbau“ über die kommunale Situation fand eine gemeinsame Interessenbildung statt, in dessen Resultat einige Grundpositionen für unsere weitere Arbeit festgesetzt wurden. Als dringlichste Aufgabe erachten wir unsere Einbringung der Bürgerideen zur Qualifizierung der Umgestaltungspläne zur Landesgartenschau 2004 in Nordhausen. Die Bürgerinitiative Nordhausen will hierbei bereits vorhandene Änderungs- bzw. Verbesserungsvorschläge darlegen, bestehende Mängel aufzeigen und Bürgerwünsche aufnehmen um diese den Verantwortlichen gesammelt zu unterbreiten. Pro Nordhausen fungiert nicht als „Gegenspieler“ zur Landesgartenschau 2004 GmbH oder gar der Nordhäuser Stadtverwaltung vielmehr als demokratisches Bindeglied zum Nordhäuser Bürgerwillen. Die Gründungsveranstaltung endete mit der gemeinsamen Hoffnung, dass die Nordhäuser Stadtväter die Bürgerinitiative Pro Nordhausen als eine kreative Bereicherung zum Wohle unserer Heimatstadt Nordhausen sehen.


Petersberg auch für Behinderte
Gegen jede Form von Populismus, die auf dem Rücken von behinderten Menschen ausgetragen wird, wendete sich heute Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD). Rinke nahm Stellung zur Vorkommnissen an der Treppe zum Petersberg. Das so genannte Behindertenkonzept sei ein wesentlicher Bestandteil der Gesamtplanungen zur Landesgartenschau gewesen, erst kürzlich sei dieses Konzept in den entsprechenden Ministerien in Erfurt vorgestellt und für gut befunden worden, meinte Rinke. Von Planungsbeginn an, seien seitens der Auftraggeber die Forderungen nach einer möglichst barrierefreien Erschließung des Petersberges aufgemacht worden. Hierzu gab es die verschiedensten Gespräche mit dem Behindertenverband Erfurt und kürzlich auch mit dem sich neu gegründeten Behindertenverband Nordthüringen, der seinen Sitz in Artern und eine Außenstelle in Nordhausen hat. Der Verbandsvorsitzende Bernd Reiber hatte sich gestern von den Planungen und bei einer Besichtigung vor Ort informiert. Reiber begrüßte heute die Einbeziehung des „barrierefreien Gedankens“ in die Planungen. Seiner Meinung hätten sich die Medien gestern am Petersberg vorführen lassen. Dieser Meinung war auch die Geschäftsführerin der LGS GmbH, Inge Klaan. Die Treppe von der Weberstraße sei nie barrierefrei geplant und demzufolge auch nicht gebaut worden. Wer einigermaßen Ahnung davon habe, hätte erkennen müssen, dass diese Treppe aufgrund ihrer Neigung für Rollstühle vollkommen ungeeignet sei. Die Rampen innerhalb der Treppe sind in erster Linie für den Transport von Rollern oder Fahrrädern gedacht. Sie sollen den hunderten Schulkindern einen schnellen und kurzen Weg zu den Schulen und künftigen Freizeitangeboten auf dem Petersberg ermöglichen. Der behindertengerechte Zugang wird an der Ecke Weber/Breitscheidstraße geschaffen. Weiterhin werde der Hauptweg auf dem Petersberg mit Rampen versehen, so dass der überwiegende Teil der Ausstellungsfläche auf dem Petersberg auch für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte erwandert werden kann. An einem Hang wird derzeit sogar an die Installierung eines Lastenaufzuges für Rollstühle gedacht. Weiterhin wird während der Landesgartenschau ein kostenfreier Behindertenservice mit Rollstuhlverleih und Begleitpersonen angeboten. Zusätzlich werden alle Publikationen zusätzlich in Bindenschrift erscheinen.


