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Mi, 18:25 Uhr
19.03.2008

Hält doppelt besser?

Ab dem Jahr 2010 soll im Nordhäuser Rathaus eine neue Ära des Finanzwesens beginnen. Die einen raunen es sich ehrfürchtig zu, die anderen winken mitleidsvoll ab: Das kommunale Finanzwesen, kurz Doppik, soll eingeführt werden...


Die Nordhäuser Stadträte machten heute dem neuen Ortsteil Stempeda ihre Aufwartung. Erst einmal wurde der neue Ortsbürgermeister Detlef Basler zu seiner Wahl am Sonntag beglückwünscht. Dann stand aber schon das künftige Finanzwesen der Verwaltung auf der langen Liste der Tagesordnungspunkte.

Die Kämmerer werden plötzlich Bilanzbuchhalter, müssen sich mit Eröffnungsbilanzen oder Jahresabschlüssen auseinandersetzen. Natürlich will die Stadtverwaltung – wenn es ums Moderne geht – auch gern eine Vorreiterrolle in Thüringen einnehmen. Und da für Bürgermeister Matthias Jendricke (SPD) schon vor Monaten feststand, daß Nordhausen die reichste Kommune in Nordthüringen ist, die zum Beispiel eine Bewertung der Vermögenswerte der Rolandstadt nur noch die reine Formsache, der sich Studenten der Nordhäuser Fachhochschule widmen.

Es muß aber auch noch kräftig investiert werden, denn: Voraussetzung für die Einführung der Doppik ist das Vorhandensein und die Funktionalität entsprechender Rechentechnik. „Eine Haushaltswirtschaft, die den Herausforderungen an die kommunalen Gebietskörperschaften gewachsen sein soll, benötigt vollständige Informationen über den Verbrauch und das Aufkommen der finanziellen, sachlichen und personellen Ressourcen. Das bisherige kameralistische Haushalts- und Rechnungswesen orientiert sich an Einnahmen und Ausgaben und bildet nur Veränderungen des Geldvermögens ab. Eine Verwaltungssteuerung, die sich an Ressourcenverbrauch und Werteverzehr orientiert, bedarf eines Rechnungswesens, das die erforderlichen Informationen zur Verfügung stellen kann. Dieser Aufgabe wird ein Rechnungswesen gerecht, das auf der Grundlage der doppelten Buchführung arbeitet und Ressourcenaufkommen und Ressourcenverzehr über Erträge und Aufwendungen vollständig abbildet“, steht im Beschluß des Stadtrates.

Und endlich: Die Doppik sei für die Stadtverwaltung Nordhausen eine Chance, durch mehr Kostentransparenz die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben zu schließen und langfristige Investitionen mit ihren Folgekosten realistisch zu bewerten.

Ein Problem haben die Nordhäuser Stadtverwalter: Der Gesetzgeber hatte Anfang 2004 festgelegt: „Gemeinden können, müssen aber nicht auf die Doppik umstellen“. Damit ist eine Vergleichbarkeit der Leistungsfähigkeit von Kommunen und deren Verwaltungen untereinander nahezu unmöglich. Trotzdem: In Nordhausen wird zur Begründung der demografische Faktor nicht vergessen: „Zukünftig soll vor allem auch im Hinblick auf den sich vollziehenden demografischen Wandel bei anstehenden Investitionen in die Entscheidungsfindung nicht nur die Folgekostenberechnung bzw. der Wirtschaftlichkeitsvergleich einfließen, sondern mit dem neuen Rechnungswesen können darüber hinaus Aussagen getroffen werden, ob eine Gemeinde wirtschaftlich in der Lage ist, die Investitionen und deren künftige Betriebs- und Unterhaltungskosten, einschließlich Abschreibungen zu decken.“ Da kann man ja ab 2010 richtig gespannt sein.

Nicht so die Stadträte, die wußten am Abend was sie tun, sie stimmten der Einführung der Doppik zu.

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Autor: nnz

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