Sa, 08:42 Uhr
04.10.2008
nnz-doku: Dank für das Engagement
Gestern sind zahlreiche Nordhäuser für ihre ehrenamtlich Arbeit geehrt worden. Im Theater hielt Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) eine Festrede, die die nnz in ihrer doku-Reihe veröffentlicht.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich begrüße Sie am Abend des 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, hier in unserem Nordhäuser Theater auf das Allerherzlichste.
Man sieht nur mit dem Herzen gut, so schlicht und doch so eindrücklich und zielgenau formuliert der Schriftsteller Saint d’Exupéry in seinem Buch Der kleine Prinz den Stoff, der eine Gesellschaft zusammenhält.
In unserer modernen Gesellschaft scheint dieser Blick vom Herzen her immer mehr verdrängt zu werden. Vielfach werden Menschen, die dies einfordern, als Sozialromantiker und naive Gutmenschen abgetan.
Doch ohne gegenseitige Anerkennung und Respekt würde unsere Gesellschaft nur noch zu einem hohlen Funktionalismus verkommen, bei dem Vieles auf der Strecke bliebe. Doch Anerkennung setzt als Wichtigstes Respekt voraus. Dass Respekt als totgesagte Tugend scheinbar wieder einen neuen Aufschwung erlebt, hat viele Gründe. Sicher ist es zum einen das Klima von Respektlosigkeit, Enthüllungen und Verdächtigungen, von Schuldzuweisungen und Vorurteilen, das uns in öffentlichen Diskussionen, aber auch an Biertischen entgegenschlägt.
Zum anderen haben viele Menschen das Gefühl, sie werden nur noch anerkannt, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen:
Ein gutes Abitur, den festen Job, ein sicheres Einkommen, eine stabile Gesundheit, wenn sie uneingeschränkt leistungsfähig sind, flexibel und kompatibel, eben der marktgerechte Mensch.
Wer den Arbeitsplatz, die Gesundheit, die Selbständigkeit, das glatte Gesicht, die makellose Figur verliert, hat die heimliche Angst, damit seinen Anspruch auf Achtung und Beachtung zu verwirken.
Deshalb ist dieser Blick vom Herzen her so nötig und so wichtig, gerade auch in schwierigen Lebenslagen. Denn jeder Mensch sehnt sich danach, von anderen respektiert zu werden und jeder fühlt sich verletzt, wenn er respektlos behandelt wird.
Das Wort Respekt kommt von dem Lateinischen respicere, das Zurücksehen bedeutet und somit Rücksicht meint.
Die Sicht mit dem Herzen bedeutet deshalb vor allem die Rücksicht. Es bedeutet, darauf zu achten, den anderen nicht zu verletzen und ihn in seinen Bedürfnissen zu respektieren. Gemeint ist ein Respekt, der den anderen achtet und ihn in seiner Menschenwürde anerkennt, egal woher er oder sie kommt, wie er oder sie aussieht.
Dieser Respekt meint nicht dass, was früher darunter verstanden wurde – ritualisierte Höflichkeit, Gehorsam, Obrigkeitsgläubigkeit. Es geht vielmehr um die gleiche Augenhöhe, um den Respekt, der von Herzen kommt, um die gegenseitige Achtung, um eine bestimmte Art der Zuwendung. Der Sozialhistoriker Christopher Lasch bringt es auf den Punkt: Wir müssen zunächst unsere prinzipielle Abhängigkeit von anderen Menschen anerkennen und gleichzeitig akzeptieren, dass sie dennoch von uns getrennt bleiben und sich weigern, sich unseren Wünschen zu unterwerfen. Respekt erweise sich in der Anerkennung der anderen, nicht als Projektion unserer eigenen Wünsche. Dieser Bereitschaft, den anderen grundsätzlich anzuerkennen, stehen sich heute in unserer Gesellschaft zu viele aufgeblähte Egos gegenüber. (Und da denke ich nicht nur an die Börsianer an der Wall-Street, die inzwischen ganz kleinlaut geworden sind).
Doch es gibt eben auch die andere Seite, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Sie alle sind heute Abend hier in dieses Theater eingeladen, weil sie diesem weit verbreiteten Egoismus Ihr Engagement für das Gemeinwesen entgegensetzen. Sie haben sie nicht verlernt, diese Sicht mit dem Herzen und mit ihnen die vielen Ehrenamtlichen in unserem Land.