Heute 10 Uhr: Talsperrenwasser Marsch!
Endlich! nach fast vier Jahren steht für Nordhausen wieder Talsperrenwasser zur Verfügung. Durch die Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) und den Verbandsvorsitzenden Martin Höche wurde der Absperrschieber geöffnet, der das Wasser zur Aufbereitung freigibt. Ab September kann damit das weiche Talsperrenwasser durch die rund zehn Kilometer lange Leitung von der Talsperre Nordhausen ins Wasserwerk in Puschkin-Strasse fließen und dort aufbereitet werden. Jedoch werden die Nordhäuser Einwohner noch nicht gleich feststellen können, dass ihr Wasser spürbar weicher geworden ist. Es liegt einfach daran, dass in den ersten Tagen und Wochen relativ geringe Talsperrenwassermengen in das Netz eingespeist werden können. Nur zirka 500 Kubikmeter pro Tag, das sind etwa fünf Prozent des Gesamtwasserbedarfs der Stadt Nordhausen, werden dem nach wie vor harten Grundwasser zugemischt. Dies hat vorrangig zwei Gründe. Einerseits kann die Thüringer Talsperrenverwaltung in den nächsten Monat nur einen Teil der üblichen Wassermengen liefern, da nach wie vor der zur Gesamtabnahme erforderliche Höchststau noch nicht erreicht wurde. Dem Wasserverband wurden deshalb pro Tag maximal 2.500 Kubikmeter Talsperrenwasser, das ist die Hälfte der üblichen Liefermenge für die Monate September, Oktober und November angeboten. Andererseits kann der Wasserverband Nordhausen nicht sofort die Talsperrenwassermengen ins Netz einspeisen, die vor der Außerbetriebnahme der Talsperre im Jahr 1997 üblich waren. Erheblich weicheres Wasser würde anders als das in den vergangenen Jahren gelieferte harte Grundwasser sofort die Rohrleitungen von innen angreifen. Rostwasser wäre die unvermeidliche Folge. Dies ist vom Wasserverband natürlich in keinem Fall gewollt. Deshalb wird die Zumischung von weichem Talsperrenwasser schrittweise von täglich zur Zeit 500 Kubikmeter zum Monatsende auf2.500 Kubikmeter erfolgen. Dabei muss sorgfältig beobachtet werden, ob es nicht trotzdem zu negativen Auswirkungen im Rohrnetz kommt. Erst Anfang 2002 werden voraussichtlich die normalen Talsperrenwassermengen von 5.000 Kubikmeter pro Tag wieder zur Verfügung stehen, so dass erst dann die früher gewohnte Wasserhärte wieder erreicht wird. An dieser Stelle weist der Wasserverband Nordhausen noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass die verspätete Wiederinbetriebnahme der Nordhäuser Talsperre nicht dem Verband angelastet werden kann, da der Verband weder für die Sanierung der Sperrmauer noch für die Lieferung des Talsperrenwassers verantwortlich ist. Durch ein von der Talsperrenverwaltung beauftragtes Bauunternehmen wurde die wasserseitige Abdichtung der Sperrmauer nicht ordnungsgemäß ausgeführt. Beim Wiederanstau der Talsperre Ende 1999/Anfang 2000 wurde festgestellt, das die Dichtigkeit der Mauer nicht den Anforderungen entsprach und nachgebessert werden musste. Dadurch bedingt, konnte dem Wasserverband erst mit einer Verspätung von nahezu einem Jahr wieder weiches Talsperrenwasser geliefert werden. Während der Generalinstandsetzung der mauer wurde parallel dazu vom Wasserverband Nordhausen die zehn Kilometer lange Leitung von der Talsperre zum Wasserwerk wieder auf Vordermann gebracht. Mehr als eine Million Mark waren nötig, um Entlüftungsventile, Entleerungen, Armaturen und Schächte der 100 Jahre alten Leitung zu sanieren. In den nächsten vier Jahren ist durch den Wasserverband Nordhausen auch der Neubau eines Wasserwerkes geplant. Die noch in Betrieb befindliche Anlage von 1931 entspricht nur noch bedingt den Anforderungen an das 21. Jahrhundert. In der Genehmigungsplanung für das neue Wasserwerk, die zur Zeit durch die Behörden beurteilt und bearbeitet wird, ist eine Technik vorgeschlagen, die in Thüringen in ihrer Art noch nirgendwo eingesetzt wurde. Die Kosten für den Neubau des Wasserwerkes werden gegenwärtig auf zehn bis zwölf Millionen Mark geschätzt.


Förderverein hat sich gegründet
Gestern hat sich der „Förderverein St. Blasii Nordhausen e.V.“ gegründet. Die Gründung war in den zurückliegenden Tagen angekündigt und intensiv vorbereitet worden. Während der Gründungssitzung wurden eine Satzung beschlossen und ein Vorstand gewählt. Der sechsköpfige Vorstand setzt sich aus folgenden Personen zusammen: Dr. Eva Gebhardt (Vorsitzende), Dr. Uwe Krieger (Stellvertreter), Dr. Manfred Schröter (Stellvertreter), Alfred Stöber (Stellvertreter), Antonius Pille (Schatzmeister) und Dietrich Rose (Schriftführer). Der Verein hat den einzigen Zweck, den Erhalt der St. Blasii-Kirche in ihrer baulichen Substanz ideell und materiell zu unterstützen. „Es gibt zahlreiche Aktivitäten in unserer Stadt, die uns dabei helfen wollen. Dazu gehören Schulen und andere Institutionen sowie viele einzelne Bürger. Sie alle wollen uns durch Mitgliedschaft oder Spenden oder mit vielen guten Ideen zur Seite stehen“, so der Vereinsvorsitzende Dr. Gebhardt zur nnz. Dabei spiele es keine Rolle, ob diese Mitstreiter konfessionell gebunden seien oder nicht. Landesregierung und Kirchenleitung werden Gelder erst dann bereitstellen, wenn erkennbar ist, dass die Nordhäuser bereit sind, einen finanziellen Beitrag zu leisten. Den drohenden Einsturz der St. Blasii-Kirche wirksam zu verhindern und das Gebäude zu sanieren, werde nicht einfach und leider sehr teuer sein. „Für uns ist es eine unerträgliche Vorstellung, dass es dieses wunderschöne Bauwerk als religiösen und kulturellen Mittelpunkt der Stadt und als Baudenkmal eines Tages nicht mehr geben könnte. Nordhausen hat schon durch den Krieg zu viel Schönes verloren“, so Dr. Eva Gebhardt weiter.
Autor: nnz

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