Do, 15:41 Uhr
06.11.2008
Als der Weltkrieg zu Ende war
Am 11.11. beginnt nicht nur die närrische Saison, in diesem Jahr jährt sich zum 90. Mal das Ende des I. Weltkrieges, an dem etwa 6500 Bürger aus Nordhausen beteiligt waren und 1048 Nordhäuser Soldaten im Krieg den Tod fanden. Jetzt gibt es über dieses Geschichtskapitel neue Erkenntnisse...
Was während der vier Kriegsjahre in Nordhausen geschah, hat jetzt der Leiter des Stadtarchivs, Hans-Jürgen Grönke, recherchiert. Die Balkankrise und die drohende Kriegsgefahr führten auch in Nordhausen zu einer starken Beunruhigung. Hunderte von Menschen wollten täglich bei den Zeitungen die Extra-Ausgaben erwerben bzw. lesen.
Geschäftsleute tauschten Papiergeld gegen Goldwährung um. Am 30. Juli 1914 versammelten sich vor dem Rathaus Sozialdemokraten zu einer Antikriegskundgebung (Foto). Am 31. Juli spricht der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Paul Reißhaus im Schützenhaus-Garten gegen die drohende Kriegsgefahr. Es kommt zu weiteren spontanen Friedenskundgebungen. Zu Kriegsbeginn werden 3000 Nordhäuser Wehrpflichtige eingezogen. 1916 waren es bereits über 5000 und im Mai 1918 etwa 6500.
Die Provinzial-Erziehungsanstalt am Weinberg wurde zum Teil als Lazarett genutzt. Im Oktober 1914 wurde dann auch noch in der Petersberg-Schule ein Reservelazarett mit 250 Betten eingerichtet. Weitere Behelfslazarette befanden sich im Schackenhof, in der Rothenburgstraße, im Krankenhaus sowie im Landratsamt. Die Schulzahnklinik und die Schulbäder werden geschlossen. Im 2. Halbjahr nimmt der Flugstützpunkt seine Arbeit als Schulungsflugplatz auf.
Im Februar 1915 wird Nordhausen wieder Garnisonsstadt, Sitz des 2. Landsturm-Infanterie-Ersatz-Bataillons. Ab 1. März 1915 werden in der Stadt die ersten Brotmarken ausgegeben - pro Tag und Person 200 Gramm. Am 9. Juni1915 wendet sich Johannes Kleinspehn, der Mitarbeiter und Schriftleiter der Redaktion der Nordhäuser Volkszeitung und der seit 1910 Mitglied der SPD war, gegen die Burgfriedenspolitik des Parteivorstandes.
Am 5. Dezember1916 wurde der Vaterländische Hilfsdienst gesetzlich eingeführt, wonach jeder nicht zum Waffendienst eingezogene Deutsche vom 17. bis 60. Lebensjahr Kriegshilfsdienste zu leisten hatte.
Um der Lebensmittelnot entgegen zu wirken, kaufte die Stadt 20.000 Zentner Kohlrüben (Kohlrübenwinter) und um die Lebensmittelnot zu mindern, wurden Wildgemüse, Beeren und Pilze gesammelt und Blätter von Brombeeren und Erdbeeren dienten als Ersatz für Kaffee und Tee.
Oskar Cohn, der als Mitglied der SPD 1911 von der Nordhäuser Sozialdemokratie als Kandidat für den Reichstag nominiert und gewählt wurde, sprach sich im Reichstag gegen die Fortsetzung des Krieges aus. Im Februar 1918 wird er in der Nordhäuser Zeitung scharf angegriffen, hinsichtlich seiner Äußerungen im Reichstag, dass der Krieg in Deutschland ausgeheckt sei.
Im Frühjahr 1917 wird in Nordhausen eine Fliegerschule mit Reparaturwerkstatt errichtet. 1918 wurde der Standort zum Militärflugplatz erweitert. Hier wurden dann Piloten und Beobachter für den Fronteinsatz ausgebildet. Die Mobilmachungsbehörde teilt dem Magistrat mit, dass demnächst das Bismarckdenkmal, der Baltzer- und Lutherbrunnen zu Kriegszwecken eingezogen werden sollen, was aber zum Glück nicht mehr erfolgte. Jedoch wurde Anfang August die größte Glocke der Stadt von der Petri-Kirche zu Kriegszwecken geopfert.
Über die gesamten Aufwendungen der Stadt während des Krieges geben folgende Zahlen einen interessanten Aufschluss. So wurden als Beihilfen für Kohlen 97.536 M, für Schuhwaren 75.451 M, für Bekleidung 14.000 M, für Lernmittel 92.010 M, für Milch 79.389 M, für Ärzte und Heilmittel 176.685 M, für Kriegsküche und Zuschüsse 164.782 M, für Krankenküche 33424 M, für Schulspeisung 23.251 M, für die Kriegsversicherung 39.150 M, für Arbeitslosenunterstützung 72.083 M gezahlt. Das waren insgesamt 3.881.457 M, von die Stadt 1.319 864 M selbst zu tragen hatte.
