Mo, 13:15 Uhr
17.06.2002
JS-Special: Natur ist nicht teilbar
Nordhausen (nnz). War nun der Gottesdienst oder aber die von einigen hundert Händen gebildete Menschenkette Kernstück dieser gestrigen Protestveranstaltung in der Rüdigsdorfer Schweiz? Oder waren sie gleichermaßen bedeutungsvoll? Dem unbefangenen Teilnehmer mag es gleich gewesen sein - dem Naturfreund und -schützer müssen sich eigentlich Fragen aufgedrängt haben, die nnz nachzuvollziehen versucht.
Ort und Gestaltung der Veranstaltung waren gut gewählt, um das Anliegen der Organisatoren, aber auch gleichermaßen der Teilnehmer augenfällig werden zu lassen: vom Standpunkt der versammelten Teilnehmer aus war vor ihnen der improvisierte Opfertisch für den Gottesdienst plaziert, um und hinter dem sich die Weite einer natürlichen Landschaft breitete, die am Horizont abgeschlossen wurde durch die kahlen Wände des Gips-Abbaugebietes des Kohnsteins. Droht dieser Landschaft dazwischen wirklich das Schicksal jenes riesigen, kahlen Steinbruchs im Hintergrund der Szenerie?
Es waren einige hundert Menschen, die am Vormittag des gestrigen Sonntags an den Ort des Gottesdienstes nahe Petersdorfs gekommen waren, um durch ihre Teilnahme zu bekunden, dass sie diese Landschaft in ihrer Ursprünglichkeit erhalten wissen möchten. Und das noch durch eine Menschenkette, die sich nach dem Gottesdienst entlang der Wege in und durch das Gebiet des Winkelberges bildete, unterstrichen. Unter den vielen Menschen sah man Bürgermeister der Anrainergemeinden, Politiker aller Ebenen, unter denen u.a. MdB Eckhard Ohl und MdL Dagmar Becker (beide SPD) erkennbar waren, Mitglieder von Umwelt- und Naturschutzorganisationen und einfach viele Bürger, denen die Erhaltung der Natur am Herzen liegt. Bemerkenswert viele waren mit den Fahrrad gekommen, ihrem Anliegen angemessen. Sie könnten teilweise auf dem Heimweg nass geworden sein, denn Petrus hatte nur für die Veranstaltung selbst Einsehen.
Tilo Große, Bürgermeister von Petersdorf, begrüßte die Teilnehmer und veranschaulichte in einer kurzen Ansprache das Anliegen, das sich mit dieser Protestversammlung verband. Danach gestalteten die Pastoren von Urbach und Neustadt den Gottesdienst, wobei sie durch Textvorträge, musikalische und Gesangseinlagen aus der Sicht der evangelischen Kirche das Anliegen der Teilnehmer veranschaulichten. Danach bildete sich eine schier unübersehbare Menschen kette, die sich entlang der Wege durchs Gelände zog, bevor sich die Teilnehmer wieder in alle Richtungen zerstreuten.
Es war eine eindrucksvolle und in ihrem Anliegen überaus deutlich zum Ausdruck gekommene Veranstaltung, die auch das Interesse des MDR fand und von einem Flugzeug aus festgehalten wurde. Ort und Menschenkette waren ohne allen Zweifel dem Erhalt der Gipskarstlandschaft der Rüdigsdorfer Schweiz, insbesondere des Gebietes um den Winkelberg gewidmet. Die Textbeiträge und Appelle der Gottesmänner allerdings gingen in ihren Aussagen und Mahnungen weit über diese räumlichen Grenzen hinaus. Und brachten überaus deutlich zum Ausdruck, dass Natur, gleich wo und wie auch immer gestaltet, einmalig und ausschließlich ist und der Mensch lediglich ihr Nutzer, zumindest gleichermaßen aber ihr Wahrer und Verwalter ist, auch und mehr denn je für kommende Generationen. Und das muss dann wohl in der Konsequenz sowohl für die Rüdigsdorfer Schweiz wie für jedes andere Stück Natur gelten. Und da wird allein schon in dieser Region ein Spagat, ein Widerspruch erkennbar, dem man sich stellen, den man auflösen und den Menschen, denen es einfach um Naturerhalt geht, verständlich machen sollte. Um der Glaubwürdigkeit willen.