Insgesamt leisten rund 22 Millionen Menschen, d.h. rund 1/3 aller Bundesbürger in Deutschland, ehrenamtliche Arbeit bei sozialen Organisationen, in Bürgerinitiativen, in Vereinen und Verbänden. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit rund 36 % der Freiwilligen im Mittelfeld, in Großbritannien sind es beispielsweise 48 %, in den USA 56 %. Die mit Abstand populärsten Engagementbereiche sind nach wie vor Sport und Bewegung, Freizeit und Geselligkeit und Schule und Kindergarten.
Der Bereich Soziales ist seit 1999 am stärksten gewachsen und nimmt nunmehr den dritten Rang aller freiwilligen Aktivitäten ein. Bei 60.000 Kindern in Thüringen, die unter Kinderarmut leiden, muss dieser Bereich an die erste Stelle rücken. Natürlich ist hier als erstes der Staat gefragt. Der Bund, das Land, Landkreise und Kommunen müssen hier schnell und zielgerichtet helfen. Aber wir brauchen eben auch diese ganz unbürokratische Hilfe von Vereinen, Initiativen, der Nachbarschaft und jedem einzelnen von uns.
Ohne dieses bürgerschaftliche Engagement der vielen freiwillig Aktiven gäbe es sicher weniger Menschlichkeit und Wärme in unserer Gesellschaft. Der Staat, unsere Gesellschaft, die Vereine und Verbände und die kommunale Selbstverwaltung in unseren Städten und Gemeinden benötigen die vielen ehrenamtlich tätigen Menschen, wie die Luft zum Atmen. Denn freiwillige und ehrenamtliche Tätigkeit umfasst nahezu alle Bereiche der Gesellschaft: Politik, Kultur, Justiz, Freizeit, Jugendarbeit, Sport, Kirchen, Gesundheit und Sozialwesen, Katastrophenschutz und Rettungswesen, Arbeitsschutz, die Tarifparteien in der Wirtschaft, Schule und Wissenschaft, Umwelt und Naturschutz und so weiter. Staat und Gesellschaft, Land, Kreis, Stadt und Gemeinde haben deshalb auch ein fundamentales Interesse am freiwilligen Engagement der Bürger in vielen Bereichen der Gesellschaft.
Und viele notwendige, nützliche und kulturell wichtige Aktivitäten in unserer Gesellschaft wären ohne den Einsatz von Ehrenamtlichen und Freiwilligen gar nicht denkbar. Denken Sie nur beispielsweise an die vielen karitativen Einrichtungen, die Musik- und Theatergruppen, die Sportvereine, die Betreuung chronisch Kranker, die freiwilligen Feuerwehren bis hin zu den ehrenamtlichen Schiedsleuten und -richtern.
Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, wissen, Sie werden gebraucht. Sie haben mit Ihrem Engagement einen festen Platz in unserer Bürgergesellschaft. Sie setzen Ihre Kraft und Zeit ein, aber bekommen dafür auch etwas zurück: Respekt und Anerkennung. Sie empfinden Freude am gemeinsamen Tun, denn wo Bürgerinnen und Bürger handfest erleben, dass sie selbst ihr eigenes Gemeinwesen gestalten, wächst auch die Verbundenheit zu ihrer eigenen Gemeinde, zu ihrer Stadt. So gesehen müssen schwierige Zeiten eben keineswegs automatisch unglückliche Zeiten sein. Sie sind es für diejenigen nicht, die entschlossen darangehen, einen eigenen Beitrag zu leisten. Deshalb ist auch die Idee der Bürgergesellschaft eine wichtige Voraussetzung für soziale Teilhabe, für eine funktionierende Demokratie.
Man kann die Tätigkeiten, die im Ehrenamt ausgeführt werden, gar nicht hoch genug veranschlagen. Unsere Gesellschaft wäre ohne dieses ehrenamtliche Engagement nicht nur gefühlsärmer und unpersönlicher; ein funktionierendes Gemeinwesen ist ohne solches Engagement - wie ich glaube – eigentlich gar nicht denkbar.
Oft sind es gerade die kleinen Gesten und Taten, eben dieser Blick vom Herzen her, der das Zusammenleben verbessert. Das Bürgerengagement beginnt dort, wo einer dem anderen die Hand reicht oder dort, wo man einen Blick hat für die kleinen Nöte seiner Mitmenschen und darauf reagiert. Für mich sind die besten Antriebsfedern für bürgerschaftliches Engagement die Freude am Leben, die Lust auf eine lebendige Gemeinschaft mit anderen Menschen und der Spaß am Gestalten der eigenen Lebenswelt. Und natürlich dieser Blick mit dem Herzen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren
Heute begehen wir den 18. Jahrestag der deutschen Einheit. Ein guter Anlass Ihnen für Ihr Engagement zu danken - aber auch ein guter Anlass, um auf das kommende Jahre 2009 zu blicken.
