Fr, 10:58 Uhr
05.07.2002
nnz-Doku (10): Erklärung zum Theater
Nordhausen (nnz). Theater und kein Ende - so könnte man die Diskussionen zum Nordhäuser Theater bezeichnen. In der doku-Reihe veröffentlicht die nnz eine Erklärung von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD).
Worum es in der Debatte um unser Theater geht!
Die Emotionen um das Theater schlagen hoch. Viele Vermutungen und Verunglimpfungen erschweren mitunter eine sachliche Diskussion. Dabei sind die Fakten ganz einfach. Ich möchte versuchen, sie darzulegen. Es geht um die schlichte Frage: Wie kann in der Nordthüringer Region, insbesondere in den Städten Nordhausen und Sondershausen, mit einem Etat von ca. 9,5 Millionen Euro (ca. 19 Mio. DM) erfolgreich und in guter Qualität auch in Zukunft Theater gemacht und Konzerte zur Aufführung gebracht werden?
Trotz der Zusage vom Land Thüringen und den vier Gesellschaftern, die Zuschuss-Summe für das Theater bis 2008 stabil zu halten, scheint die GmbH selbst nicht der Lage zu sein, tragfähige und konsensfähige Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Aufgeschlossenheit, Mut und Phantasie für die Zukunft werden vermisst. Der ehemalige Geschäftsführer der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins formulierte zutreffend für den Zustand der öffentlichen Theater: In einer offenen und pluralistischen Gesellschaft, die sich in einem ständigen Wandlungsprozess befindet, werden Organisationen, die nicht versuchen, ihre Zukunft selbst zu gestalten, notwendig früher oder später untergehen, weil das Interesse an ihrer Aufrechterhaltung schwindet.
Die Theater Nordhausen/Lohorchester Sondershausen GmbH ist der einzige Betrieb, der seit Bestehen ohne Zuschusskürzung planen und arbeiten konnte. Im Gegensatz dazu haben in vielen anderen Bereichen der öffentlichen Ausgaben die vier Gesellschafter den Rotstift angesetzt. Seit dem 28. Mai 2001 lagen den Gesellschaftern Konsolidierungsvorschläge der Geschäftsleitung vor. Bereits damals wurde darauf hingewiesen, dass durch die zu erwartenden Tarifsteigerungen bis 2008 mit 2,9 Mio. Euro (5,8 Mio. DM) gravierende Einschnitte in die Theaterstruktur bevorstehen. Die Geschäftsleitung der GmbH sah folgende Möglichkeiten:
1. Schließung des Balletts - effektive Einsparung 343.000 Euro/Jahr
2. Verkleinerung des Lohorchesters auf 49 Musiker - effektive Einsparung 343.000 Euro/Jahr
3. Schließung der Sparte Schauspiel - effektive Einsparung ca. 942.000 Euro/Jahr
4. Schließung des Musiktheaters - effektive Einsparung 1.736.000 Euro/Jahr
5. Schließung Kinder- und Jugendtheater - effektive Einsparung 121.000 Euro/Jahr
6. Auslagerung Technik - effektive Einsparung 41.000 Euro/Jahr
7. Auflösung Loh-Orchester - effektive Einsparung 2.778.000 Euro/Jahr
Aus diesem Material wurden 5 Lösungsvorschläge entwickelt:
1. Einsparung Sparte Schauspiel (942.000 Euro/Jahr) und Fremdeinkauf (70.000 Euro/Jahr). Der Ausgleich der Differenz zu den 2,9 Mio. Euro erfolgt durch Haustarifvertrag.
2. Lineare Reduktion in allen Bereichen
3. Abschaffung Musiktheater (1.736.000 Euro/Jahr) unter Beibehaltung von Orchester, Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater
4. Lösungen außerhalb bestehender Bühnentarifstrukturen (Weimarer Modell)
5. Auflösung der GmbH und Fremdeinkauf von Gastspielen
Eine Arbeitsgruppe Theaterfinanzierung aus Geschäftsleitung und Aufsichtsratsmitgliedern entschied sich für Lösungsvorschlag 1, wohlwissend, dass auch er bis 2008 die Finanzierung nicht ohne Risiko sichert. Der Aufsichtsrat schloss sich dem Vorschlag an und brachte diese Entscheidung am 12. Juni 2002 in den Nordhäuser Stadtrat ein. Der Nordhäuser Stadtrat stimmte dem Beschluss nicht zu, da er ein ständiges Angebot im Bereich des Schauspiels auch in der kleinen Form für unverzichtbar hält. Außerdem war ihm klar, dass auch dieser Vorschlag bis zum Jahre 2008 nicht durchfinanziert und nur bis 2006 tragfähig ist. Zudem ließ er keine Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Thüringer Theatern zu, denn weder Weimar noch Erfurt und Eisenach schienen bereit zu sein, von Nordhausen Musiktheater abzukaufen.
Auch die jetzt zur Entscheidung anstehende modifizierte Lösungsmöglichkeit 2, die mit der Gründung einer zweiten GmbH untersetzt wird, verschont das Theater leider nicht vor schmerzlichen Einschnitten. Fachkundige Beratung auch außerhalb des Theaters wird weiterhin in Anspruch genommen werden müssen.