Autor: nnz
Ort und Gestaltung der Veranstaltung waren gut gewählt, um das Anliegen der Organisatoren, aber auch gleichermaßen der Teilnehmer augenfällig werden zu lassen: vom Standpunkt der versammelten Teilnehmer aus war vor ihnen der improvisierte Opfertisch für den Gottesdienst plaziert, um und hinter dem sich die Weite einer natürlichen Landschaft breitete, die am Horizont abgeschlossen wurde durch die kahlen Wände des Gips-Abbaugebietes des Kohnsteins. Droht dieser Landschaft dazwischen wirklich das Schicksal jenes riesigen, kahlen Steinbruchs im Hintergrund der Szenerie?Es waren einige hundert Menschen, die am Vormittag des gestrigen Sonntags an den Ort des Gottesdienstes nahe Petersdorfs gekommen waren, um durch ihre Teilnahme zu bekunden, dass sie diese Landschaft in ihrer Ursprünglichkeit erhalten wissen möchten. Und das noch durch eine Menschenkette, die sich nach dem Gottesdienst entlang der Wege in und durch das Gebiet des Winkelberges bildete, unterstrichen. Unter den vielen Menschen sah man Bürgermeister der Anrainergemeinden, Politiker aller Ebenen, unter denen u.a. MdB Eckhard Ohl und MdL Dagmar Becker (beide SPD) erkennbar waren, Mitglieder von Umwelt- und Naturschutzorganisationen und einfach viele Bürger, denen die Erhaltung der Natur am Herzen liegt. Bemerkenswert viele waren mit den Fahrrad gekommen, ihrem Anliegen angemessen. Sie könnten teilweise auf dem Heimweg nass geworden sein, denn Petrus hatte nur für die Veranstaltung selbst Einsehen.
Tilo Große, Bürgermeister von Petersdorf, begrüßte die Teilnehmer und veranschaulichte in einer kurzen Ansprache das Anliegen, das sich mit dieser Protestversammlung verband. Danach gestalteten die Pastoren von Urbach und Neustadt den Gottesdienst, wobei sie durch Textvorträge, musikalische und Gesangseinlagen aus der Sicht der evangelischen Kirche das Anliegen der Teilnehmer veranschaulichten. Danach bildete sich eine schier unübersehbare Menschen kette, die sich entlang der Wege durchs Gelände zog, bevor sich die Teilnehmer wieder in alle Richtungen zerstreuten.Es war eine eindrucksvolle und in ihrem Anliegen überaus deutlich zum Ausdruck gekommene Veranstaltung, die auch das Interesse des MDR fand und von einem Flugzeug aus festgehalten wurde. Ort und Menschenkette waren ohne allen Zweifel dem Erhalt der Gipskarstlandschaft der Rüdigsdorfer Schweiz, insbesondere des Gebietes um den Winkelberg gewidmet. Die Textbeiträge und Appelle der Gottesmänner allerdings gingen in ihren Aussagen und Mahnungen weit über diese räumlichen Grenzen hinaus. Und brachten überaus deutlich zum Ausdruck, dass Natur, gleich wo und wie auch immer gestaltet, einmalig und ausschließlich ist und der Mensch lediglich ihr Nutzer, zumindest gleichermaßen aber ihr Wahrer und Verwalter ist, auch und mehr denn je für kommende Generationen. Und das muss dann wohl in der Konsequenz sowohl für die Rüdigsdorfer Schweiz wie für jedes andere Stück Natur gelten. Und da wird allein schon in dieser Region ein Spagat, ein Widerspruch erkennbar, dem man sich stellen, den man auflösen und den Menschen, denen es einfach um Naturerhalt geht, verständlich machen sollte. Um der Glaubwürdigkeit willen.


