Do, 15:39 Uhr
24.04.2008
nnz-Forum: Armut dauerhaft bekämpfen
"Die Armut in Deutschland wächst in allen Altersgruppen. Die Zahlen der OECD zur Altersarmut sind eindeutig. Danach sind 15 Prozent der Rentner in Deutschland armutsgefährdet, bei den alleinstehenden Rentnerinnen sind es sogar 30 Prozent.
14 Prozent aller Kinder gelten als arm. An diesen Fakten kommt auch Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt nicht vorbei", erklärte der Präsident des Sozialverbands VdK Deutschland, Walter Hirrlinger.
Das war auch der Tenor vieler Gespräche am Tag der offenen Tür des Sozialverbandes VdK im Arterner Haus der Hilfe. Immer wieder wurde unterstrichen, dass immer mehr Rentner weniger Geld haben. Keine Bevölkerungsgruppe sei in den vergangenen Jahren stärker zur Kasse gebeten worden.
Die Aussetzung der sogenannten Riester-Treppe für zwei Jahre reiche daher nicht aus, um die Probleme zu lösen. Deshalb erhält der Präsident des VdK Walter Hirrlinger Zustimmung zu seiner Forderungen:
"Die Koalition muss dauerhaft auf den Riester-Faktor, der eine Rentenkürzung von 0,6 Prozent ausmacht, und den Nachhaltigkeitsfaktor verzichten. Diese Änderung im bestehenden System brächte heutigen und künftigen Rentnerinnen und Rentnern voraussichtlich jährlich Rentenzuwächse von 1,1 Prozent." Damit die gesetzliche Rente nicht noch weiter Richtung Grundsicherung drifte, müsse auch der für 2011 geplante Nachholfaktor gekippt werden.
Die Gefahr der Altersarmut wachse vor allem auch für Langzeitarbeitlose und Niedrigverdiener massiv.
Das konnte auch Frau Franke von der Arbeitsloseninitiative bestätigen, die von den Anstrengungen berichtete, für die Tafeln ausreichend Lebensmittel zu organisieren, weil der Bedarf immer größer wird. "Für eine Jahr Arbeitslosigkeit erwerben ALG-II-Bezieher gerade mal 2,19 Euro Rentenanwartschaft. Das ist viel zu wenig", stellt der VdK fest und fordert eine Wiederbelebung der "Rente nach Mindesteinkommen".
Dabei wird Geringverdienern der Rentenversicherungsbeitrag aufgestockt und zwar auf eine Beitragshöhe, die 75 Prozent des Beitrags eines Durchschnittsverdieners entspricht. Zudem dürfe die Riester-Rente nicht vollständig auf die Grundsicherung angerechnet werden. Sonst werde derjenige, der trotz geringen Einkommens für das Alter vorsorge, am Ende noch bestraft. Der Sozialverband VdK wird in den nächsten Wochen und Monaten immer wieder im Rahmen seiner Aktion gegen Armut auf das Thema zurückkommen.
Klaus Henze
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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