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Di, 14:35 Uhr
11.03.2008

nnz-Betrachtung: Handel oder was?

Wie geht es dem Nordhäuser Einzelhandel und wer ist für dessen Existenz zuständig? Das sind die Fragen, die sich Außenstehenden aufdrängen. Dazu der Versuch einer Beantwortung.


Ein Erlebnis vor zwei Jahren bleibt haften. Es war ein Samstag vor einem verkaufsoffenen Sonntag im Frühjahr des Jahres 2006. Die Südharz-Galerie bezahlte einen Werbespot bei der Landeswelle. Ich traf an jenem Samstag einen Einzelhändler, der sein Geschäft in der Nordhäuser Innenstadt hat. Jener Unternehmer fragte mich, warum in dem Spot nicht die Nordhäuser Innenstadthändler, sondern nur die Südharz-Galerie erwähnt werde? Ganz einfach, antwortete ich, weil die Werbegemeinschaft der Südharz-Galerie diesen Spot bezahlt hatte. Darauf der Händler: Dann kann doch die Stadtverwaltung auch einen Spot für die Innenstadthändler bezahlen!

Soweit die Zustandsbeschreibung vor zwei Jahren. Viel hat sich seit dem nicht getan. Das Nordhäuser Rathaus hat nach Informationen der nnz für den zurückliegenden Sonntag rund 5.000 Euro aufgewandt. Nicht direkt, aber indirekt. So entstanden den Verkehrsbetrieben unter anderen höhere Kosten für einen höheren Takt der Straßenbahn. So hat sich die Stadtverwaltung an der Refinanzierung der Plakate beteiligt und angeklebt, um auf den Sonntag hinzuweisen. Nur zwei Beispiele, da ist der Arbeitsstundenaufwand der Verwaltung noch gar nicht mitgerechnet. Viele Einzelhändler, so das Rathaus, haben keine Plakate gekauft.

Natürlich ist es jedem Unternehmer vorbehalten, sein Geschäft zu öffnen, wann und wie er will, wenn er sich im gesetzlichen Rahmen bewegt. Da darf niemand was vorschreiben. Mal abgesehen davon, daß ich als Nicht-Einkaufsbeauftragter meiner Familie es für blödsinnig halte, an irgendeinem Sonntag im kalten März die Geschäfte zu öffnen, ist es schon merkwürdig, daß sich viele Händler daran nicht beteiligen. Ich würde es als Händler für sinnig empfinden, vor Weihnachten oder Ostern zusätzliche Kunden an einem zusätzlichen Tag zu locken. Aber das ist auch nur meine Meinung.

Wer allerdings Stammeinkäufer in der Nordhäuser Innenstadt ist, der kann sich nicht auf einheitliche Öffnungszeiten verlassen, schon gar nicht an einem normalen Samstagvormittag. Und spätestens hier sind die Händler selbst gefragt. Hansjürgen Nüßle mag Recht haben. Es muß ein Zusammenschluß dieses Berufsstandes her, das Innenstadtmarketing vermag das nicht zu leisten, schon gar nicht sollte dieses Instrument von der Wirtschaftsförderung einer Verwaltung maßgeblich begleitet werden. Mehr noch, in Nordhausen ist das Teil der Wirtschaftsförderung.

Und so wage ich einen Blick zu unseren Nachbarn: In Sondershausen gibt es einen Gewerbeverein. Der hat am zurückliegenden Wochenende seinen Ostermarkt organisiert, nachzulesen in den Kyffhäuser Nachrichten. Im benachbarten Landkreis Osterode gibt es in Kommunen, die mal gerade so die Größe eines Nordhäuser Ortsteils haben, einen Zusammenschluß der Händler. Warum klappt das nicht hier in Nordhausen? Hier sind die Händler gefragt, deren ureigenstes Interesse doch der Umsatz ist.

Und da kommen wir zum Jahr 2006 zurück. Werben kostet Geld. Warum soll ein kommunales Gemeinwesen wie die Stadt Nordhausen Geld in die Hand nehmen und Werbung für Unternehmer machen. Letztlich ist es auch mein Geld. Diese Frage stelle ich mir um so mehr, da ich in einigen Nordhäuser „Läden“ nicht freundlich bedient werde, der Service zu wünschen übrig läßt und auf Nachfragen nicht reagiert wird.

Sicher, so werden jetzt die Händler unisono sagen, das sind Einzelfälle, das sind die so genannten „schwarzen Schafe“. Sie gehören jedoch der nichtvereinten Händlerschaft an. Wenn diese sich vereint und gemeinsam Geld in die Hand nimmt, den verkaufsoffenen Sonntag zu einem Erlebnis werden läßt und nicht auf das bipolare Zentrum am Pferdemarkt wartet, dessen Spatenstich schon wieder um mehr als einen Monat verschiebt, dann wird es auch mit dem Einkauf klappen. Das Ergebnis der jüngsten nnz-Umfrage – ich betone ausdrücklich deren Nicht-Repräsentativität – ist jedenfalls kein Aushängeschild für die Einheimischen.

Sollte im kommenden Jahr die A 38 erst einmal gen Westen durchgängig befahrbar sein, dann werden sich mobile Käufer am Wochenende in diese Richtung bewegen. Und sie werden garantiert nicht an der Anschlussstelle Bleicherode wieder abfahren.

Die Zeit, sie steht nicht still. Im Zeitalter von höherer Geschwindigkeit, mehr Durchgängigkeit oder dem multimedialen Kaufrausch auf das Wunder zu warten, das ist die falsche Strategie. Das klingt hart, letztlich aber ist der Geldbeutel der Menschen, die ja Kunden sein sollten, auch nur begrenzt.
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

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