Do, 07:14 Uhr
19.06.2008
Landratsamt: Kein Handlungsbedarf!
Unter der Überschrift Die Bombe tickt berichtete die nnz am Dienstag über Giftmüllablagerungen in Niedersachswerfen. In der Kreisverwaltung ist man nun aufgeregt und bläst zur Eile. Aber: Das Ticken der Bombe war schon jahrelang bekannt. Die nnz mit weiteren Einzelheiten...
Es war Mitte 2005, da wurde in der Leipziger Straße in Niedersachswerfen noch gearbeitet. Das Tochterunternehmen einer Kulmbacher Firma beschäftigte rund 50 Frauen und Männer. Dann aber, von einem Tag auf den anderen, war Schluß. Die Geschäftsleitung verschwunden, die Arbeitnehmer standen vor der Werktür, dann vor dem Gemeindeamt und wollten von Bürgermeister Jochen Napiralla wissen, was sie jetzt machen sollen.
Hinterlassen wurden auch zwei Hallen, in denen sich hochgiftige Chemikalien befanden. Das war im September des Jahres 2005, da muß das Nordhäuser Landratsamt das erste Mal von der gefährlichen Hinterlassenschaft erfahren haben, denn der Insolvenzverwalter hatte ein Angebot zur Entsorgung der Altlasten erhalten, eine Kopie ging ans Landratsamt in die Behringstraße. Bereits damals sollten 40.000 Euro für die Entsorgung aufgewendet werden, in etwa die Summe, die jetzt vom Kreisaauschuss als Ersatzvornahme genehmigt worden war.
Bereits zu diesem Zeitpunkt gibt es Schreiben, aus denen hervorgeht, daß Fachleute von einer tickenden Zeitbombe sprechen und warnen. Es vergeht jedoch ein halbes Jahr, ehe die Kreisverwaltung sich das Terrain des einstigen Unternehmens ansieht und ein Mitarbeiter handschriftlich zu Protokoll gibt: Für die Verwaltung gibt es keinen Handlungsbedarf.
Wir schreiben mittlerweile Januar 2007. Die Verwaltungsgemeinschaft Südharz-Hohnstein schreibt an Insolvenzverwalter Hauter und das Landratsamt und weist auf zunehmenden Vandalismus, Einbrüche und Diebstähle aus dem Inneren der Hallen hin. Auch die Polizeiinspektion Nordhausen hat bereits seit 2006 Kenntnis von den Zuständen in Niedersachswerfen und muß eine Anzeige aufnehmen. Passiert ist nicht viel, die Gemeinde wurde beauftragt, das Firmengelände mit weiß-rotem Band abzusperren und ein gelbes Schild dranzuhängen. Kinder spielten jedoch weiter auf dem Gelände, auch das letzte Kupferkabel wurde noch ausgebaut.
Das war’s dann. Im Mai dieses Jahres kam der zuständige Fachbereichsleiter der Kreisverwaltung, Dr. Erich Winter, in die Leipziger Straße, der Rest ist bekannt. Ob jetzt in der Tat Handlungsbedarf besteht, kann nur gemutmaßt werden. Und wie das immer so ist, wird der Handlungsbedarf erst dann ausgelöst wenn sicher ist, wer die 40.000 Euro bezahlen wird. Doch: Bei dieser Summe wird es nicht bleiben.
Autor: nnzEs war Mitte 2005, da wurde in der Leipziger Straße in Niedersachswerfen noch gearbeitet. Das Tochterunternehmen einer Kulmbacher Firma beschäftigte rund 50 Frauen und Männer. Dann aber, von einem Tag auf den anderen, war Schluß. Die Geschäftsleitung verschwunden, die Arbeitnehmer standen vor der Werktür, dann vor dem Gemeindeamt und wollten von Bürgermeister Jochen Napiralla wissen, was sie jetzt machen sollen.
Hinterlassen wurden auch zwei Hallen, in denen sich hochgiftige Chemikalien befanden. Das war im September des Jahres 2005, da muß das Nordhäuser Landratsamt das erste Mal von der gefährlichen Hinterlassenschaft erfahren haben, denn der Insolvenzverwalter hatte ein Angebot zur Entsorgung der Altlasten erhalten, eine Kopie ging ans Landratsamt in die Behringstraße. Bereits damals sollten 40.000 Euro für die Entsorgung aufgewendet werden, in etwa die Summe, die jetzt vom Kreisaauschuss als Ersatzvornahme genehmigt worden war.
Bereits zu diesem Zeitpunkt gibt es Schreiben, aus denen hervorgeht, daß Fachleute von einer tickenden Zeitbombe sprechen und warnen. Es vergeht jedoch ein halbes Jahr, ehe die Kreisverwaltung sich das Terrain des einstigen Unternehmens ansieht und ein Mitarbeiter handschriftlich zu Protokoll gibt: Für die Verwaltung gibt es keinen Handlungsbedarf.
Wir schreiben mittlerweile Januar 2007. Die Verwaltungsgemeinschaft Südharz-Hohnstein schreibt an Insolvenzverwalter Hauter und das Landratsamt und weist auf zunehmenden Vandalismus, Einbrüche und Diebstähle aus dem Inneren der Hallen hin. Auch die Polizeiinspektion Nordhausen hat bereits seit 2006 Kenntnis von den Zuständen in Niedersachswerfen und muß eine Anzeige aufnehmen. Passiert ist nicht viel, die Gemeinde wurde beauftragt, das Firmengelände mit weiß-rotem Band abzusperren und ein gelbes Schild dranzuhängen. Kinder spielten jedoch weiter auf dem Gelände, auch das letzte Kupferkabel wurde noch ausgebaut.
Das war’s dann. Im Mai dieses Jahres kam der zuständige Fachbereichsleiter der Kreisverwaltung, Dr. Erich Winter, in die Leipziger Straße, der Rest ist bekannt. Ob jetzt in der Tat Handlungsbedarf besteht, kann nur gemutmaßt werden. Und wie das immer so ist, wird der Handlungsbedarf erst dann ausgelöst wenn sicher ist, wer die 40.000 Euro bezahlen wird. Doch: Bei dieser Summe wird es nicht bleiben.


