Mi, 13:53 Uhr
05.06.2002
Jetzt erst recht!
Neustadt (nnz). Der Kampf um die Rüdigsdorfer Schweiz ist noch längst nicht gewonnen, aber auch nicht verloren. Doch die Chancen dafür stehen gut - das betonten gestern die aktiven Verfechter des Schutzes der Landschaft im Saal Hohnstein in Neustadt. nnz über Pro und Contra, Stimmungen und Emotionen.

Ein wichtiger Abend würde es werden, darüber waren sich die rund 160 Gäste, Naturschützer, die Vertreter der Landes- und Kommunalpolitik und des Arbeitskreises Gipskarst sowie alle anderen, die am Bürger-Informationsabend teilnahmen, von Anfang an bewusst. Der Arbeitskreis Gipskarst hatte alle Bürger eingeladen, um sie über das geplante Gipsabbau-Vorhaben am Winkelberg zu informieren. Dabei wurde deutlich, dass das Gebiet der Rüdigsdorfer Schweiz allgemein für die Gipsindustrie von Interesse ist und auch andere Gebiete bereits gekauft wurden.
Die Diskussionen der letzten Wochen um dieses landschaftliche Kleinod wurden erneut aufgegriffen und die im ökologischen Sinne problematischen Punkte im Detail erläutert. So zeigte Stephan Röhl einige bildliche, emotionale Eindrücke verschiedener Karstgebiete, besonders der Rüdigsdorfer Schweiz. Er verwies insbesondere auf die geologische Bedeutung der Region.
Nicht zu unterschätzen im Falle eines Abbaus wäre die Belastung für die umliegenden Orte Petersdorf, Buchholz, Neustadt, Harzungen und Niedersachswerfen. Das zeigten die umfangreichen Ausführungen von Gabriela Sennecke, Mitarbeiterin des Arbeitskreises Gipskarst Südharz. Bei allen Varianten für die Nutzung von Wegen und Straßen beim Abtransport des Gipses nach Ellrich wäre es demnach unvermeidlich, neue Wege zu schaffen oder die alten auszubauen.
Weiterhin wäre eine hohe Belastung der Anwohner nicht zu umgehen. Teilweise würden die Abbauarbeiten auf einer Distanz von 100 Metern an die Wohngebiete heran rücken. Pro Tag müssten im Durchschnitt 60 Laster mit 40 Tonnen Ladung durch die betroffenen Ortschaften nach Ellrich rollen alle sieben Minuten einer. Mit einer Gefährdung der Fußgänger, einem hohen Lärmpegel, Erschütterungen und auch mit Gebäudeschäden müsse gerechnet werden, so Sennecke. Ein besonders schweres Los hätte deshalb der Luftkurort Neustadt.
Die Forderungen der Naturschützer gehen in erster Linie in die Einleitung eines Raumordnungsverfahrens. Im Gegensatz zum bereits veranlassten Planfeststellungsverfahren wäre die Überlebenschance der Rüdigsdorfer Schweiz dabei wesentlich größer, da nicht nur der Winkelberg, sondern der gesamte Zechsteingürtel, in dem bereits fleißig abgebaut wird, betrachtet würde. Weiterhin setzen sich die Aktivisten für eine Auffanggesellschaft von WICO ein (siehe nnz-Archiv). So wäre es möglich, die bereits vorhandenen Tagebaue gemeinsam zu nutzen. Ein neuer Tagebau am Winkelberg wäre dann überflüssig.
Zum Thema Arbeitsplätze wurde betont, dass auch ein sanfter Tourismus in der Region durchaus Arbeitsplätze schaffen könne. Die Arbeitsplätze in der Gipsindustrie sind nicht so unendlich wie im Tourismus. Dort ist der Trend steigend, zog ein Mitarbeiter des Arbeitskreises einen Vergleich. Wir müssen eine Symbiose zwischen Wirtschaft und Umweltschutz finden. Das können wir nur durch eine Auffanggesellschaft erreichen.
Mehrmals fiel der Vorwurf an die Landesregierung, dass sie die eigentliche Schuld an er jetzigen Diskussion trage, und nicht die Gipsindustrie. Man warf den Verantwortlichen vor, wirtschaftliche Interessen vor die der Umweltschützer und der betroffenen Bürger zu stellen. Die Position des Landes bleibt strittig, konnten doch in verschiedenen Schreiben Widersprüche zu gemachten Aussagen festgestellt werden.
Von Aufgeben kann trotzdem keine Rede sein, da ist sich sogar die kommunale Führungsspitze in der Stadt und im Landkreis einig. An den Forderungen nach einem Raumordnungsverfahren soll vehement festgehalten werden. Das zeigte auch die Diskussion im Anschluss an die Informationen, die sich einer engagierten Beteiligung erfreute. Unsere Chancen stehen gut, gab sich der Geschäftsführer des BUND Thüringen optimistisch. Ich habe es noch in keiner Region erlebt, dass wirklich alle so zusammen halten.