Barbara Rinke, Oberbürgermeisterin der Stadt Nordhausen
Autor: nnzWorum es in der Debatte um unser Theater geht!
Die Emotionen um das Theater schlagen hoch. Viele Vermutungen und Verunglimpfungen erschweren mitunter eine sachliche Diskussion. Dabei sind die Fakten ganz einfach. Ich möchte versuchen, sie darzulegen. Es geht um die schlichte Frage: Wie kann in der Nordthüringer Region, insbesondere in den Städten Nordhausen und Sondershausen, mit einem Etat von ca. 9,5 Millionen Euro (ca. 19 Mio. DM) erfolgreich und in guter Qualität auch in Zukunft Theater gemacht und Konzerte zur Aufführung gebracht werden?
Trotz der Zusage vom Land Thüringen und den vier Gesellschaftern, die Zuschuss-Summe für das Theater bis 2008 stabil zu halten, scheint die GmbH selbst nicht der Lage zu sein, tragfähige und konsensfähige Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Aufgeschlossenheit, Mut und Phantasie für die Zukunft werden vermisst. Der ehemalige Geschäftsführer der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins formulierte zutreffend für den Zustand der öffentlichen Theater: In einer offenen und pluralistischen Gesellschaft, die sich in einem ständigen Wandlungsprozess befindet, werden Organisationen, die nicht versuchen, ihre Zukunft selbst zu gestalten, notwendig früher oder später untergehen, weil das Interesse an ihrer Aufrechterhaltung schwindet.
Die Theater Nordhausen/Lohorchester Sondershausen GmbH ist der einzige Betrieb, der seit Bestehen ohne Zuschusskürzung planen und arbeiten konnte. Im Gegensatz dazu haben in vielen anderen Bereichen der öffentlichen Ausgaben die vier Gesellschafter den Rotstift angesetzt. Seit dem 28. Mai 2001 lagen den Gesellschaftern Konsolidierungsvorschläge der Geschäftsleitung vor. Bereits damals wurde darauf hingewiesen, dass durch die zu erwartenden Tarifsteigerungen bis 2008 mit 2,9 Mio. Euro (5,8 Mio. DM) gravierende Einschnitte in die Theaterstruktur bevorstehen. Die Geschäftsleitung der GmbH sah folgende Möglichkeiten:
1. Schließung des Balletts - effektive Einsparung 343.000 Euro/Jahr
2. Verkleinerung des Lohorchesters auf 49 Musiker - effektive Einsparung 343.000 Euro/Jahr
3. Schließung der Sparte Schauspiel - effektive Einsparung ca. 942.000 Euro/Jahr
4. Schließung des Musiktheaters - effektive Einsparung 1.736.000 Euro/Jahr
5. Schließung Kinder- und Jugendtheater - effektive Einsparung 121.000 Euro/Jahr
6. Auslagerung Technik - effektive Einsparung 41.000 Euro/Jahr
7. Auflösung Loh-Orchester - effektive Einsparung 2.778.000 Euro/Jahr
Aus diesem Material wurden 5 Lösungsvorschläge entwickelt:
1. Einsparung Sparte Schauspiel (942.000 Euro/Jahr) und Fremdeinkauf (70.000 Euro/Jahr). Der Ausgleich der Differenz zu den 2,9 Mio. Euro erfolgt durch Haustarifvertrag.
2. Lineare Reduktion in allen Bereichen
3. Abschaffung Musiktheater (1.736.000 Euro/Jahr) unter Beibehaltung von Orchester, Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater
4. Lösungen außerhalb bestehender Bühnentarifstrukturen (Weimarer Modell)
5. Auflösung der GmbH und Fremdeinkauf von Gastspielen
Eine Arbeitsgruppe Theaterfinanzierung aus Geschäftsleitung und Aufsichtsratsmitgliedern entschied sich für Lösungsvorschlag 1, wohlwissend, dass auch er bis 2008 die Finanzierung nicht ohne Risiko sichert. Der Aufsichtsrat schloss sich dem Vorschlag an und brachte diese Entscheidung am 12. Juni 2002 in den Nordhäuser Stadtrat ein. Der Nordhäuser Stadtrat stimmte dem Beschluss nicht zu, da er ein ständiges Angebot im Bereich des Schauspiels auch in der kleinen Form für unverzichtbar hält. Außerdem war ihm klar, dass auch dieser Vorschlag bis zum Jahre 2008 nicht durchfinanziert und nur bis 2006 tragfähig ist. Zudem ließ er keine Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Thüringer Theatern zu, denn weder Weimar noch Erfurt und Eisenach schienen bereit zu sein, von Nordhausen Musiktheater abzukaufen.
Auch die jetzt zur Entscheidung anstehende modifizierte Lösungsmöglichkeit 2, die mit der Gründung einer zweiten GmbH untersetzt wird, verschont das Theater leider nicht vor schmerzlichen Einschnitten. Fachkundige Beratung auch außerhalb des Theaters wird weiterhin in Anspruch genommen werden müssen.
Barbara Rinke, Oberbürgermeisterin der Stadt Nordhausen