Es wird das 20. Jahr nach der Wende sein und ein Jahr mit vielen Wahlen. Wir werden mit Respekt und Anerkennung auf das zurückschauen, was in den letzten 20 Jahren bewegt wurde, und an dem Sie alle Ihren Anteil haben, aber auch auf das, was unsere Mütter und Väter in der Zeit der DDR geleistet haben.
Bei all dem sollte uns eines ganz besonders am Herzen liegen: Es ist der Schutz und die Festigung unserer demokratischen Ordnung. Es ist die Möglichkeit, in Frieden unter einer demokratischen Verfassung leben und mit gestalten zu können. Das Leitbild einer solidarischen Bürger-gesellschaft dürfen von uns von niemandem zerreden noch zerstören lassen. Bürgerschaftliches Engagement ist das demokratische Nahrungsmittel unserer Gesellschaft. Nur so setzen wir Tendenzen, wie dem Rechtsradikalismus, der Intoleranz, der Nichtintegration oder der Vereinzelung, eine sozial intakte solidarische Gesellschaft als unser Modell für ein werteorientiertes Zusammenleben entgegen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Sinn und Zweck unserer heutigen Feierstunde ist es, Ihre langjährige unsichtbare Arbeit ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen, sie zu würdigen und denen, die sie geleistet haben, Respekt und Anerkennung zu bekunden. Ihnen allen gilt heute mein aufrichtiger Dank, tragen Sie mit Ihrem Bürgerengagement doch dazu bei, unser Land, unsere Heimat, ja unsere Stadt lebendiger, facettenreicher, vielschichtiger und bunter zu gestalten.
Für Ihr weiteres Wirken wünsche ich Ihnen weiterhin viel Freude, Kraft, Ausdauer und stets den Blick mit dem Herzen. Dann werden wir gemeinsam für diese Stadt und ihre Bürger auch im nächsten Jahr wieder einiges in Bewegung bringen.
Autor: nnzMeine sehr geehrten Damen und Herren,
ich begrüße Sie am Abend des 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, hier in unserem Nordhäuser Theater auf das Allerherzlichste.
Man sieht nur mit dem Herzen gut, so schlicht und doch so eindrücklich und zielgenau formuliert der Schriftsteller Saint d’Exupéry in seinem Buch Der kleine Prinz den Stoff, der eine Gesellschaft zusammenhält.
In unserer modernen Gesellschaft scheint dieser Blick vom Herzen her immer mehr verdrängt zu werden. Vielfach werden Menschen, die dies einfordern, als Sozialromantiker und naive Gutmenschen abgetan.
Doch ohne gegenseitige Anerkennung und Respekt würde unsere Gesellschaft nur noch zu einem hohlen Funktionalismus verkommen, bei dem Vieles auf der Strecke bliebe. Doch Anerkennung setzt als Wichtigstes Respekt voraus. Dass Respekt als totgesagte Tugend scheinbar wieder einen neuen Aufschwung erlebt, hat viele Gründe. Sicher ist es zum einen das Klima von Respektlosigkeit, Enthüllungen und Verdächtigungen, von Schuldzuweisungen und Vorurteilen, das uns in öffentlichen Diskussionen, aber auch an Biertischen entgegenschlägt.
Zum anderen haben viele Menschen das Gefühl, sie werden nur noch anerkannt, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen:
Ein gutes Abitur, den festen Job, ein sicheres Einkommen, eine stabile Gesundheit, wenn sie uneingeschränkt leistungsfähig sind, flexibel und kompatibel, eben der marktgerechte Mensch.
Wer den Arbeitsplatz, die Gesundheit, die Selbständigkeit, das glatte Gesicht, die makellose Figur verliert, hat die heimliche Angst, damit seinen Anspruch auf Achtung und Beachtung zu verwirken.
Deshalb ist dieser Blick vom Herzen her so nötig und so wichtig, gerade auch in schwierigen Lebenslagen. Denn jeder Mensch sehnt sich danach, von anderen respektiert zu werden und jeder fühlt sich verletzt, wenn er respektlos behandelt wird.
