Fr, 13:04 Uhr
13.03.2009
Ein wenig masochistisch
Die beiden Männer eint so einiges: Sie wollen in den Bundestag, sie sind in der SPD, sie sind Gewerkschafter und: Sie sind ein kleinwenig masochistisch veranlagt...
Lemme (Foto: nnz)
Der eine ist Steffen Lemme, der Mann ist der DGB-Boss in Thüringen und will Ende September für den SPD in den Bundestag einziehen. Seine Chancen stehen selbst in der Thüringer SPD dafür nicht schlecht. Sein Freund Christoph Matschie hat dem 44jährigen nicht nur eine Direktkandidatur verpaßt, sondern auch den Listenplatz 3 geschenkt.
Doch allen Vermutungen zum Trotz: Steffen Claudio Lemme hält sich für einen Linken in der SPD, selbst in der des Freistaates. Warum er dann nicht für die LINKE kandidiert hat wie sein DGB-Chef-Vorgänger, das gibt er preis: Sowohl die SPD als auch die LINKE haben als ihr politisches Ziel den demokratischen Sozialismus ausgegeben. Die SPD beschreitet den schwierigeren Weg. Lemme würde sich – so er denn gewählt – im Lager von Andrea Nahles oder Ottmar Schreiner durchaus wohlfühlen. Es ist aber genau auch die SPD, der er 14 Jahre lang abgeschworen hatte. Nach der Wende eingetreten, 1994 ausgetreten, seit vorigen Herbst wieder Genosse.
Das macht den Mann, der auf seiner Homepage verkündet, dass er vor dem Hintergrund und der Erfahrung zweier Gesellschaftssysteme (DDR und BRD) dazu beitragen wolle, dass jeder Mensch über soziale und demokratische Rechte und Freiheiten verfügt, nicht unwählbarer. Lemme ist ledig, hat eine Tochter, wohnt außerhalb von Erfurt, kandidiert im Kyffhäuserkreis, in Sömmerda sowie im Weimarer Land, und muss sich Zuhause um einen Hund und zwei Katzen kümmern. Und natürlich die Gewerkschaft in Thüringen.
Na klar, er will die Symbiose zwischen gewerkschaftlichen Ansprüchen und sozialdemokratischen Zwängen in Berlin versuchen herzustellen. Ob ihm das gelingt, darüber kann nur orakelt werden. Seine persönlich-politischen Ziele, die ihm die Partei im Programm vorgeschrieben hat, die hat er drauf und rattert sie fehlerfrei runter. Sie sind bekannt – beginnen beim Mindestlohn und hören bei der längeren gemeinsamen Schulzeit auf. Vor sieben Jahren, im Jahr 2002, da hätte Steffen Lemme nicht für die SPD kandidiert, den Genossen der Bosse mochte er nicht. Jetzt kandidiert er und muss dann mit Genossen wie Steinmeier oder Steinbrück auskommen. Gott sei Dank gibt es ja Ottmar Schreiner.
Schwiderke (Foto: nnz)
Lemme zur Seite saß heute in der Nordhäuser SPD-Kreisgeschäftsstelle Joachim Schwiderke. Die masochistischen Züge bei dem 47jährigen müssen wesentlich stärker ausgeprägt sein, als bei Lemme. Der Mann ist nicht verheiratet, ist Protestant, Gewerkschaftssekretär in Niedersachsen und - wohnt im Eichsfeld. Gerade diese Konstellation verbietet eigentlich jede reelle Chance auf einen Wahlsieg im Wahlkreis Eichsfeld – Nordhausen – Unstrut-Hainich. An der CDU-Trutzburg hatten sich seit 1990 alle möglichen Kandidaten der anderen Parteien die Polit-Zähne ausgebissen. Und ein wenig hat der Witz vom schwarzen Besenstil und dessen Wählbarkeit zwischen Dingelstädt und Bernterode schon seine Berechtigung.
