Do, 13:22 Uhr
22.08.2002
Den Kinderschuhen entwachsen?
Nordhausen (nnz). Der Entwurf der Riester-Rente, seine Entwicklung bis zu den heutigen Angeboten mutet an wie ein Irrgarten. Nun scheint der Durchbruch geschafft, wie nnz zu berichten weiß.
Noch Anfang Juni konnte man in großen Zeitungen in Deutschland Titelzeilen lesen wie Diese Rente will niemand, oder Riester-Rente ist ein Flop (z.B. in Welt am Sonntag vom 9. Juni 2002). Und am 17. Juli konnte man in Die Welt lesen: Versicherer hoffen inständig auf Riester-Boom. Nun kommt die gleiche Zeitung unter Berufung auf die Stiftung Warentest zu dem Ergebnis, dass sogar die einstens so gescholtene Axa Röster-Rente aus dem Tchibo-Regal weit besser als ihr Ruf ist. Und das, nachdem die Verbraucherschützer noch bis in die jüngste Zeit zur Vorsicht und Zurückhaltung mahnten.
Im aktuellen Heft Finanztest berichten die Fachleute über das Ergebnis der Prüfung von 374 Angeboten staatlich geförderter Rentenversicherungen. Und sie kommen zu einem insgesamt passablen Ergebnis. Insgesamt wurde 27 Mal Sehr gut allerdings auch 32 mal Mangelhaft vergeben. Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztest, zieht insgesamt ein positives Fazit: Wir wissen nicht, ob Walter Riester in zwei Monaten noch im Amt ist, aber wir wissen, dass sich die nach ihm benannte Altersvorsorge für den Verbraucher lohnt. Bei einer Laufzeit von 25 Jahren erreichen Arbeitnehmer je nach Familienstand zusammen mit der Förderung eine Rendite von etwa sieben bis neun Prozent. Geringverdiener kommen gar auf mehr als zehn Prozent. Welche Geldanlage bringt das sonst schon?" fragt Tenhagen.
Natürlich nimmt die Versicherungswirtschaft solch positive Aussagen der Warentester zu dem lange gescholtenen Riester-Modellen gern zur Kenntnis. Das sind sehr spannende Aussagen, konstatiert die Sprecherin des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Gabriele Hoffmann. Bei der Stiftung Warentest scheint ein Stimmungswandel eingesetzt zu haben. Der zuständige Abteilungsleiter der Stiftung, Peter Schütt, steht zu, bei Vergleichen mit betrieblichen Angeboten und zuvor zum Abwarten geraten zu haben. Ich vermute, dass sich betriebliche Angebote für den einzelnen lohnen werden, meint er auch heute, ohne sich weiter festzulegen: Der einschlägige Vergleich ist noch nicht abgeschlossen und wird erst in der November-Ausgabe von Finanztest veröffentlicht.
Nun sind freilich bei den unter die Lupe genommenen privaten Riester-Policen erhebliche Qualitätsunterschiede festzustellen.. So kann bei gleicher Einzahlung in einen klassischen Vertrag ein heute 30-jähriger Familienvater mit 40 000 Euro Jahresgehalt bei einem erstklassigen Anbieter (in gemeinten Falle Asstel) auf monatlich 880 Euro Riester-Rente hoffen. Bei einem Anbieter im hinteren Feld winken ihm nur 540 Euro. Finanztest hat für fünf Modellkunden jeweils klassische Rentenverträge, Angebote mit einem begrenzten Fondsanteil (wobei in dieser Kategorie die Berlinische Leben vorn liegt) und Produkte mit hohem Fondsanteil untersucht. Die beiden ersten Varianten bieten garantierte Renditen bis effektiv drei Prozent, bei der dritten Variante werden schlimmstenfalls nur die eingezahlten Beiträge erstattet.
Entscheidend für die tatsächliche Auszahlung sind jedoch die erwirtschafteten Überschüsse der Gesellschaften. Hierzu geben Assekuranzen Prognosen ab, die bei der Untersuchung anhand der Kapitalanlageergebnisse von 1999 bis 2001 auf ihre Seriosität untersucht wurden. Dieses Verfahren hält Experte Schütt trotz der aktuellen Börsenschwäche für verlässlich. Insider hegen allerdings Zweifel, ob die Renditen von 1999 und 2000 in näherer Zukunft wieder erreicht werden können. Der Marktführer Allianz meldet Kritik am Verfahren an: So habe die Stiftung nicht die Finanzkraft der Gesellschaften berücksichtigt. Die aber sei, wie die aktuelle Schieflage einiger kleiner Anbieter beweise, ein entscheidendes Kriterium für die Sicherheit der Anlagen.
Durch die aktuellen Schwierigkeiten einiger Assekuranzen sollen sich die Kunden laut Schütt nicht vom Abschluss einer Riester-Police abschrecken lassen. Die Aufsicht und die Branche arbeiteten an einem Rettungskonzept, betont er unter Hinweis auf den geplanten Auffangpool, der allen Versicherten den versprochenen Zins von 3,25 Prozent garantieren soll. Schwierigkeiten mit dessen Erwirtschaftung sollen unter anderem die Familienfürsorge und die Hannoversche Leben haben.
