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Do, 11:33 Uhr
04.07.2002

Raus aus der Bananenrepublik?

Nordhausen (nnz). Mit insgesamt 7,7 Millionen Unterschriften wurde die Apotheker-Lobby mit ihrem Protest gegen den Versandhandel in Berlin vorstellig. Trotzdem will die Bundesregierung an der Zulassung der Internet-Apotheke festhalten, wie nnz erfuhr.


„Wir müssen vorbereitend reagieren“, sagte Gudrun Schaich-Walch, Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium gestern in Berlin. Und diese Zulassung soll alsbald erfolgen, um damit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes zuvorzukommen, von dem man erwartet, dass diese Zulassung bewirkt werden soll. Anlass der Aussage der Staatssekretärin war die Überreichung von 7,7 Millionen Unterschriften gegen die Zulassung des Versandhandels durch den Präsidenten des Zentralverbandes Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Hans Günter Friese. Die Unterschriften waren in den vergangenen zwei Monaten gesammelt worden.

Im Frühjahr 2003 wird der Europäische Gerichtshof darüber entscheiden, ob das seit 1998 geltende deutsche Verbot des Apotheken-Versandhandels zulässig ist. Das Gesundheitsministerium geht davon aus, dass das Verbot dann aufgehoben werden wird. Schon jetzt können sich deutsche Patienten problemlos Medikamente aus Internet-Apotheken in den Niederlanden oder der Schweiz besorgen. Die Medikamente via Versand sind oft billiger als in der Apotheke. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt erhofft sich von der Einführung des Versandhandels über die Belebung des Wettbewerbs Kostenersparnisse, die Experten auf 300 Millionen Euro beziffern

Die Apotheker dagegen fürchten angesichts der Konkurrenz aus dem Netz um ihre Existenz. „Der Versandhandel zerstört das bewährte System der unabhängigen, wohnortnahen Arzneimittelversorgung durch die öffentlichen Apotheken“, sagte ABDA-Präsident Friese. Die Apotheker behaupten, dass die Internet-Apotheke die Sicherheit, Qualität und Schnelligkeit beim Medikamentenverkauf beeinträchtigen werde. Daran glaubt die Bundesregierung nicht: „Diese Ängste sind absolut unbegründet“, konterte Staatssekretärin Schaich-Walch. Denn ihr zufolge soll gesichert werden, dass die Krankenkassen die Kosten für Medikamente aus der Internet-Apotheke nur erstatten dürfen, wenn diese die Qualitätsnormen einer Apotheke erfüllen. Zudem sollen sich die Versandhändler finanziell an Nacht- und Feiertagsdiensten der öffentlichen Apotheken beteiligen. Europaweit müssen gleiche Sicherheitsstandards etabliert werden, sagte Schaich-Walch.

Seit einigen Monaten schon tobt der Kampf der Apotheken gegen den Feind aus dem Internet. Das ging so weit, dass Apotheken im Raum Bonn-Siegburg die Gmünder Ersatzkasse boykottierten, da diese den Versandhandel einführen wollte. Dass darauf auch die KKH drängt, berichtete jüngst nnz.
Autor: nnz

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