Das weiß Schwiderke, will aber kämpfen und nicht nur die Statistenrolle ausfüllen. Wahlkampfdetails will er noch nicht verraten. Die aber müssen derart raffiniert sein, wollen sie Manfred Grund auch nur annähernd schlaflose Nächte bescheren. Dass auch Joachim Schwiderke sich im linken Spektrum der SPD, der er seit 2003 angehört, aufgehoben fühlt, verbessert seine Chance nicht wirklich.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz/kn
Lemme (Foto: nnz)
Der eine ist Steffen Lemme, der Mann ist der DGB-Boss in Thüringen und will Ende September für den SPD in den Bundestag einziehen. Seine Chancen stehen selbst in der Thüringer SPD dafür nicht schlecht. Sein Freund Christoph Matschie hat dem 44jährigen nicht nur eine Direktkandidatur verpaßt, sondern auch den Listenplatz 3 geschenkt.Doch allen Vermutungen zum Trotz: Steffen Claudio Lemme hält sich für einen Linken in der SPD, selbst in der des Freistaates. Warum er dann nicht für die LINKE kandidiert hat wie sein DGB-Chef-Vorgänger, das gibt er preis: Sowohl die SPD als auch die LINKE haben als ihr politisches Ziel den demokratischen Sozialismus ausgegeben. Die SPD beschreitet den schwierigeren Weg. Lemme würde sich – so er denn gewählt – im Lager von Andrea Nahles oder Ottmar Schreiner durchaus wohlfühlen. Es ist aber genau auch die SPD, der er 14 Jahre lang abgeschworen hatte. Nach der Wende eingetreten, 1994 ausgetreten, seit vorigen Herbst wieder Genosse.
Das macht den Mann, der auf seiner Homepage verkündet, dass er vor dem Hintergrund und der Erfahrung zweier Gesellschaftssysteme (DDR und BRD) dazu beitragen wolle, dass jeder Mensch über soziale und demokratische Rechte und Freiheiten verfügt, nicht unwählbarer. Lemme ist ledig, hat eine Tochter, wohnt außerhalb von Erfurt, kandidiert im Kyffhäuserkreis, in Sömmerda sowie im Weimarer Land, und muss sich Zuhause um einen Hund und zwei Katzen kümmern. Und natürlich die Gewerkschaft in Thüringen.
Na klar, er will die Symbiose zwischen gewerkschaftlichen Ansprüchen und sozialdemokratischen Zwängen in Berlin versuchen herzustellen. Ob ihm das gelingt, darüber kann nur orakelt werden. Seine persönlich-politischen Ziele, die ihm die Partei im Programm vorgeschrieben hat, die hat er drauf und rattert sie fehlerfrei runter. Sie sind bekannt – beginnen beim Mindestlohn und hören bei der längeren gemeinsamen Schulzeit auf. Vor sieben Jahren, im Jahr 2002, da hätte Steffen Lemme nicht für die SPD kandidiert, den Genossen der Bosse mochte er nicht. Jetzt kandidiert er und muss dann mit Genossen wie Steinmeier oder Steinbrück auskommen. Gott sei Dank gibt es ja Ottmar Schreiner.
Schwiderke (Foto: nnz)
Lemme zur Seite saß heute in der Nordhäuser SPD-Kreisgeschäftsstelle Joachim Schwiderke. Die masochistischen Züge bei dem 47jährigen müssen wesentlich stärker ausgeprägt sein, als bei Lemme. Der Mann ist nicht verheiratet, ist Protestant, Gewerkschaftssekretär in Niedersachsen und - wohnt im Eichsfeld. Gerade diese Konstellation verbietet eigentlich jede reelle Chance auf einen Wahlsieg im Wahlkreis Eichsfeld – Nordhausen – Unstrut-Hainich. An der CDU-Trutzburg hatten sich seit 1990 alle möglichen Kandidaten der anderen Parteien die Polit-Zähne ausgebissen. Und ein wenig hat der Witz vom schwarzen Besenstil und dessen Wählbarkeit zwischen Dingelstädt und Bernterode schon seine Berechtigung.Das weiß Schwiderke, will aber kämpfen und nicht nur die Statistenrolle ausfüllen. Wahlkampfdetails will er noch nicht verraten. Die aber müssen derart raffiniert sein, wollen sie Manfred Grund auch nur annähernd schlaflose Nächte bescheren. Dass auch Joachim Schwiderke sich im linken Spektrum der SPD, der er seit 2003 angehört, aufgehoben fühlt, verbessert seine Chance nicht wirklich.
Peter-Stefan Greiner

