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Fr, 19:04 Uhr
02.08.2002

Todesschuß: PDS will Aufklärung

Nordhausen (nnz). Der tödliche Polizeischuss in Nordhausen bekommt jetzt eine politische Dimension. Die PDS-Fraktion im Thüringer Landtag hat eine Sitzung des Innenausschusses beantragt. Mehr dazu und weitere Details der Ermittlungen in Ihrer nnz.


Innenminister Christian Köckert (CDU) soll auf Antrag der PDS-Fraktion über den Einsatz berichten. Es müsse geklärt werden, ob die neue „Mann-Stopp“-Munition zum Tod geführt habe, sagte der innenpolitische Sprecher der PDS, Roland Hahnemann, heute in Erfurt. Diese Geschosse führten zu größeren Verletzungen. Sie werden seit 2001 eingesetzt und dehnen sich im Körper aus. Die Staatsanwaltschaft sieht es bislang als erwiesen an, dass der Beamte mit Steinen beworfen wurde und versuchte, die Situation nicht eskalieren zu lassen.

Man müsse in Rechnung stellen, dass der Angriff massiv gewesen sei, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Mühlhausen, Dirk Germerodt. Ein Zeuge sprach seinen Angaben zu Folge von einem Dauerfeuer mit Steinen. Es seien mindestens zwei Brocken gewesen. Der Polizist habe den Mann aufgefordert, „den Blödsinn zu lassen“. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Beamte auf die Beine des Opfers zielen wollte. Die Staatsanwaltschaft geht weiter von Notwehr aus, prüft aber auch, ob der Polizist möglicherweise überreagiert hat.

Der Polizeiobermeister hat bislang geschwiegen. Seine 28 Jahre alte Kollegin bestätigte, dass das spätere Opfer ihn mit Steinen angriff. Die Beamtin hatte am Sonntag den Komplizen des Nordhäusers festgenommen. Das Opfer war zur Tatzeit betrunken und hatte Kokain genommen. Ein Gutachten soll die Wechselwirkung und die Auswirkung auf den Angriff prüfen.

Nicht nur die Untersuchung der Waffe steht noch aus. So wird nach nnz-Informationen auch geprüft, ob der Zigarettenautomat überhaupt funktionstüchtig war. Den Recherchen der nnz zufolge, soll der Geldschlitz mit einem Papierstück verstopft gewesen sein. Die Polizei sagte hingegen, eine Überprüfung des Automaten noch am Samstag hatte seine Betriebstüchtigkeit ergeben. Die Firma, der der Automat gehört wurde beauftragt, die Geldbestände mit dem Bestand an Zigarettenschachteln zu vergleichen. Noch immer ist nicht zweifelsfrei erwiesen, dass die beiden Männer den Automat am „Metropolitan“ überhaupt aufbrechen wollten, oder ob sie ihn nicht aus Frust über das steckengebliebene Geld „bearbeiteten“.

In Nordhausen wird ebenfalls mit Verwunderung registriert, dass die Staatsanwaltschaft mit den Ermittlungen immer noch federführend die hiesige Kriminalpolizei beauftragt hat. Die Beamten des LKA Thüringen seien womöglich nur zur Tatortsicherungen und Spurenaufnahme hinzugezogen worden. Auch in der kommunalen Politik wird die Frage gestellt, warum nicht zum Beispiel eine interne Ermittlungsgruppe des Innenministeriums oder das LKA selbst den Fall an sich zieht? Das zumindest würde die Glaubwürdigkeit der Ermittlungen, die in breiten Bevölkerungskreisen immer noch angezweifelt wird, wieder herstellen.
Autor: nnz

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