Das Wort Respekt kommt von dem Lateinischen respicere, das Zurücksehen bedeutet und somit Rücksicht meint.
Die Sicht mit dem Herzen bedeutet deshalb vor allem die Rücksicht. Es bedeutet, darauf zu achten, den anderen nicht zu verletzen und ihn in seinen Bedürfnissen zu respektieren. Gemeint ist ein Respekt, der den anderen achtet und ihn in seiner Menschenwürde anerkennt, egal woher er oder sie kommt, wie er oder sie aussieht.
Dieser Respekt meint nicht dass, was früher darunter verstanden wurde – ritualisierte Höflichkeit, Gehorsam, Obrigkeitsgläubigkeit. Es geht vielmehr um die gleiche Augenhöhe, um den Respekt, der von Herzen kommt, um die gegenseitige Achtung, um eine bestimmte Art der Zuwendung. Der Sozialhistoriker Christopher Lasch bringt es auf den Punkt: Wir müssen zunächst unsere prinzipielle Abhängigkeit von anderen Menschen anerkennen und gleichzeitig akzeptieren, dass sie dennoch von uns getrennt bleiben und sich weigern, sich unseren Wünschen zu unterwerfen. Respekt erweise sich in der Anerkennung der anderen, nicht als Projektion unserer eigenen Wünsche. Dieser Bereitschaft, den anderen grundsätzlich anzuerkennen, stehen sich heute in unserer Gesellschaft zu viele aufgeblähte Egos gegenüber. (Und da denke ich nicht nur an die Börsianer an der Wall-Street, die inzwischen ganz kleinlaut geworden sind).
Doch es gibt eben auch die andere Seite, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Sie alle sind heute Abend hier in dieses Theater eingeladen, weil sie diesem weit verbreiteten Egoismus Ihr Engagement für das Gemeinwesen entgegensetzen. Sie haben sie nicht verlernt, diese Sicht mit dem Herzen und mit ihnen die vielen Ehrenamtlichen in unserem Land.
Insgesamt leisten rund 22 Millionen Menschen, d.h. rund 1/3 aller Bundesbürger in Deutschland, ehrenamtliche Arbeit bei sozialen Organisationen, in Bürgerinitiativen, in Vereinen und Verbänden. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit rund 36 % der Freiwilligen im Mittelfeld, in Großbritannien sind es beispielsweise 48 %, in den USA 56 %. Die mit Abstand populärsten Engagementbereiche sind nach wie vor Sport und Bewegung, Freizeit und Geselligkeit und Schule und Kindergarten.
Der Bereich Soziales ist seit 1999 am stärksten gewachsen und nimmt nunmehr den dritten Rang aller freiwilligen Aktivitäten ein. Bei 60.000 Kindern in Thüringen, die unter Kinderarmut leiden, muss dieser Bereich an die erste Stelle rücken. Natürlich ist hier als erstes der Staat gefragt. Der Bund, das Land, Landkreise und Kommunen müssen hier schnell und zielgerichtet helfen. Aber wir brauchen eben auch diese ganz unbürokratische Hilfe von Vereinen, Initiativen, der Nachbarschaft und jedem einzelnen von uns.
Ohne dieses bürgerschaftliche Engagement der vielen freiwillig Aktiven gäbe es sicher weniger Menschlichkeit und Wärme in unserer Gesellschaft. Der Staat, unsere Gesellschaft, die Vereine und Verbände und die kommunale Selbstverwaltung in unseren Städten und Gemeinden benötigen die vielen ehrenamtlich tätigen Menschen, wie die Luft zum Atmen. Denn freiwillige und ehrenamtliche Tätigkeit umfasst nahezu alle Bereiche der Gesellschaft: Politik, Kultur, Justiz, Freizeit, Jugendarbeit, Sport, Kirchen, Gesundheit und Sozialwesen, Katastrophenschutz und Rettungswesen, Arbeitsschutz, die Tarifparteien in der Wirtschaft, Schule und Wissenschaft, Umwelt und Naturschutz und so weiter. Staat und Gesellschaft, Land, Kreis, Stadt und Gemeinde haben deshalb auch ein fundamentales Interesse am freiwilligen Engagement der Bürger in vielen Bereichen der Gesellschaft.
