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Mi, 07:20 Uhr
28.05.2008

nnz-Forum: Aufgewühlt

Ein Leser der nnz berichtet von einem Besuch, der bei ihm und seinem Gast nachhaltige Spuren hinterlassen hat.

Mahnen und Erinnern (Foto: HB) Mahnen und Erinnern (Foto: HB)

Am Wochenende hatte ich Besuch aus Jena. Da ich meinem Gast mal etwas anderes bieten wollte, schlug ich vor, die Gedenkstätte Dora zu besichtigen. Dieser Vorschlag stieß auf allgemeines Interesse, also machten wir uns auf den Weg.

Als wir ankamen, hatten wir das Glück, dass gerade eine der Führungen begann. Herr Mehler, ein Mitarbeiter der Gedenkstätte, begrüßte uns vor dem Museumsneubau. Dort bekamen wir anhand einer aufgestellten Relieftafel einen Überblick über den Aufbau und Zweck des ehemaligen Konzentrationslagers. Nach diesen sehr aufschlussreichen Erläuterungen begannen wir mit dem Rundgang. Den Anfang machte der Appellplatz. Hier gab es einen Überblick darüber, wie sich das Lagerleben der Häftlinge abgespielt hat. Nächste Station war das ehemalige Lager in dem die SS untergebracht war.

Zum Schluss der Führung kamen wir zum Stollen. Diesem Teil der Führung sah mein Gast mit großem Interesse entgegen, denn er ist ein historisch interessierter Technologe und Konstrukteur. Im Stollen angekommen erfuhren wir, dass hier die Wifo (Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft) ein Öl-und Schmierstofflager für die Wehrmacht angelegt hatte. Die SS hat den Stollen unter unmenschlichen Bedingungen erweitern lassen. Die Waffenindustrie des Nazireichs hatte in enger Zusammenarbeit mit der SS sofort nach der Zerstörung der Versuchs- und Produktionsanlagen in Peenemünde mit der Verlagerung der V-Waffenproduktion in den Kohnstein begonnen.

Produziert wurden wurden ab Herbst 1944 die Flugbombe Fi 103 (V1) der so genannte Volksjäger und die A4 Rakete (V2). Anfang 1945 lief die Produktion der Flugabwehrraketen „Taifun“ und „R4M“an. Diese Waffen sollten nach den Willen der Befehlshaber den Verlauf des Krieges noch ändern. Herr Mehler schilderte uns, unter welch unmenschlichen Bedingungen der Stollen angelegt und anschließend darin gearbeitet wurde. Es gab auch viele Fragen zu den technischen Anlagen und der aufwendigen Logistik.

Viele der Besucher wunderten sich darüber, dass die in der Umgebung wohnende Bevölkerung bei einem solchen logistischen Aufwand und den vielen Häftlingskolonnen, die morgens und abends durch die Straßen getrieben wurden, von all den Grausamkeiten nichts gemerkt haben wollen, noch dazu, wo auch viele Zivilisten im Lager bzw. im Stollen beschäftigt waren. An dieser Stelle möchte ich Herrn Mehler unseren Dank aussprechen. Er hat es mit sehr viel Einfühlungsvermögen verstanden uns zu vermitteln, wie grausam hier mit Menschen aus vielen Nationen umgegangen wurde.

Im Anschluss an die Führung hatten wir noch etwas Zeit und besuchten die Stellen, die nicht in die Führung eingebunden sind. So das eigentliche Häftlingslager, welches weiter hinten im Wald untergebracht war, gut getarnt vor den Augen der damaligen Feinde – so die wieder aufgebaute Barke unterhalb des Krematoriums und natürlich das Krematorium selbst. Wenn man sich diese Gebäude unter dem geschichtlichen Hintergrund so ansieht, bekommt man ein niederschlagendes Gefühl.

Einen großen Dank muss man an dieser Stelle den vielen ehrenamtlichen Helfern aussprechen, ohne die man so etwas nicht unterhalten kann, denn so eine Gedenkstätte verlangt viel Aufwand an Geld und Arbeit.
Harald Buntfuß, Nordhausen
Autor: nnz

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