Di, 13:37 Uhr
17.06.2008
nnz-Forum: Die Stadt der Nörgler?
Im nnz-Forum gab es heute Kritik an einigen Punkten des diesjährigen Rolandsfestes. Es gibt aber auch andere Meinungen. Hier ist eine...
Als eigentliche Nordhäuserin frage ich mich langsam ernsthaft, ob diese Spezies auch etwas anderes kann, als in allen Suppen immer wieder das Haar finden zu wollen.
Natürlich lassen die angeblichen Besucherzahlen mehr als nur eine Frage offen. Das ist aber bei allen öffentlichen Veranstaltungen in feinster Regelmäßigkeit der Fall! Da sitzen auf einmal 100 Zuschauer bei einer mitreißenden Sportveranstaltung, obwohl in Realität nicht einmal halb so viele Leute den Weg dorthin gefunden haben. Und ob Rolandsfest, Altstadtfest, Bierfeste auf dem Petersberg, was auch immer.
Die Veranstalter sind stets bemüht, es gut klingen zu lassen. Wir lassen diese Zahlen einfach dahingestellt und nehmen sie schmunzelnd zur Kenntnis. Denn wir waren ja selbst dort und wissen am besten, wie man diese Einschätzung werten könnte. Der eindeutige Nachweis bleibt aus, sollte uns aber doch nicht weiter stören. Wir waren ja dabei und wissen es besser...
Doch mir stellt sich eine andere Frage: Was wäre gewesen, wenn das Rolandsfest genauso gewesen wäre, wie die vergangenen Jahre auch. Ich kann mich noch gut der Stimmen entsinnen, die gemosert haben, es wäre immer dasselbe! Immer dieselben Verkaufsbuden, die ihre Socken, Hüte, Latschen und Uhren unter das Volk bringen wollen. Da waren sie – die Stimmen man solle sich doch mal was anderes einfallen lassen. Und was passiert, wenn sich die Stadt etwas anderes einfallen lässt? Es ist wieder verkehrt.
Das Gehege als traditionellen Platz auszuwählen fand ich persönlich als sehr gute Entscheidung! So wurde dieser Ort endlich wieder einmal belebt und für die Anwohner der Innenstadt war es vermutlich ebenso eine Erleichterung, keine drei Tage unfreiwillig im Zentrum des Geschehens zu verbringen. Gerade die Möglichkeit, Angebote für Kinder im Stadtzentrum separat von den restlichen (lauten) Veranstaltungen in Anspruch zu nehmen, traf auf viel Zustimmung bei Eltern.
Auch was das Musikalische betrifft, gab es durchaus ein breit gefächertes Angebot. Und dort kann ich nun wirklich mitreden, weil ich alle drei Tage von vorn bis hinten dabei war! Man muss sich nur darauf einlassen und nicht von vornherein sagen Hör ich nicht, geh ich nicht hin, alles Mist. Man kann nicht erwarten, dass an allen Tagen etwas für einen dabei ist, aber es kann niemand behaupten, die Stadt hätte sich keine Mühe bei der Künstlerauswahl gegeben.
Allein im Klubhaus gab es an den drei Tagen sehr unterschiedliche Musik, von gutem handgemachten Rock bis hin zu richtig heftigen Hardcore, der die Mosher auf den Plan rief. Wo waren denn die Nordhäuser, als die ruhigeren Bands aus allen Teilen Deutschlands ihre Auftritte am Freitag hatten? Wo war das Publikum, als Samstag Black Peach ruhige Töne anschlug? Am Sonntag Abend, als der Hardcore auf dem Programm stand – da kamen sie! Denn die Nordhäuser Jugend steht nicht auf Emo, wie man es immer wieder von allen Seiten mosern hört.
Trash ist in. Also ist es vom Veranstalter natürlich richtig bedacht, gerade diese Zielgruppe anzusprechen. Selbst ich als nicht-gerade-Hardcore-Fan fand viele Auftritte einfach nur genial! Natürlich waren auch weniger gute Acts dabei, aber so ist das nun mal, wenn man sich in einer Szene bewegt, die sehr stark vom persönlichen Geschmack geprägt wird.
Und wer sind denn schon namhafte Künstler? Matthias Reim? Jawohl, den kennt jeder, aber würde den auch jeder hören wollen? Wohl kaum. Bei guten bekannten Künstlern wären auch entsprechende Honorare fällig und ob man das jedes Jahr finanzieren könnte, bleibt fraglich. Zumal an anderer Stelle wieder die Fraktion auftreten würde, die sich darüber aufregt, dass die Stadt so viel dafür ausgibt. Und wer sich das Programm nicht antun möchte, dem bleibt immer noch die Möglichkeit, zu den anderen Veranstaltungen zu fahren.
Aber ja.. wir leben hier in Nordhausen – in der Provinz, wo anscheinend immer alles schlecht, nichts gut genug ist - selbst wenn es nichts kostet, immer jemand Schuld hat und früher immer alles besser war. Nur komisch, dass gerade Ortsfremde die Nordhäuser in dieser Hinsicht oft überhaupt nicht verstehen können. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt und so ist es eben auch bei Veranstaltungen.
