Mi, 18:54 Uhr
24.04.2002
nnz-Rückspiegel: 24. April 2001
Nordhausen (nnz). Können Sie sich noch erinnern, was vor einem Jahr im Landkreis Nordhausen los war? Die nnz hat im Archiv gesucht und folgende Meldungen gefunden. Heute:
Sondersitzung des Nordhäuser Stadtrates
Eigentlich fehlen doch nur knapp über 900.000 Mark
Es war keine normale Sitzung des Nordhäuser Stadtrates. An einem Dienstag um 18 Uhr treffen sich sonst eher die Mitglieder der einzelnen Fachausschüsse zu ihren Beratungen. Und doch hatte die Sitzung eine eigenartige Brisanz, obwohl Beschlüsse eher nicht zu erwarten waren. Anlaß der heutigen Sitzung war ein Antrag der CDU-Fraktion, der sich dem öffentlichen Statement von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) vom 4. April dieses Jahres anschloß. Damals hatte die Oberbürgermeisterin von der Zahlungsunfähigkeit der Stadt, gar von Pleite und Insolvenz gesprochen und die Stadträte aller vier Fraktionen fühlten sich übergangen. Dr. Ferdinand Spangenberg hielt denn auch im Namen seiner CDU-Fraktionskollegen fest: Mit Ihren Ausführungen in der Öffentlichkeit haben Sie dem Ansehen der Stadt Nordhausen Schaden zugefügt. Die Stadträte, insbesondere der CDU-Fraktion fühlten sich brüskiert, dass Sie solche schwerwiegenden Äußerungen am Stadtrat vorbei gemacht haben. Wir missbilligen Ihr Verhalten und erwarten, dass Sie sich dafür bei den Bürgern der Stadt Nordhausen und gegenüber dem Stadtrat entschuldigen.
Statt einer Entschuldigung zählte Barbara Rinke auf, was Stadtverordnetenversammlung (1990 - 1994) und Stadträte in den zurückliegenden Jahren (1994 - jetzt) beschlossen hatten, um Nordhausen in den Rang einer großen kreisangehörigen Stadt mit oberzentraler Funktion zu hieven. Rinke erinnerte an zehn Thesen, an das äußerst komplizierte und schmerzhafte Konsolidierungskonzept und zählte auf, wo es denn in den kommenden Jahren Veränderungen geben könnte. Eigentlich und das ist das Kuriosum, geht es lediglich um 931.000 Mark, die im städtischen Haushalt fehlen, und die ihre Ursache in der Kreisumlage haben.
Nun forderte Oberbürgermeisterin Barbara Rinke die Stadträte dazu auf, Auswege nicht nur aus der jetzigen Situation zu suchen, sondern auch jetzt und in diesem Jahr die Weichen für die Zukunftsfähigkeit der Stadt zu stellen. Die Frage wird sein, wollen wir noch Oberzentrum werden? Die Antwort darauf liegt in einigen Zahlen versteckt, deren Entwicklung eigentlich ganz klar auf der Hand liegt. Sollte sich die Gebärfreudigkeit in und um Nordhausen nicht über alle Maße entwickeln, oder sollte Bill Gates eventuell nicht auf den Gedanken kommen, auf dem brach liegenden Gelände des BIC einen Microsoft-Ableger zu etablieren, dann wird die Nordhäuser Bevölkerung in den kommenden Jahren noch einmal um 11 Prozent schrumpfen. Das Ziel ist die Horror-Zahl von 41.000! Auch um den Landkreis wird eine solche Tendenz keinen Bogen machen. Fazit aus Rinkes Sicht: Der Landkreis aber auch die Stadt sind einfach zu klein, eine Verwaltungsstruktur für rund 120.000 Menschen muß her!
Einzig die SPD-Fraktion machte am Abend denn auch einige Vorschläge, woran der städtische Haushalt gesunden könne. So zum Beispiel durch das Reduzieren der Zweit-Wohnsitze, der Einführung einer gleichnamigen Steuer, am Verkauf der städtischen Anteile an der gGmbH des Südharzkrankenhauses oder an der Aufgabe der städtischen Schulträgerschaft. Die anderen Fraktionen wollten sich an diesem Abend keinen schnelle Vorschlag erlauben. Dennoch: Die Zeit drängt, nicht nur auf Veränderung, sondern auch auf Entscheidungen. nnz wird über interessante Facetten der heutigen Sitzung des Stadtrates noch ausführlich berichten.
