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Mo, 07:46 Uhr
08.12.2008

Wird der Klimawandel warten?

Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich beim EU-Gipfel Ende dieser Woche gegen Klimaschutz-Beschlüsse sperren, die deutsche Arbeitsplätze gefährden würden. Das las man gerade in der „Bild“-Zeitung...


Schon in der vergangenen Woche einigten sich Vertreter von Europa-Parlament, EU-Staaten und Europäischer Kommission, wonach der Schadstoffausstoß von Kraftfahrzeugen nur Shritt für Schritt eingeführt werden soll. Was zu Protesten der Umweltschützer führte.

Angesichts solcher Meldungen erinnert man sich mit nicht geringem Unbehagen an den gerade vor einen Monat an der FH Nordhausen gehörten Vortrag des führenden Verfechters regenerativer Energien, Hermann Scheer. Der in geradezu dramatischer Art die Konsequenzen aufzeigte, die sich schon in wenigen Jahrzehnten einstellen werden wenn es nicht gelingt, die Ansprüche der Menschen mit der Einführung regenartiver Energien in Übereinstimmung zu bringen. Von der man derzeit noch weit entfernt sei. Geradezu stürmischen Beifall erhielt er von den Zuhörern seines Vortrags. Was doch wohl Zustimmung ausdrückte?

Dass seine Ausführungen auch für unseren Landkreis Bedeutung haben, zeigte sich schon tags darauf in einer Verlautbarung Dagmar Beckers, die zwar einerseits auf die Fotovoltaikanlage auf Nentzelsrode verwies, sich aber gleichzeitig gegen die geplanten – inzwischen negativ beschiedenen – Windkrafträder in der Hainleite wandte. Dabei führte sie u.a. aus: „Der Landkreis sollte hier eine Vorbildfunktion gegenüber den privaten Investoren einnehmen, darf aber die Menschen dabei nicht vergessen. Gerade das Thema Windenergie hat uns gezeigt, wie schwierig das Verhältnis zwischen wirtschaftlichen Interessen, ökologischem Nutzen und den Interessen der Anwohner mitunter sein kann.

Die Haltung des Landkreises und der betroffenen Gemeinden in der Frage nach den 205 Meter hohen Windrädern in der Hainleite ist eindeutig. Wir wollen diese gigantischen Windkraftanlagen nicht, da sie der Region eher schaden als nützen. Trotzdem darf die Windenergie nicht verteufelt werden.

Wir brauchen sie ebenso wie die Sonnenenergie oder die Erdwärme. Dabei gilt es jedoch, allen Seiten gerecht zu werden und mit den vorhandenen Sorgen sensibel umzugehen. Ein harmonisches Verhältnis wird nur dann möglich sein, wenn es gelingt, die Interessen der Wirtschaft mit den Interessen der Menschen und dem ökologischen Nutzen in Einklang zu bringen.“ (Ende des Auszugs.)

Schon bei diesen dargestellten Auffassungen wird deutlich, wie leicht es ist, jemanden zu applaudieren, der vor den dramatischen Folgen warnt, die schon demnächst eintreten wenn es nicht gelingt, Wohlstand und Energiegewinnung und –verbrauch in Einklang zu bringen. Und wie schwierig es demgegenüber ist, diese Interessen schon im regionalen Bereich in ein verträgliches Verhältnis zu bringen. Um wieviel mehr bundes- europa- oder gar weltweit. Und jeder Kompromiss führt zu der bangen Frage, ob die Natur und das Klimageschehen zuwartet?

Es gab eine Zeit, in der die Versicherung dominierte, der Klimaschutz könne tausende von Arbeitsplätzen schaffen. Nun heißt es, alles zu verhindern, was Arbeitsplätze kostet. Wo also ist der Kompromiss zwischen allen diesen Interessen?
Peter-Stefan Greiner
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Kommentare

08.12.2008, 09.50 Uhr
Blasius | Bremser am Werk
Deutschland gehörte noch Anfang des vergangenen Jahres zu den Vorreitern beim Klimaschutz. Damals ging es nur darum, ob die Atomkraftwerke möglichst bald abgeschaltet werden könnten, um durch ungefährlichere Energiegewinnung ersetzt zu werden. Selbst gegen saubere Kohlekraftwerke stemmten sich Grüne und Umweltschützer. Heute wird scheinbar alles nur noch daran gemessen, ob durch Maßnahmen zum Umweltschutz Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Als Rentner setzt man sich bei Gesprächen darüber der Gefahr aus, dafür kein Verständnis zu haben.

Als Rentner mit Verantwortungsbewusstsein denkt man aber vielleicht mehr an seine Kinder und Enkel, die in eine Zeit hineinwachsen, die mit dem Klimawandel und den Umweltbelastungen zurecht kommen müssen, die wir zulassen und ihnen bereiten. Und jeder Kompromiss, und mehr noch das, was man dafür ausgibt, wird nachfolgende Generationen belasten.

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