Claudia Jatsch, Nordhausen
Autor: nnzAls eigentliche Nordhäuserin frage ich mich langsam ernsthaft, ob diese Spezies auch etwas anderes kann, als in allen Suppen immer wieder das Haar finden zu wollen.
Natürlich lassen die angeblichen Besucherzahlen mehr als nur eine Frage offen. Das ist aber bei allen öffentlichen Veranstaltungen in feinster Regelmäßigkeit der Fall! Da sitzen auf einmal 100 Zuschauer bei einer mitreißenden Sportveranstaltung, obwohl in Realität nicht einmal halb so viele Leute den Weg dorthin gefunden haben. Und ob Rolandsfest, Altstadtfest, Bierfeste auf dem Petersberg, was auch immer.
Die Veranstalter sind stets bemüht, es gut klingen zu lassen. Wir lassen diese Zahlen einfach dahingestellt und nehmen sie schmunzelnd zur Kenntnis. Denn wir waren ja selbst dort und wissen am besten, wie man diese Einschätzung werten könnte. Der eindeutige Nachweis bleibt aus, sollte uns aber doch nicht weiter stören. Wir waren ja dabei und wissen es besser...
Doch mir stellt sich eine andere Frage: Was wäre gewesen, wenn das Rolandsfest genauso gewesen wäre, wie die vergangenen Jahre auch. Ich kann mich noch gut der Stimmen entsinnen, die gemosert haben, es wäre immer dasselbe! Immer dieselben Verkaufsbuden, die ihre Socken, Hüte, Latschen und Uhren unter das Volk bringen wollen. Da waren sie – die Stimmen man solle sich doch mal was anderes einfallen lassen. Und was passiert, wenn sich die Stadt etwas anderes einfallen lässt? Es ist wieder verkehrt.
Das Gehege als traditionellen Platz auszuwählen fand ich persönlich als sehr gute Entscheidung! So wurde dieser Ort endlich wieder einmal belebt und für die Anwohner der Innenstadt war es vermutlich ebenso eine Erleichterung, keine drei Tage unfreiwillig im Zentrum des Geschehens zu verbringen. Gerade die Möglichkeit, Angebote für Kinder im Stadtzentrum separat von den restlichen (lauten) Veranstaltungen in Anspruch zu nehmen, traf auf viel Zustimmung bei Eltern.
Auch was das Musikalische betrifft, gab es durchaus ein breit gefächertes Angebot. Und dort kann ich nun wirklich mitreden, weil ich alle drei Tage von vorn bis hinten dabei war! Man muss sich nur darauf einlassen und nicht von vornherein sagen Hör ich nicht, geh ich nicht hin, alles Mist. Man kann nicht erwarten, dass an allen Tagen etwas für einen dabei ist, aber es kann niemand behaupten, die Stadt hätte sich keine Mühe bei der Künstlerauswahl gegeben.
Allein im Klubhaus gab es an den drei Tagen sehr unterschiedliche Musik, von gutem handgemachten Rock bis hin zu richtig heftigen Hardcore, der die Mosher auf den Plan rief. Wo waren denn die Nordhäuser, als die ruhigeren Bands aus allen Teilen Deutschlands ihre Auftritte am Freitag hatten? Wo war das Publikum, als Samstag Black Peach ruhige Töne anschlug? Am Sonntag Abend, als der Hardcore auf dem Programm stand – da kamen sie! Denn die Nordhäuser Jugend steht nicht auf Emo, wie man es immer wieder von allen Seiten mosern hört.
Trash ist in. Also ist es vom Veranstalter natürlich richtig bedacht, gerade diese Zielgruppe anzusprechen. Selbst ich als nicht-gerade-Hardcore-Fan fand viele Auftritte einfach nur genial! Natürlich waren auch weniger gute Acts dabei, aber so ist das nun mal, wenn man sich in einer Szene bewegt, die sehr stark vom persönlichen Geschmack geprägt wird.
Und wer sind denn schon namhafte Künstler? Matthias Reim? Jawohl, den kennt jeder, aber würde den auch jeder hören wollen? Wohl kaum. Bei guten bekannten Künstlern wären auch entsprechende Honorare fällig und ob man das jedes Jahr finanzieren könnte, bleibt fraglich. Zumal an anderer Stelle wieder die Fraktion auftreten würde, die sich darüber aufregt, dass die Stadt so viel dafür ausgibt. Und wer sich das Programm nicht antun möchte, dem bleibt immer noch die Möglichkeit, zu den anderen Veranstaltungen zu fahren.
Aber ja.. wir leben hier in Nordhausen – in der Provinz, wo anscheinend immer alles schlecht, nichts gut genug ist - selbst wenn es nichts kostet, immer jemand Schuld hat und früher immer alles besser war. Nur komisch, dass gerade Ortsfremde die Nordhäuser in dieser Hinsicht oft überhaupt nicht verstehen können. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt und so ist es eben auch bei Veranstaltungen.
Claudia Jatsch, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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