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Di, 09:14 Uhr
30.04.2002

Warnung vor zu hohem Tarifabschluss

Nordhausen (nnz). Ab kommender Woche soll in Deutschland nach dem Willen der IG Metall gestreikt werden, um ihre Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn durchzusetzen. nnz hat sich bei Experten umgehört.


Ein Tarifabschluss mit einer vier vor dem Komma wäre nach Ansicht des Konjunkturchefs des Münchner Ifo-Instituts, Jan-Egbert Sturm, "eindeutug zu viel". Die Löhne dürften nicht mehr steigen als der Produktivitätszuwachs. Der Präsident des Kieler Weltwirtschaftsinstituts (IfW), Horst Siebert, hat sich zudem für grundlegende Reformen der Flächentarifverträge ausgesprochen. Unternehmen sollten das Recht bekommen, mit ihrer Belegschaft Löhne zu vereinbaren, die vom ausgehandelten Tarif nach unten abweichen, sagte Siebert am Samstag in Dresden.

Auch einem Arbeitnehmer sollte die Möglichkeit eingeräumt werden, von sich aus mit der Betriebsführung nach dem "Günstigkeitsprinzip" niedrigere Gehälter als ursprünglich abgeschlossen, zu vereinbaren, wenn dadurch sein Arbeitsplatz sicherer werde. Zur Begründung sagte Siebert, dass eine Reform des "Regelwerkes Arbeit" die entscheidende Voraussetzung für eine geringere Arbeitslosigkeit sei. Dadurch könne das Wirtschaftswachstum höher ausfallen. Die jahrzehntelang in Deutschland aufgebaute starre institutionelle Ordnung auf dem Arbeitsmarkt und im Tarifgefüge sei überholt. Mit Blick auf die derzeit laufenden Tarifauseinandersetzungen in der Metall- und Elektroindustrie sprach sich Siebert im Interesse der Arbeitslosen aber auch für Lohn- und Gehaltserhöhungen von unter drei Prozent aus.

IG-Metall-Chef Klaus Zwickel hat gleichzeitig die Arbeitgeber bei einem möglichen Streik erneut vor Aussperrungen gewarnt. Zwickel sagte am Samstag in Böblingen: "Aussperrungen würden die Traifauseinandersetzung deutlich verschärfen und den Konflikt verhärten." Die Gewerkschaft wolle das nicht. Ziel sei es vielmehr, nach dem ab 6. Mai geplanten Streik möglichst schnell zu einem akzeptablen Tarifergebnis für alle Arbeitnehmer zu kommen.

Zwickel verwies auf das neue Streikkonzept der Gewerkschaft. "Wir werden die Streiks nicht auf einzelne wenige Betriebe konzentrieren, sondern möglichst viele Betriebe in den Streik einbeziehen", sagte er. "Wir werden Tagesstreiks, also auf die Dauer einer Schicht begrenzte Streiks durchführen." Für den folgenden Tag würden dann neue Betriebe ausgewählt. Dieses flexible Streikkonzept beinhalte auch, bestimmte Betriebe mehr als einmal zu bestreiken. "Wir streiken da, wo es richtig weh tut", kündigte Zwickel an. Dazu gehörten auch die großen Automobilhersteller.

Zwickel kritisierte erneut das Arbeitgeberangebot. Die bisher angebotenen Einkommenserhöhungen um 190 Euro für die ersten beiden Monate und 3,3 Prozent für weitere 13 Monate seien eine Provokation.
Autor: nnz

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