Und viele notwendige, nützliche und kulturell wichtige Aktivitäten in unserer Gesellschaft wären ohne den Einsatz von Ehrenamtlichen und Freiwilligen gar nicht denkbar. Denken Sie nur beispielsweise an die vielen karitativen Einrichtungen, die Musik- und Theatergruppen, die Sportvereine, die Betreuung chronisch Kranker, die freiwilligen Feuerwehren bis hin zu den ehrenamtlichen Schiedsleuten und -richtern.
Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, wissen, Sie werden gebraucht. Sie haben mit Ihrem Engagement einen festen Platz in unserer Bürgergesellschaft. Sie setzen Ihre Kraft und Zeit ein, aber bekommen dafür auch etwas zurück: Respekt und Anerkennung. Sie empfinden Freude am gemeinsamen Tun, denn wo Bürgerinnen und Bürger handfest erleben, dass sie selbst ihr eigenes Gemeinwesen gestalten, wächst auch die Verbundenheit zu ihrer eigenen Gemeinde, zu ihrer Stadt. So gesehen müssen schwierige Zeiten eben keineswegs automatisch unglückliche Zeiten sein. Sie sind es für diejenigen nicht, die entschlossen darangehen, einen eigenen Beitrag zu leisten. Deshalb ist auch die Idee der Bürgergesellschaft eine wichtige Voraussetzung für soziale Teilhabe, für eine funktionierende Demokratie.
Man kann die Tätigkeiten, die im Ehrenamt ausgeführt werden, gar nicht hoch genug veranschlagen. Unsere Gesellschaft wäre ohne dieses ehrenamtliche Engagement nicht nur gefühlsärmer und unpersönlicher; ein funktionierendes Gemeinwesen ist ohne solches Engagement - wie ich glaube – eigentlich gar nicht denkbar.
Oft sind es gerade die kleinen Gesten und Taten, eben dieser Blick vom Herzen her, der das Zusammenleben verbessert. Das Bürgerengagement beginnt dort, wo einer dem anderen die Hand reicht oder dort, wo man einen Blick hat für die kleinen Nöte seiner Mitmenschen und darauf reagiert. Für mich sind die besten Antriebsfedern für bürgerschaftliches Engagement die Freude am Leben, die Lust auf eine lebendige Gemeinschaft mit anderen Menschen und der Spaß am Gestalten der eigenen Lebenswelt. Und natürlich dieser Blick mit dem Herzen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren
Heute begehen wir den 18. Jahrestag der deutschen Einheit. Ein guter Anlass Ihnen für Ihr Engagement zu danken - aber auch ein guter Anlass, um auf das kommende Jahre 2009 zu blicken.
Es wird das 20. Jahr nach der Wende sein und ein Jahr mit vielen Wahlen. Wir werden mit Respekt und Anerkennung auf das zurückschauen, was in den letzten 20 Jahren bewegt wurde, und an dem Sie alle Ihren Anteil haben, aber auch auf das, was unsere Mütter und Väter in der Zeit der DDR geleistet haben.
Bei all dem sollte uns eines ganz besonders am Herzen liegen: Es ist der Schutz und die Festigung unserer demokratischen Ordnung. Es ist die Möglichkeit, in Frieden unter einer demokratischen Verfassung leben und mit gestalten zu können. Das Leitbild einer solidarischen Bürger-gesellschaft dürfen von uns von niemandem zerreden noch zerstören lassen. Bürgerschaftliches Engagement ist das demokratische Nahrungsmittel unserer Gesellschaft. Nur so setzen wir Tendenzen, wie dem Rechtsradikalismus, der Intoleranz, der Nichtintegration oder der Vereinzelung, eine sozial intakte solidarische Gesellschaft als unser Modell für ein werteorientiertes Zusammenleben entgegen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Sinn und Zweck unserer heutigen Feierstunde ist es, Ihre langjährige unsichtbare Arbeit ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen, sie zu würdigen und denen, die sie geleistet haben, Respekt und Anerkennung zu bekunden. Ihnen allen gilt heute mein aufrichtiger Dank, tragen Sie mit Ihrem Bürgerengagement doch dazu bei, unser Land, unsere Heimat, ja unsere Stadt lebendiger, facettenreicher, vielschichtiger und bunter zu gestalten.
Für Ihr weiteres Wirken wünsche ich Ihnen weiterhin viel Freude, Kraft, Ausdauer und stets den Blick mit dem Herzen. Dann werden wir gemeinsam für diese Stadt und ihre Bürger auch im nächsten Jahr wieder einiges in Bewegung bringen.

