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Fr, 12:00 Uhr
13.03.2009

nnz-Forum: Hartz IV muss weg! – Und dann?

Am gestrigen Abend stellte der Vizepräsident des deutschen Bundestages und Finanzexperte der FDP-Fraktion, Dr. Hermann Otto Solms, im Schloss Gebesee bei Erfurt das Finanzkonzept der FDP vor. Ein Leser der nnz war unter den Zuhörern und berichtet...


Solms (Foto: Autor) Solms (Foto: Autor) Ziel ist ein einfaches und gerechtes Steuersystem, welches jeder Bürger versteht. Insgesamt sollen Steuern und Sozialabgaben so gestaltet werden, dass mehr Netto vom Brutto bleibt. Gegenwärtig wird bei einem Durchschnittsverdiener bspw. aus einem zusätzlichen Bruttolohn von 100 Euro nach Steuern und Sozialabgaben eine Nettoerhöhung von weniger als 50 Euro.

Mehr als die Hälfte kassiert die Staatsbürokratie! Das wollen die Liberalen ändern. Statt des gegenwärtigen Flickenteppichs aus mehr als 300 Gesetzesseiten voller Regeln und Ausnahmen kommt das liberale Konzept mit 35 Seiten aus, also ist eine Reform, die diesen Namen verdient.

Auf Nachfrage von Andreas Klaschka, dem Direktkandidaten der FDP-Nordhausen für die Bundestagswahl, erklärte Solms auch die Vorschläge der FDP zur Neuregelung von Sozialleistungen. Bekanntlich lehnt die FDP Hartz IV ab. Stattdessen soll eine negative Einkommensteuer, auch Bürgergeld genannt, eingeführt werden (ein Vorschlag aus dem Jahr 2005, der inzwischen von anderen Politikern gern kopiert wird).

Das Bürgergeld würde vom Finanzamt an die Personen gezahlt, deren Einkommen so niedrig ist, dass der Grundbedarf damit nicht gedeckt werden kann. Der Antragsdschungel bei der ARGE würde damit wie die ARGE selbst überflüssig.

Insbesondere will die FDP den Hinzuverdienst attraktiver gestalten und damit auch dem Abgleiten in die Schwarzarbeit entgegen wirken. Tätigkeiten bis 600 Euro monatlich sollen abgabenfrei möglich werden. Übersteigt der Hinzuverdienst diese Grenze, steigen die Abgaben allmählich an, bis sie bei 1.000 Euro brutto die normale Höhe erreichen (neue Gleitzone). Eine Beispielrechnung mit den Zahlen von 2005 für eine alleinstehende Person ohne Kinder verdeutlicht das Prinzip:

BruttoverdienstNettoverdienstBürgergeldverfügbares Einkommen
0,000,00662,00662,00
600,00600,00362,00962,00
1000,00808,00202,001010,00
1400,001079,0042,001121,00



Die Beträge wären jetzt höher, da das Bürgergeld mindestens alle drei Jahre an die Inflation anzupassen ist. Von Arbeitslosigkeit Betroffene verdienen eine ehrliche Chance, Schritt für Schritt in den Arbeitsmarkt zurückzukehren, ohne die Ansprüche auf das Bürgergeld zu verlieren, wenn sie endlich wieder selbst etwas hinzuverdienen. Info-Material zu diesem u. a. Themen finden Sie HIER.
Steffen Liesegang
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
H.Buntfuß
15.03.2009, 19:40 Uhr
Wahlkampf oder Verdummung?
Als erstes möchte ich sagen: Es muss doch für jeden Hartz-IV-Empfänger eine Beleidigung sein, wenn plötzlich eine Partei wie die FDP mit den Slogan „ Hartz-IV muss weg“ Wahlkampf macht. Hier wird einmal mehr deutlich, dass den meisten Politikern jedes Mittel recht ist um an die Macht zu kommen. Wo bitte waren den die Politiker der FDP, als die Bürger gegen Hartz-IV demonstrierten.

