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Sa, 09:42 Uhr
28.06.2008

Meisterwerk oder Zumutung?

Meisterwerk oder Zumutung, monströse Kolportage oder literarische Sensation – die Urteile über den französischen Bestseller „Die Wohlgesinnten“ von Jonathan Littell klaffen weit auseinander. Darüber soll am Mittwoch an authentischer Stelle diskutiert werden.


Am 2. Juli 2008 um 18 Uhr wirft der Religionswissenschaftler Dr. Bodo Seidel einen kritischen Blick auf den umstrittenen Roman, der die fiktiven Lebenserinnerungen eines ehemaligen SS-Obersturmführers wiedergibt. Eine Passage darin handelt vom KZ Mittelbau-Dora.

Auf fast 1400 Seiten entfaltet Littell ein Panorama nationalsozialistischer Verbrechensgeschichte – aus der Perspektive eines Täters: Der Protagonist Max Aue, promovierter Jurist, homosexueller Bildungsbürger und reueloser SS-Offizier, blickt zurück auf seine Zeit auf den bekannten Schauplätzen von Weltkrieg und Holocaust – von Babi Jar, über Stalingrad und Auschwitz bis in den Berliner Führerbunker. Überall trifft der erfundene Erzähler auf reales historisches Personal: Himmler, Heydrich, Speer oder Eichmann treten auf.

Zu teils heftigen Reaktionen bei Kritik und Leserschaft führte vor allem die als detailliert beschriebene oder als voyeuristisch abgelehnte Schilderung der Gewaltexzesse und Massenmordaktionen. Das Grauen des Holocaust wird im Roman zudem verwoben mit einer ebenfalls skandalträchtigen Darstellung sexueller Obsessionen und dem populärphilosophischen Räsonnement des gealterten Täters. „Kaum ein Buch“, so Referent Seidel, „ist in den letzten Jahren schon vor seinem Erscheinen in Deutschland so gescholten worden wie dieses. Aber: Kaum eines fordert den Leser zu solch einer konsequenten, neuen und schmerzauslösenden Sicht des Nationalsozialismus heraus wie dieses.“

Jonathan Littell, 1967 in New York geboren, wuchs in Frankreich auf. Nach dem Studium in Yale (USA) arbeitete er von 1993 bis 2001 für eine humanitäre Organisation u.a. in Bosnien, Tschetschenien und Afghanistan. Für seinen zunächst in Frankreich erschienenen Erstling Les Bienveillantes erhielt er 2006 mit dem Prix Goncourt den renommiertesten Literaturpreis des Landes. Die deutsche Übersetzung erschien Anfang 2008.

Der Referent Bodo Seidel, seit 2007 Pfarrer in Niedersachswerfen, studierte Theologie in Halle und Naumburg, promovierte 1986 und habilitierte sich 1992. Er lehrte als Privatdozent an der Universität Jena und der PH Erfurt. Sein Vortrag in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora findet in Kooperation mit Buchhaus Rose (Nordhausen) statt.
Autor: nnz

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