Am 10. November wird ein Rat der Arbeiter und Soldaten gebildet. Vorsitzender wurde Hermann Schmidt. Einen Tag später, am 11. November, wurde der Waffenstillstand unterzeichnet.
Autor: nnzWas während der vier Kriegsjahre in Nordhausen geschah, hat jetzt der Leiter des Stadtarchivs, Hans-Jürgen Grönke, recherchiert. Die Balkankrise und die drohende Kriegsgefahr führten auch in Nordhausen zu einer starken Beunruhigung. Hunderte von Menschen wollten täglich bei den Zeitungen die Extra-Ausgaben erwerben bzw. lesen.
Geschäftsleute tauschten Papiergeld gegen Goldwährung um. Am 30. Juli 1914 versammelten sich vor dem Rathaus Sozialdemokraten zu einer Antikriegskundgebung (Foto). Am 31. Juli spricht der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Paul Reißhaus im Schützenhaus-Garten gegen die drohende Kriegsgefahr. Es kommt zu weiteren spontanen Friedenskundgebungen. Zu Kriegsbeginn werden 3000 Nordhäuser Wehrpflichtige eingezogen. 1916 waren es bereits über 5000 und im Mai 1918 etwa 6500.
Die Provinzial-Erziehungsanstalt am Weinberg wurde zum Teil als Lazarett genutzt. Im Oktober 1914 wurde dann auch noch in der Petersberg-Schule ein Reservelazarett mit 250 Betten eingerichtet. Weitere Behelfslazarette befanden sich im Schackenhof, in der Rothenburgstraße, im Krankenhaus sowie im Landratsamt. Die Schulzahnklinik und die Schulbäder werden geschlossen. Im 2. Halbjahr nimmt der Flugstützpunkt seine Arbeit als Schulungsflugplatz auf.
Im Februar 1915 wird Nordhausen wieder Garnisonsstadt, Sitz des 2. Landsturm-Infanterie-Ersatz-Bataillons. Ab 1. März 1915 werden in der Stadt die ersten Brotmarken ausgegeben - pro Tag und Person 200 Gramm. Am 9. Juni1915 wendet sich Johannes Kleinspehn, der Mitarbeiter und Schriftleiter der Redaktion der Nordhäuser Volkszeitung und der seit 1910 Mitglied der SPD war, gegen die Burgfriedenspolitik des Parteivorstandes.
Am 5. Dezember1916 wurde der Vaterländische Hilfsdienst gesetzlich eingeführt, wonach jeder nicht zum Waffendienst eingezogene Deutsche vom 17. bis 60. Lebensjahr Kriegshilfsdienste zu leisten hatte.
Um der Lebensmittelnot entgegen zu wirken, kaufte die Stadt 20.000 Zentner Kohlrüben (Kohlrübenwinter) und um die Lebensmittelnot zu mindern, wurden Wildgemüse, Beeren und Pilze gesammelt und Blätter von Brombeeren und Erdbeeren dienten als Ersatz für Kaffee und Tee.
Oskar Cohn, der als Mitglied der SPD 1911 von der Nordhäuser Sozialdemokratie als Kandidat für den Reichstag nominiert und gewählt wurde, sprach sich im Reichstag gegen die Fortsetzung des Krieges aus. Im Februar 1918 wird er in der Nordhäuser Zeitung scharf angegriffen, hinsichtlich seiner Äußerungen im Reichstag, dass der Krieg in Deutschland ausgeheckt sei.
Im Frühjahr 1917 wird in Nordhausen eine Fliegerschule mit Reparaturwerkstatt errichtet. 1918 wurde der Standort zum Militärflugplatz erweitert. Hier wurden dann Piloten und Beobachter für den Fronteinsatz ausgebildet. Die Mobilmachungsbehörde teilt dem Magistrat mit, dass demnächst das Bismarckdenkmal, der Baltzer- und Lutherbrunnen zu Kriegszwecken eingezogen werden sollen, was aber zum Glück nicht mehr erfolgte. Jedoch wurde Anfang August die größte Glocke der Stadt von der Petri-Kirche zu Kriegszwecken geopfert.
Über die gesamten Aufwendungen der Stadt während des Krieges geben folgende Zahlen einen interessanten Aufschluss. So wurden als Beihilfen für Kohlen 97.536 M, für Schuhwaren 75.451 M, für Bekleidung 14.000 M, für Lernmittel 92.010 M, für Milch 79.389 M, für Ärzte und Heilmittel 176.685 M, für Kriegsküche und Zuschüsse 164.782 M, für Krankenküche 33424 M, für Schulspeisung 23.251 M, für die Kriegsversicherung 39.150 M, für Arbeitslosenunterstützung 72.083 M gezahlt. Das waren insgesamt 3.881.457 M, von die Stadt 1.319 864 M selbst zu tragen hatte.
Am 10. November wird ein Rat der Arbeiter und Soldaten gebildet. Vorsitzender wurde Hermann Schmidt. Einen Tag später, am 11. November, wurde der Waffenstillstand unterzeichnet.



