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24.05.2002

75 Jahre Meyenburg-Museum

Nordhausen (nnz). Vor 75 Jahren wurde das Meyenburg-Museum in der Osterstraße der Öffentlichkeit übergeben. Das runde Jubiläum war für nnz-Mitarbeiter Rainer Hellberg Anlass, einen kleinen geschichtlichen Abriss über die Entwicklung der musealen Einrichtung zusammen zu stellen.

„Unser Museum soll kein Friedhof geschlossener Sammlungen sein, sondern eine Stätte der Bildung, Forschung und Erbauung“, sagte Museumsdirektor Dr. August Stolberg zur Einweihung des Neuen Museums in der Osterstraße (A.-Puschkin-Straße) am 25. Mai 1927, zwei Tage vor dem offiziellen Beginn der Jahrtausendfeier der Stadt Nordhausen.
Die geladenen Gäste waren begeistert von der Ausstellung im Haus, die die Entwicklung der Wohnkultur über ein halbes Jahrtausend zeigte, vom neu gestalteten Park mit Teich und farbenprächtigen Blumenrabatten und dem Aussichtsturm, der einen faszinierenden Blick über die Goldene Aue bis hin zum Kyffhäuser, der Hainleite und der Harzlandschaft bot.
„Eine Konzentration und eine Fülle kunstgewerblichen, kulturellen und ästhetischen Stoffes! In solcher Anordnung und in solchem Zusammenwirken von Sammlung, Park und Panorama bietet das selbst eine Großstadt nicht!“ äußerte sich ein Kölner Rechtsanwalt begeistert.

Ursprünglich sollte die Beckersche Villa, die die Stadt im Oktober 1926 preisgünstig erworben hatte, die naturwissenschaftliche Sammlung des Museums aufnehmen. Das Museum am Friedrich-Wilhelm-Platz drohte aus den Nähten zu platzen, viele wertvolle Exponate konnten nur unübersichtlich, einige gar nicht aufgestellt werden. Deshalb begrüßte die Museumsleitung eine Entlastung, die durch den Kauf des Hauses möglich wurde. Aber nach einer Inspektion, an der die Museumsdeputation und Vertreter der Stadt teilnahmen, verwarf man den Plan wieder, entwickelte ein neues Konzept zur Nutzung des Grundstücks und beschloss, die Verlegung der wertvollen Stilmöbelzimmer in das neue Haus vorzunehmen.

Nun gab es zwei Einrichtungen mit unterschiedlichem Profil: Das Neue Museum in der Osterstraße mit den kostbaren Stilmöbeln und das Alte Museum am Friedrich-Wilhelm-Platz mit den übersichtlich angeordneten Abteilungen und regelmäßig stattfindenden Sonderausstellungen.
Dem außergewöhnlich kreativen und ideenreichen Dr. Stolberg mangelte es nicht an publikumswirksamen Projekten, die er in der Folgezeit verwirklichte. Im Park und in den Stilmöbelzimmern des Neuen Museums erklang festliche Musik, wobei Mitternachtskonzerte die absoluten Höhepunkte bildeten. Im alten Museum wechselten ständig Sonderschauen. Beispielsweise gestaltete die Museumsleitung 1931 die von den Besuchern begeistert aufgenommene dreiteilige Ausstellung: „Die Entwicklung des Stuhles über drei Jahrhunderte“, „Entdeckungsfahrten durch die 1000jährige Stadt“ mit Arbeiten von F. Teichmüller, Prof. Dornbusch, A. Seewald sowie „Marken, Münzen und Medaillen im Spiegel der Prägkunst“.

Als 1934 das Alte Museum in die Villa Lindenhof wechselte, schien die Ideallösung für das städtische Museum gefunden: Beide Häuser - nur wenige 100 Meter von einander getrennt - spielten sich nun gegenseitig die Besucher zu. Zur Einweihung des Lindenhof-Museums am 8. Juli 1934 gab Oberbürgermeister Heinz Sting offiziell die Umbenennung des Neuen Museums in Meyenburg-Museum bekannt. Als Dr. August Stolberg Ende März 1935, knapp 71jährig, aus dem Dienst ausschied, übergab er seinem Sohn Dr. Friedrich Stolberg zwei sehr erfolgreiche museale Einrichtungen.
Aber die erfolgreiche Existenz war nur von kurzer Dauer. Der nahe Krieg warf seine Schatten voraus. Zuerst bekam das der neue Museumsleiter zu spüren. Ihm wurde im September 1937 gekündigt. Anfang 1938 fiel dann die folgenschwerste Entscheidung: Auflösung des Lindenhof-Museums und Auflösung der Stilmöbelsammlung im Meyenburg-Museum.

Während sich im Lindenhof das Heeresbauamt einquartierte, verschwanden die kostbaren Stilmöbel in Privatwohnungen von Parteimitgliedern und Institutionen, erfolgte die Überführung des Lindenhof-Inventars ins Meyenburg-Museum. Vieles ließ sich gar nicht unterbringen und wurde bei Privatpersonen deponiert. Für das städtische Museum brach eine sehr schlimme Zeit an. Friedrich Stolberg, der bis September 1938 ohne Honorar im Museum tätig war, verließ schwer enttäuscht das Haus und ging nach Potsdam. Sein Vater August übernahm trotz hohen Alters und angeschlagener Gesundheit wieder die Leitung. Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges beschränkten sich die Arbeiten im Museum aufs Notwendigste. Aber auf Führungen wollte Museumsdirektor Dr. Stolberg nicht verzichten.

Das Bombardement auf Nordhausen im April 1945 überstand das Meyenburg-Museum schwer beschädigt. Als die Amerikaner die Stadt für eine Woche zum Plündern freigaben, blieb auch das Museum nicht verschont. Kostbare Sammlungen oder Teile von ihnen verschwanden für immer.
Unter der sowjetischen Militärherrschaft begann der schrittweise Neubeginn. Vielen engagierten Mitarbeitern und Gönnern ist es zu verdanken, dass das Haus heute wieder zu einem angesehenen und gern besuchten Museum wurde.
Autor: rh

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