Wer auch einen Beitrag zur Erhaltung dieser in Europa einmaligen Naturlandschaft leisten will, hat dazu am 16. Juni die Möglichkeit. Um 11.00 Uhr soll um den Winkelberg eine Menschenkette gebildet werden, hinterher ist eine Wanderung durch die Umgebung vorgesehen. Der Arbeitskreis Gipskarst freut sich über zahlreiches Erscheinen. Mehr Informationen über die Rüdigsdorfer Schweiz bekommen Sie unter dieser Adresse
Autor: mj
Ein wichtiger Abend würde es werden, darüber waren sich die rund 160 Gäste, Naturschützer, die Vertreter der Landes- und Kommunalpolitik und des Arbeitskreises Gipskarst sowie alle anderen, die am Bürger-Informationsabend teilnahmen, von Anfang an bewusst. Der Arbeitskreis Gipskarst hatte alle Bürger eingeladen, um sie über das geplante Gipsabbau-Vorhaben am Winkelberg zu informieren. Dabei wurde deutlich, dass das Gebiet der Rüdigsdorfer Schweiz allgemein für die Gipsindustrie von Interesse ist und auch andere Gebiete bereits gekauft wurden.
Die Diskussionen der letzten Wochen um dieses landschaftliche Kleinod wurden erneut aufgegriffen und die im ökologischen Sinne problematischen Punkte im Detail erläutert. So zeigte Stephan Röhl einige bildliche, emotionale Eindrücke verschiedener Karstgebiete, besonders der Rüdigsdorfer Schweiz. Er verwies insbesondere auf die geologische Bedeutung der Region.
Nicht zu unterschätzen im Falle eines Abbaus wäre die Belastung für die umliegenden Orte Petersdorf, Buchholz, Neustadt, Harzungen und Niedersachswerfen. Das zeigten die umfangreichen Ausführungen von Gabriela Sennecke, Mitarbeiterin des Arbeitskreises Gipskarst Südharz. Bei allen Varianten für die Nutzung von Wegen und Straßen beim Abtransport des Gipses nach Ellrich wäre es demnach unvermeidlich, neue Wege zu schaffen oder die alten auszubauen.
Weiterhin wäre eine hohe Belastung der Anwohner nicht zu umgehen. Teilweise würden die Abbauarbeiten auf einer Distanz von 100 Metern an die Wohngebiete heran rücken. Pro Tag müssten im Durchschnitt 60 Laster mit 40 Tonnen Ladung durch die betroffenen Ortschaften nach Ellrich rollen alle sieben Minuten einer. Mit einer Gefährdung der Fußgänger, einem hohen Lärmpegel, Erschütterungen und auch mit Gebäudeschäden müsse gerechnet werden, so Sennecke. Ein besonders schweres Los hätte deshalb der Luftkurort Neustadt.
Die Forderungen der Naturschützer gehen in erster Linie in die Einleitung eines Raumordnungsverfahrens. Im Gegensatz zum bereits veranlassten Planfeststellungsverfahren wäre die Überlebenschance der Rüdigsdorfer Schweiz dabei wesentlich größer, da nicht nur der Winkelberg, sondern der gesamte Zechsteingürtel, in dem bereits fleißig abgebaut wird, betrachtet würde. Weiterhin setzen sich die Aktivisten für eine Auffanggesellschaft von WICO ein (siehe nnz-Archiv). So wäre es möglich, die bereits vorhandenen Tagebaue gemeinsam zu nutzen. Ein neuer Tagebau am Winkelberg wäre dann überflüssig.
Zum Thema Arbeitsplätze wurde betont, dass auch ein sanfter Tourismus in der Region durchaus Arbeitsplätze schaffen könne. Die Arbeitsplätze in der Gipsindustrie sind nicht so unendlich wie im Tourismus. Dort ist der Trend steigend, zog ein Mitarbeiter des Arbeitskreises einen Vergleich. Wir müssen eine Symbiose zwischen Wirtschaft und Umweltschutz finden. Das können wir nur durch eine Auffanggesellschaft erreichen.
Mehrmals fiel der Vorwurf an die Landesregierung, dass sie die eigentliche Schuld an er jetzigen Diskussion trage, und nicht die Gipsindustrie. Man warf den Verantwortlichen vor, wirtschaftliche Interessen vor die der Umweltschützer und der betroffenen Bürger zu stellen. Die Position des Landes bleibt strittig, konnten doch in verschiedenen Schreiben Widersprüche zu gemachten Aussagen festgestellt werden.
Von Aufgeben kann trotzdem keine Rede sein, da ist sich sogar die kommunale Führungsspitze in der Stadt und im Landkreis einig. An den Forderungen nach einem Raumordnungsverfahren soll vehement festgehalten werden. Das zeigte auch die Diskussion im Anschluss an die Informationen, die sich einer engagierten Beteiligung erfreute. Unsere Chancen stehen gut, gab sich der Geschäftsführer des BUND Thüringen optimistisch. Ich habe es noch in keiner Region erlebt, dass wirklich alle so zusammen halten. Wer auch einen Beitrag zur Erhaltung dieser in Europa einmaligen Naturlandschaft leisten will, hat dazu am 16. Juni die Möglichkeit. Um 11.00 Uhr soll um den Winkelberg eine Menschenkette gebildet werden, hinterher ist eine Wanderung durch die Umgebung vorgesehen. Der Arbeitskreis Gipskarst freut sich über zahlreiches Erscheinen. Mehr Informationen über die Rüdigsdorfer Schweiz bekommen Sie unter dieser Adresse

