Mi, 13:21 Uhr
03.07.2002
"Richtige Berater müssen her!"
Nordhausen (nnz). Wie weiter mit dem Nordhäuser Theater? Der Stadtrat hatte sich mit seiner Variante am Montag zur Beantwortung dieser Frage bekannt. nnz sprach heute mit Generalmusikdirektor Peter Stangel.
Stangel, der noch bis Ende Juli offiziell GMD in Nordhausen und Sondershausen arbeitet, macht derzeit Urlaub in München. Natürlich beobachtet er interessiert per nnz die Geschehnisse um das Theater. Als sehr schlimm bezeichnet er die gegenwärtige Situation. Aber: Sie war abzusehen und das schon vor zwei Jahren. Damals habe ich das mehrfach dem Aufsichtsrat der GmbH mitgeteilt und Entwicklungen aufgezeichnet, so Peter Stangel. Seiner Meinung nach hätte mindestens ein großer Teil der Personalkostensteigerungen aufgefangen werden können, er erinnert zum Beispiel an eine angedachte Werbeaktion mit mehreren Musikschulen und andere Vorhaben.
Warum haben wir nicht in Heiligenstadt gespielt, so seine Frage. Pro Gastspiel hätten 5.000 Euro eingespielt werden können, zehn Abstecher pro Jahr ins Eichsfeld wären möglich gewesen. Kritisch geht Stangel allerdings mit dem Erhalt der Schauspielsparte um. Er verstehe nicht, warum eine Sparte gehalten werden soll, die sich keiner großen Publikumsresonanz erfreut. Warum wurden Stücke aufgeführt, die überregional zwar zur Profilierung der Macher dienten und die von Kritikern gewürdigt wurden, die aber auf eine eher bescheidene Resonanz bei den Zuschauern stießen?
Eine jetzt angedachte Aufsplittung der GmbH bringe nichts, Strukturveränderung zeigen bei Theatern kaum Wirkung. Das hätten fast alle bisherigen Versuche in der deutschsprachigen Theaterlandschaft gezeigt. Die entscheidende Strukturveränderung hatten wir vor zehn Jahren mit der Gründung der GmbH. Zwar könne man auch das Orchester reduzieren - die angedachte schrumpfung wäre für den ausgewiesenen Fachmann machbar - dann aber müsse mit Fachkompetenz und sehr behutsam herangegangen werden. Wie will ich es machen, was wird gebraucht - heute und morgen? Diese Fragen müssen vor einem Stellenabbau gestellt und beantwortet werden.
Gerade diese beiden Fragen besitzen laut Stangel nicht nur für das Orchester ihre Gültigkeit, sondern für die Zukunft des Hauses allgemein. Alles behalten zu wollen, das wäre kompletter Unsinn. Es ist leichter, ein Schauspiel zu importieren, als eine Oper oder Operette, ist sich der GMD ziemlich sicher. Ein solcher Zwang zum Erhalt eines Drei-Sparten-Theaters hätte - außer in Coburg - in keiner vergleichbaren Stadt in Deutschland funktioniert. Stangel wünscht sich für das Nordhäuser Theater und für die, die dessen Zukunft zu verantworten haben, sehr gute Berater. Nur mit Leuten, die bestenfalls eine Premiere mit geschenkten Karten besuchen würden, sei der Weg in eine Nordhäuser akzeptable Theaterzukunft allein nicht zu beschreiten.
Autor: nnzStangel, der noch bis Ende Juli offiziell GMD in Nordhausen und Sondershausen arbeitet, macht derzeit Urlaub in München. Natürlich beobachtet er interessiert per nnz die Geschehnisse um das Theater. Als sehr schlimm bezeichnet er die gegenwärtige Situation. Aber: Sie war abzusehen und das schon vor zwei Jahren. Damals habe ich das mehrfach dem Aufsichtsrat der GmbH mitgeteilt und Entwicklungen aufgezeichnet, so Peter Stangel. Seiner Meinung nach hätte mindestens ein großer Teil der Personalkostensteigerungen aufgefangen werden können, er erinnert zum Beispiel an eine angedachte Werbeaktion mit mehreren Musikschulen und andere Vorhaben.
Warum haben wir nicht in Heiligenstadt gespielt, so seine Frage. Pro Gastspiel hätten 5.000 Euro eingespielt werden können, zehn Abstecher pro Jahr ins Eichsfeld wären möglich gewesen. Kritisch geht Stangel allerdings mit dem Erhalt der Schauspielsparte um. Er verstehe nicht, warum eine Sparte gehalten werden soll, die sich keiner großen Publikumsresonanz erfreut. Warum wurden Stücke aufgeführt, die überregional zwar zur Profilierung der Macher dienten und die von Kritikern gewürdigt wurden, die aber auf eine eher bescheidene Resonanz bei den Zuschauern stießen?
Eine jetzt angedachte Aufsplittung der GmbH bringe nichts, Strukturveränderung zeigen bei Theatern kaum Wirkung. Das hätten fast alle bisherigen Versuche in der deutschsprachigen Theaterlandschaft gezeigt. Die entscheidende Strukturveränderung hatten wir vor zehn Jahren mit der Gründung der GmbH. Zwar könne man auch das Orchester reduzieren - die angedachte schrumpfung wäre für den ausgewiesenen Fachmann machbar - dann aber müsse mit Fachkompetenz und sehr behutsam herangegangen werden. Wie will ich es machen, was wird gebraucht - heute und morgen? Diese Fragen müssen vor einem Stellenabbau gestellt und beantwortet werden.
Gerade diese beiden Fragen besitzen laut Stangel nicht nur für das Orchester ihre Gültigkeit, sondern für die Zukunft des Hauses allgemein. Alles behalten zu wollen, das wäre kompletter Unsinn. Es ist leichter, ein Schauspiel zu importieren, als eine Oper oder Operette, ist sich der GMD ziemlich sicher. Ein solcher Zwang zum Erhalt eines Drei-Sparten-Theaters hätte - außer in Coburg - in keiner vergleichbaren Stadt in Deutschland funktioniert. Stangel wünscht sich für das Nordhäuser Theater und für die, die dessen Zukunft zu verantworten haben, sehr gute Berater. Nur mit Leuten, die bestenfalls eine Premiere mit geschenkten Karten besuchen würden, sei der Weg in eine Nordhäuser akzeptable Theaterzukunft allein nicht zu beschreiten.

