Di, 14:11 Uhr
09.09.2008
An der Realität vorbei
Warum braucht man heutzutage in der Schule noch die Physik? Das Fach soll an den Gymnasien kein Pflichtfach bis zum Abitur sein. So werden vielleicht die Abiturdurchschnitte verbessert, die Wirtschaft im Freistaat hat dafür wenig Verständnis...
Zu einer deutlichen Kritik seitens der Wirtschaft führt die Nachricht aus dem Thüringer Kultusministerium, dass nunmehr das Fach Physik doch kein Pflichtfach bis zum Abitur sein soll. Die Begründung, dass damit eine Ungleichbehandlung der Naturwissenschaften verhindert wird, ist offensichtlich dem alten Streit geschuldet, welches Fach denn wichtiger sei und geht an der Realität vorbei, erklärt Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt. Damit werden Schritte in die richtige Richtung, wie die stärkere Orientierung an den Anforderungen unserer Wissens- und Leistungsgesellschaft durch die Abkehr vom früheren Kurssystem, wieder aufgeweicht.
Die mit der Reform der gymnasialen Oberstufe angestrebte Stärkung der Naturwissenschaften wurde von Vertretern der Wirtschaft ebenso begrüßt, wie die Einführung eines neuen Faches Mensch, Natur, Technik in den Klassen 5 und 6 des Gymnasiums.
Stärkung der Naturwissenschaften heißt für uns aber auch in erster Linie, die dabei gewonnenen Kenntnisse und wissenschaftlichen Arbeitsmethoden auf die Praxis auszurichten, so Grusser. Dazu sei auf der einen Seite das Fach Physik in besonderem Maße geeignet, andererseits käme man im Zeitalter der modernen Technik nicht umhin, gerade der Physik einen besonderen Stellenwert einzuräumen.
Dass dies auch im Interesse der jungen Leute wäre, begründet Grusser damit: Selbst wenn man von der Tatsache absieht, dass viele Abiturienten über eine anspruchsvolle Berufsausbildung mit anschließendem Studium oder einer Aufstiegsfortbildung den Weg zur hochqualifizierten Fachkraft finden, so ist es doch gerade der naturwissenschaftlich-technische Bereich, der angesichts des bereits heute abzusehenden Ingenieur- und Technikermangels in besonderem Maße Chancen für junge Akademiker auf dem Thüringer Arbeitsmarkt bietet. Und auch ein Chemie- oder Medizinstudium ohne ein entsprechendes Niveau an physikalischem Wissen ist heutzutage kaum denkbar.
Wichtiger als der Streit um die Wertigkeit einzelner Fächer sei deshalb, angesichts der immer wieder festzustellenden Mängel in der Berufs- und Studienwahlvorbereitung der Gymnasiasten, die Reform des Gymnasiums stärker an den Erfordernissen der Praxis auszurichten. Dazu gehöre auch, in die unterschiedlichsten Fächer verstärkt praxisorientierte Inhalte einfließen zu lassen – auch in Hinblick auf die Entwicklung von Kompetenzen der Schüler, die für eine neigungs- und berufsfeldbezogene Fächerauswahl erforderlich sind.
Autor: nnz/knZu einer deutlichen Kritik seitens der Wirtschaft führt die Nachricht aus dem Thüringer Kultusministerium, dass nunmehr das Fach Physik doch kein Pflichtfach bis zum Abitur sein soll. Die Begründung, dass damit eine Ungleichbehandlung der Naturwissenschaften verhindert wird, ist offensichtlich dem alten Streit geschuldet, welches Fach denn wichtiger sei und geht an der Realität vorbei, erklärt Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt. Damit werden Schritte in die richtige Richtung, wie die stärkere Orientierung an den Anforderungen unserer Wissens- und Leistungsgesellschaft durch die Abkehr vom früheren Kurssystem, wieder aufgeweicht.
Die mit der Reform der gymnasialen Oberstufe angestrebte Stärkung der Naturwissenschaften wurde von Vertretern der Wirtschaft ebenso begrüßt, wie die Einführung eines neuen Faches Mensch, Natur, Technik in den Klassen 5 und 6 des Gymnasiums.
Stärkung der Naturwissenschaften heißt für uns aber auch in erster Linie, die dabei gewonnenen Kenntnisse und wissenschaftlichen Arbeitsmethoden auf die Praxis auszurichten, so Grusser. Dazu sei auf der einen Seite das Fach Physik in besonderem Maße geeignet, andererseits käme man im Zeitalter der modernen Technik nicht umhin, gerade der Physik einen besonderen Stellenwert einzuräumen.
Dass dies auch im Interesse der jungen Leute wäre, begründet Grusser damit: Selbst wenn man von der Tatsache absieht, dass viele Abiturienten über eine anspruchsvolle Berufsausbildung mit anschließendem Studium oder einer Aufstiegsfortbildung den Weg zur hochqualifizierten Fachkraft finden, so ist es doch gerade der naturwissenschaftlich-technische Bereich, der angesichts des bereits heute abzusehenden Ingenieur- und Technikermangels in besonderem Maße Chancen für junge Akademiker auf dem Thüringer Arbeitsmarkt bietet. Und auch ein Chemie- oder Medizinstudium ohne ein entsprechendes Niveau an physikalischem Wissen ist heutzutage kaum denkbar.
Wichtiger als der Streit um die Wertigkeit einzelner Fächer sei deshalb, angesichts der immer wieder festzustellenden Mängel in der Berufs- und Studienwahlvorbereitung der Gymnasiasten, die Reform des Gymnasiums stärker an den Erfordernissen der Praxis auszurichten. Dazu gehöre auch, in die unterschiedlichsten Fächer verstärkt praxisorientierte Inhalte einfließen zu lassen – auch in Hinblick auf die Entwicklung von Kompetenzen der Schüler, die für eine neigungs- und berufsfeldbezogene Fächerauswahl erforderlich sind.