Autor: nnzSondersitzung des Nordhäuser Stadtrates
Eigentlich fehlen doch nur knapp über 900.000 Mark
Es war keine normale Sitzung des Nordhäuser Stadtrates. An einem Dienstag um 18 Uhr treffen sich sonst eher die Mitglieder der einzelnen Fachausschüsse zu ihren Beratungen. Und doch hatte die Sitzung eine eigenartige Brisanz, obwohl Beschlüsse eher nicht zu erwarten waren. Anlaß der heutigen Sitzung war ein Antrag der CDU-Fraktion, der sich dem öffentlichen Statement von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) vom 4. April dieses Jahres anschloß. Damals hatte die Oberbürgermeisterin von der Zahlungsunfähigkeit der Stadt, gar von Pleite und Insolvenz gesprochen und die Stadträte aller vier Fraktionen fühlten sich übergangen. Dr. Ferdinand Spangenberg hielt denn auch im Namen seiner CDU-Fraktionskollegen fest: Mit Ihren Ausführungen in der Öffentlichkeit haben Sie dem Ansehen der Stadt Nordhausen Schaden zugefügt. Die Stadträte, insbesondere der CDU-Fraktion fühlten sich brüskiert, dass Sie solche schwerwiegenden Äußerungen am Stadtrat vorbei gemacht haben. Wir missbilligen Ihr Verhalten und erwarten, dass Sie sich dafür bei den Bürgern der Stadt Nordhausen und gegenüber dem Stadtrat entschuldigen.
Statt einer Entschuldigung zählte Barbara Rinke auf, was Stadtverordnetenversammlung (1990 - 1994) und Stadträte in den zurückliegenden Jahren (1994 - jetzt) beschlossen hatten, um Nordhausen in den Rang einer großen kreisangehörigen Stadt mit oberzentraler Funktion zu hieven. Rinke erinnerte an zehn Thesen, an das äußerst komplizierte und schmerzhafte Konsolidierungskonzept und zählte auf, wo es denn in den kommenden Jahren Veränderungen geben könnte. Eigentlich und das ist das Kuriosum, geht es lediglich um 931.000 Mark, die im städtischen Haushalt fehlen, und die ihre Ursache in der Kreisumlage haben.
Nun forderte Oberbürgermeisterin Barbara Rinke die Stadträte dazu auf, Auswege nicht nur aus der jetzigen Situation zu suchen, sondern auch jetzt und in diesem Jahr die Weichen für die Zukunftsfähigkeit der Stadt zu stellen. Die Frage wird sein, wollen wir noch Oberzentrum werden? Die Antwort darauf liegt in einigen Zahlen versteckt, deren Entwicklung eigentlich ganz klar auf der Hand liegt. Sollte sich die Gebärfreudigkeit in und um Nordhausen nicht über alle Maße entwickeln, oder sollte Bill Gates eventuell nicht auf den Gedanken kommen, auf dem brach liegenden Gelände des BIC einen Microsoft-Ableger zu etablieren, dann wird die Nordhäuser Bevölkerung in den kommenden Jahren noch einmal um 11 Prozent schrumpfen. Das Ziel ist die Horror-Zahl von 41.000! Auch um den Landkreis wird eine solche Tendenz keinen Bogen machen. Fazit aus Rinkes Sicht: Der Landkreis aber auch die Stadt sind einfach zu klein, eine Verwaltungsstruktur für rund 120.000 Menschen muß her!
Einzig die SPD-Fraktion machte am Abend denn auch einige Vorschläge, woran der städtische Haushalt gesunden könne. So zum Beispiel durch das Reduzieren der Zweit-Wohnsitze, der Einführung einer gleichnamigen Steuer, am Verkauf der städtischen Anteile an der gGmbH des Südharzkrankenhauses oder an der Aufgabe der städtischen Schulträgerschaft. Die anderen Fraktionen wollten sich an diesem Abend keinen schnelle Vorschlag erlauben. Dennoch: Die Zeit drängt, nicht nur auf Veränderung, sondern auch auf Entscheidungen. nnz wird über interessante Facetten der heutigen Sitzung des Stadtrates noch ausführlich berichten.

