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Di, 08:31 Uhr
20.05.2008

nnz-Forum: Eine Frage der Definition

Für einen nnz-Leser aus Bleicherode ist die Armut der offiziell genannten 13 % der Menschen in Deutschland nach geltenden EU-Richtlinien eine Frage der Definition. Mehr dazu im Forum der nnz.


Zahlenspielereien, man könnte sie auch als Taschenspielertricks bezeichnen, sollen die eigentlichen Ursachen der Armut nicht erkennen lassen. Der Betrag von 781 Euro netto monatlich, das entspricht 60 % des mittleren Einkommens, gilt als Einkommensgrenze für einen Alleinlebenden – darunter beginnt die definierte Armut.

Deshalb ist die Schlussfolgerung „ Wer Arbeit hat, ist in Deutschland vor Armut nicht gefeit“ völlig berechtigt. Eine Erkenntnis, die ausgezeichnet in den bereits begonnenen Wahlkampf passt – geäußert vom Arbeitsminister einer Partei, die in der vorigen Koalition mit den Grünen für das heutige Desaster vieler Menschen verantwortlich ist.

„Flächendeckender Mindestlohn“ und der „Ausbau der Kinderbetreuung für Alleinerziehende“ sind jetzt die neuesten Vorschläge. Vielleicht lässt sich mit der CDU ja hier ein gemeinsamer Nenner finden – bei der jetzigen Diätenerhöhung, die jeglichem moralischen Anstand und jeglicher Sensibilität gegenüber den „Armen“ widerspricht, war man sich ja sehr schnell einig.

Auf die gelobten „Sozialtransfers“ wie Kindergeld oder Arbeitslosengeld II haben die Menschen einen Rechtsanspruch! Diese als Möglichkeit vor dem Abrutschen in Armut anzuführen, ist eine Unverschämtheit! Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende, Kinder, künftige Generationen der Rentner, arbeitende Menschen in Teilzeit und Billiglohn, aber auch in Vollzeit – der Anteil derer, die unter der „Armutsgrenze“ leben, wird immer größer.

Was macht die Politik? Sie überlässt die Unternehmen den „Heuschrecken“, die alles leer fressen und dann weiterziehen; sie unterstützt mit Steuergeldern die Landesbanken, die sich durch ihre finanzielle Gier in die jetzige Situation manövriert haben; sie lässt es zu, dass Energie unbezahlbar wird ... Aber nein, sie erhöht die Renten um lächerliche 1,1% , gestattet einige Lohnerhöhungen (im Verhältnis zur Diätenerhöhung ein Witz), verteilt großzügig einige Lottomittel, und hat vielleicht bis zur Wahl 2009 noch einige Überraschungen parat!
Und in Thüringen? Dort wurde der Armutsbericht bereits 2001 von der CDU-Landesregierung abgeschafft – nach dem Motto: „Es kann nicht sein, was nicht sein darf.“
Gerhard Leser, Bleicherode
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
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