Autor: nnzNoch Anfang Juni konnte man in großen Zeitungen in Deutschland Titelzeilen lesen wie Diese Rente will niemand, oder Riester-Rente ist ein Flop (z.B. in Welt am Sonntag vom 9. Juni 2002). Und am 17. Juli konnte man in Die Welt lesen: Versicherer hoffen inständig auf Riester-Boom. Nun kommt die gleiche Zeitung unter Berufung auf die Stiftung Warentest zu dem Ergebnis, dass sogar die einstens so gescholtene Axa Röster-Rente aus dem Tchibo-Regal weit besser als ihr Ruf ist. Und das, nachdem die Verbraucherschützer noch bis in die jüngste Zeit zur Vorsicht und Zurückhaltung mahnten.
Im aktuellen Heft Finanztest berichten die Fachleute über das Ergebnis der Prüfung von 374 Angeboten staatlich geförderter Rentenversicherungen. Und sie kommen zu einem insgesamt passablen Ergebnis. Insgesamt wurde 27 Mal Sehr gut allerdings auch 32 mal Mangelhaft vergeben. Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztest, zieht insgesamt ein positives Fazit: Wir wissen nicht, ob Walter Riester in zwei Monaten noch im Amt ist, aber wir wissen, dass sich die nach ihm benannte Altersvorsorge für den Verbraucher lohnt. Bei einer Laufzeit von 25 Jahren erreichen Arbeitnehmer je nach Familienstand zusammen mit der Förderung eine Rendite von etwa sieben bis neun Prozent. Geringverdiener kommen gar auf mehr als zehn Prozent. Welche Geldanlage bringt das sonst schon?" fragt Tenhagen.
Natürlich nimmt die Versicherungswirtschaft solch positive Aussagen der Warentester zu dem lange gescholtenen Riester-Modellen gern zur Kenntnis. Das sind sehr spannende Aussagen, konstatiert die Sprecherin des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Gabriele Hoffmann. Bei der Stiftung Warentest scheint ein Stimmungswandel eingesetzt zu haben. Der zuständige Abteilungsleiter der Stiftung, Peter Schütt, steht zu, bei Vergleichen mit betrieblichen Angeboten und zuvor zum Abwarten geraten zu haben. Ich vermute, dass sich betriebliche Angebote für den einzelnen lohnen werden, meint er auch heute, ohne sich weiter festzulegen: Der einschlägige Vergleich ist noch nicht abgeschlossen und wird erst in der November-Ausgabe von Finanztest veröffentlicht.
Nun sind freilich bei den unter die Lupe genommenen privaten Riester-Policen erhebliche Qualitätsunterschiede festzustellen.. So kann bei gleicher Einzahlung in einen klassischen Vertrag ein heute 30-jähriger Familienvater mit 40 000 Euro Jahresgehalt bei einem erstklassigen Anbieter (in gemeinten Falle Asstel) auf monatlich 880 Euro Riester-Rente hoffen. Bei einem Anbieter im hinteren Feld winken ihm nur 540 Euro. Finanztest hat für fünf Modellkunden jeweils klassische Rentenverträge, Angebote mit einem begrenzten Fondsanteil (wobei in dieser Kategorie die Berlinische Leben vorn liegt) und Produkte mit hohem Fondsanteil untersucht. Die beiden ersten Varianten bieten garantierte Renditen bis effektiv drei Prozent, bei der dritten Variante werden schlimmstenfalls nur die eingezahlten Beiträge erstattet.
Entscheidend für die tatsächliche Auszahlung sind jedoch die erwirtschafteten Überschüsse der Gesellschaften. Hierzu geben Assekuranzen Prognosen ab, die bei der Untersuchung anhand der Kapitalanlageergebnisse von 1999 bis 2001 auf ihre Seriosität untersucht wurden. Dieses Verfahren hält Experte Schütt trotz der aktuellen Börsenschwäche für verlässlich. Insider hegen allerdings Zweifel, ob die Renditen von 1999 und 2000 in näherer Zukunft wieder erreicht werden können. Der Marktführer Allianz meldet Kritik am Verfahren an: So habe die Stiftung nicht die Finanzkraft der Gesellschaften berücksichtigt. Die aber sei, wie die aktuelle Schieflage einiger kleiner Anbieter beweise, ein entscheidendes Kriterium für die Sicherheit der Anlagen.
Durch die aktuellen Schwierigkeiten einiger Assekuranzen sollen sich die Kunden laut Schütt nicht vom Abschluss einer Riester-Police abschrecken lassen. Die Aufsicht und die Branche arbeiteten an einem Rettungskonzept, betont er unter Hinweis auf den geplanten Auffangpool, der allen Versicherten den versprochenen Zins von 3,25 Prozent garantieren soll. Schwierigkeiten mit dessen Erwirtschaftung sollen unter anderem die Familienfürsorge und die Hannoversche Leben haben.


