Mi, 14:06 Uhr
12.03.2008
Die neuen Alten
ernstes Präsidium (Foto: oas)
Zwei turbulente Monate hat der Salzaer Fußballverein FSG 99 hinter sich. Heute lud das Präsidium zur Presseerklärung, um einiges klar zu stellen. Die nnz mit den Einzelheiten.Vizepräsident Sven Lutze war es vorbehalten, der lokalen Presse zu erklären, was sich in den letzten Monaten in seinem Verein abgespielt hatte. Da war von Erpressung die Rede, von Meuterei, ja, von offenem Aufstand der Spieler. Lutze bestätigte die Querelen, die sich aus der Beurlaubung des Salzaer Urgesteins Sylvio Böhm als Trainer der I. Mannschaft ergeben hatten.
Präsidium und Trainer waren uneins über die Saisonziele, die Integration ins Vereinsleben und die Benennung eines Co-Trainers. Mehr und mehr drängte sich dem Vorstand der Eindruck auf, da gäbe es einen Verein im Verein. So kam es am 15. 1. zur Suspendierung des Herrn Böhm, der mehr als dreißig Jahre Vereinsmitglied ist. Aber, und das betonten die Präsidialen, es war kein Rauswurf. Lediglich sein Traineramt der ersten Männermannschaft stand zur Disposition.
Die Reaktion im Umfeld des Bezirksligateams war so heftig, dass sich das Präsidium der FSG genötigt sah, Neuwahlen anzuberaumen und das Votum der Mitglieder über die Zukunft des Vereins entscheiden zu lassen. Diese Versammlung führte vergangenen Freitag zur grundlegenden Bestätigung des Präsidiums um Bernd Schütze und Sven Lutze (nnz berichtete). Vier alte Mitglieder wurden wieder gewählt, Sandra John als neue Schatzmeisterin berufen und Manfred Hebbel Schütze als sportlicher Leiter mit integriert.
Es bleibt also bei der Trennung vom Trainer. Ein Schritt der zur Folge hat, dass dem Verein ein gewaltiger Umbruch ins Haus steht. Mehr als dreißig Abmeldungen liegen vor, davon 26 aktive Spieler, davon 7 Spieler der ersten Männermannschaft.
Manfred Schütze als Verantwortlicher, Frank Elster und Andreas Dudek führen als Triumphirat die drei Männermannschaften durch die restliche Saison. Die klassische Zugehörigkeit zu einer bestimmten Truppe wird es für die Spieler nicht geben, die Grenzen sind fließend und die drei Übungsleiter können auf insgesamt 40 Spieler zurückgreifen. Das Saisonziel ist ein ordentlicher Platz in der Tabelle, möglichst weit weg von den Abstiegsrängen.
Kritischer sieht es in der Kaderschmiede A-Junioren aus. Da haben sich außer zwei Spielern alle Aktiven nebst Übungsleiter verabschiedet. Keine sehr weise Entscheidung von den Jungs, die nun bis in den November für den Spielbetrieb, egal in welchem Verein, gesperrt sind. Schütze, Elster und Dudek wollen hier Einzelgespräche führen und die jungen Spieler überzeugen, wieder für Salza aufzulaufen.
Letztendlich hat sich Präsident Schütze durchgesetzt, der mit Stolz auf den Zulauf im Nachwuchsbereich verweist und noch einmal seine Philosophie deutlich machte: Ein Verein besteht aus mehr als nur der ersten Herrenmannschaft.
Erfolge bei sportlichen Festen und Feiern sowie ein guter Kontakt zu den Eltern bestätigen ihn in dieser Einschätzung. Und von Sylvio Böhms Drohung: Wenn ich gehe, geht die Mannschaft, hat sich die neue Führungsspitze in Salza nicht einschüchtern lassen. Da sind inzwischen Männer aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen engagiert und voller Vertrauen in die Zukunft. Erpressungen werden da nicht greifen, so lange sich die Herren einig bleiben, dass der Verein und seine Interessen weit vor privaten Belangen stehen soll.
Jetzt richten sie den Blick nach vorn und Neucoach Dudek glaubt: Wir werden gestärkt aus dieser Geschichte herausgehen.
Das kann man den Fußballern an der Salza nur wünschen, denn wenn dieses Präsidium auch an verkrusteten Strukturen im Verein gescheitert wäre, dann hätte kein halbwegs vernünftiger Mensch hier noch Verantwortung übernommen.
Auch der vorige Präsident bekannte am Ende offen, dass er am FC Böhm gescheitert sei. Dieses Schicksal bleibt den Neuen zumindest erspart.
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