An Herrn Liesegang habe ich schon ein paar Fragen. Sie schreiben da etwas von Bürgergeld. Wie man der Tabelle entnehmen kann, beträgt das Bürgergeld 662 Euro. Weiter schreiben Sie, dass man 600 Euro abgabenfrei dazu verdienen darf.
Bevor ich zu meinen Fragen komme, möchte ich vorwegschicken, dass ein Hartz-IV-Empfänger zur Zeit – den Regelsatz, der im übrigen mit der Rentenerhöhung in diesen Jahr angehoben wird – von 351 Euro bekommt. Dazu kommt dann die Miete und die Heizkosten. Das macht im Schnitt 340 Euro hier in Nordhausen.

Nur damit es klar ist, wir sprechen hier von der Miete für Zweiraumwohnungen, die eher zu den billigeren zählen. So kommen wir auf eine Endsumme von 691 Euro, dazu kommen noch die Kosten für die Beiträge zur Krankenkasse und die Rentenversicherung.
Nun zu meinen Fragen: Gibt es Bei dem Bürgergeld Zuzahlungen zur Miete, denn es soll ja Bürger geben, deren Mieten über 340 Euro liegen? Wer bezahlt die Beträge für Krankenkasse und Rentenversicherung? Die wird, wie übrigens auch die Mieten, in den nächsten Jahren mächtig steigen. Das können Sie mit einem Inflationsausgleich, der alle drei Jahre erfolgen soll, nicht ausgleichen. Sollten vom Staat bzw. vom Steuerzahler diese Kosten nicht übernommen werden, dann steht doch der Hartz-IV-Empfänger schlechter da als im Moment.
Kommen wir zum abgabefreien Zuverdienst, Sie schreiben: Man kann 600 Euro abgabenfrei dazu verdienen. Ihre Tabelle zeigt da etwas anderes.
Bruttoverdienst Nettoverdienst Bürgergeld verfügbares Einkommen
0,00 0,00 662,00 662,00
600,00 600,00 362,00 962,00
1000,00 808,00 202,00 1010,00
1400,00 1079,00 42,00 1121,00
Zeile zwei zeigt es, wenn jemand 600,00 Euro verdient, bekommt er nur noch 362,00 Bürgergeld. Sagten Sie nicht, 600,00 Euro seien abgabenfrei. An welcher Stelle Sie den Bürgern das Geld wegnehmen spielt dabei keine Rolle. Fakt ist, man darf keine 600 Euro abgabenfrei dazu verdienen. Meiner Meinung nach gibt es hier noch viel Erklärungsbedarf.
Mein Fazit: Die Idee ist gut, aber über die Höhe des Bürgergeldes ist so nicht ausreichend, außerdem steht es der FDP nicht gut zu Gesicht. Auch andere Parteien – sogar die Gewerkschaft – hat in dieser Richtung Vorschläge gemacht. Die werden von der FDP als „nicht realisierbar“ abgetan. Der Vorschlag der FDP garantiert eins: Die Konzerne und Großunternehmer bekommen billige Arbeitskräfte um nicht zu sagen Sklaven. Nach dem Modell der FDP zahlt der Staat einen Teil des Lohns, die Gewinne aber streicht der Unternehmer allein ein. So versteht die FDP „Soziale Marktwirtschaft“.Das gute am Bürgergeld wäre, dass sich der Staat kostenintensive Gerichtsprozesse spart, die von inkompetenten ARGE-Mitarbeitern provoziert werden. Und der arbeitslose Bürger kann seine Würde bewahren, die ihn zur Zeit von der ARGE nicht gewährt wird.
Zum Schluss noch eine Angelegenheit, die ich los werden muss: Von der FDP hört man immer wieder mal Stimmen, die da sagen: „Ja, die alten Kommunisten oder Sozialisten aus der alten DDR wollen den ganzen Staat umkrempeln.“ Wie steht es mit der FDP? Hat sie nicht die gesamte Blockflötenpartei LDPD übernommen. Oder waren diese „Parteifreunde“ allesamt Antikommunisten wie so viele andere?
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